Panzerfahren – das intensive Gemeinschaftserlebnis

Liebe Schülerinnen und Schüler,

eher nebenbei erfuhr ich, dass unsere Partnerfirma einen Panzer hat und ich fragte gleich nach, ob wir nicht auch mal als Redaktion Panzer fahren dürften. Es wurde bei unserem nächsten Besuch nichts draus – Panzer kaputt und ich enttäuscht. Ich blieb dran. Wieder ein Jahr später war es dann soweit – Panzer fahrbereit und wir als Redaktion voller Spannung.

Wir tickten nicht in Moralin-Kategorien, dieses ständige Bewerten von all unserem Tun, von Freude, Spaß und Lebenslust lag uns fern – auf jeden Fall damals. Wir wollten nicht bewerten, wir wollten Panzer fahren – nicht mehr und nicht weniger. Und seit der „Zeitenwende“ wissen wir, wie sich frühere Kategorien, politische Überzeugungen schlagartig in ihr Gegenteil verkehren – und das nicht ohne Grund! Ich schildere hier emotional das Erlebte – meine persönliche Sicht.

Panzerfahren ist umwerfend, es ist nicht unbedingt das Fahren an sich, es ist das Faszinosum aus Angst und Sicherheit, wie wir es aus Krimis, Thrillern oder Horrorfilmen kennen – die „Angstlust“, bei der Dopamin freigesetzt wird mit euphorisierender Wirkung. Soweit das Psychologische. Aber das alles interessierte uns null. Die Firma hatte uns zu Würstchen und Steaks eingeladen – die Atmosphäre entspannt und zugleich voller Spannung auf das Kommende. In der Kleiderkammer bekamen wir die passenden Militärklamotten und eine Schutzbrille für die Augen. Das erhöhte die Spannung, den Kitzel. In den plumpen „Kleidersäcken“ stapften wir los, dumpf dröhnte uns der Panzer an – fast wie ein Raubtier: komm mir nicht zu nahe! Ein Panzer, dieser Koloss aus Stahl, dieses Übermächtige und wir so klein, zerbrechlich und verletzbar. Und genau da lag nun die „Angstlust“. Wir legten die Reihenfolge von uns „Panzerfahrern“ fest, schon ein bisschen so: Fahr du mal zuerst, dann ich! Einzeln stiegen wir in die „Stahlraupe“, machten einen auf locker, hatten aber gleichzeitig Schiss.

Die Fahrt selbst ist ein Erlebnis! Die Strecke war mit steilen Hügeln übersät. Langsam frisst sich die Kette nach oben, krallt sich in den Boden ein, ein kurzer Moment des Haltens auf dem Hügelkamm, totale Anspannung, um dann schlagartig nach unten zu stürzen – wie der Beginn bei der Achterbahn: Sie steht, der Blick kurz über die weite Landschaft, die Angst steigt und dann der Sturz nach unten – der Schrei, das Jauchzen, das Einswerden mit der rasenden Geschwindigkeit. Und eins sollte man auch mit dem Panzer werden, sich so eng wie möglich an die Luke klammern, sonst fliegt man rum wie ein Ball. Dazu der Dreck, der Staub, der kurz jede Sicht raubt, gefühlt wirbelt einem die Erde entgegen. Es ist so befreiend – wie ein Rausch, der sich mit jeder Sekunde intensiviert, am liebsten würde man nur eines: fahren, fahren, fahren – in dieser anderen Dimension!

Ich fotografierte im Staub – schützte meine Linse, es roch fast schon nach Wildnis und Abenteuer. Und ich fühlte mich der Redaktion so nahe, wie ich es noch nie erlebte. Es war in mir, aber auch in den anderen eine Gemeinschaft entstanden, die ich in dieser Intensität noch nie spürte. Achterbahnfahren lässt mit seinen Stürzen nach unten, seinen Loopings, seinem abrupten Hochziehen keine Zeit für Gemeinschaft, der Magen sackt ab, die Luft bleibt weg, und wenn man ankommt, ist man fix und fertig – Mutprobe bestanden. Anders beim Panzerfahren. Du hast Zeit, du wartest, du sitzt oder stehst mit den anderen zusammen, ich und du wird zu wir, ein tiefes Wir, ein Wir der Gemeinschaft, das du intensiv genießt. Es hat fast schon etwas Beglückendes – so mit sich und anderen eins zu sein.

Schafft, so oft es geht, Gemeinschaftserlebnisse, die euch entsprechen, aber die „Angstlust“ schweißt stärker zusammen, als ihr denkt!

Engagierte, packt die Schülerzeitung an – mit Entschlossenheit, Begeisterung und Durchhaltevermögen! Es lohnt sich – für euch!

Klaus Schenck (Artikel + Fotos)

Serie „Schülerzeitungsermutigung“ im Überblick

– 01: „10 Jahre Jugendseite„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/10-jahre-jugendseite/
– 02: „Redaktionsgröße – Zwei-Pizza-Regel„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/redaktionsgroesse-zwei-pizza-regel/ 
– 03: Start: „Wo werden wir schlau getrimmt?„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/start-wo-werden-wir-schlau-getrimmt/ 
– 04: „Nicht piensen – ‚Geld-Scheißerle‘ kreieren!„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/nicht-piensen-geld-scheisserle-kreieren/ 
– 05: „Beratender Lehrer – nur ‚was für ganz Harte und Begeisterte„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/beratender-lehrer-nur-was-fuer-ganz-harte-und-begeisterte/ 
– 06: „Wir waren in der Vergangenheit schon in der Zukunft„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/wir-waren-in-der-vergangenheit-in-der-zukunft/ 
– 07: „Traum – wir werden Weltschülerzeitung„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/traum-wir-werden-welt-schuelerzeitung/ 
– 08: „Die Chinesen kommen…„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/die-chinesen-kommen/ 
– 09: „Traum von Amsterdam…„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/traum-von-amsterdam/ 
– 10: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/berlin-berlin-wir-fahren-nach-berlin/ 
– 11: „Mit der Kamera in neue Dimensionen„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/mit-der-kamera-in-neue-dimensionen/ 
– 12: „Abi-Sendungen – unser Markenzeichen„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/abi-sendungen-unser-markenzeichen/ 
– 13: „Medien-Macher, Medien-Hilfe, Medien-Tag„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/medien-macher-medien-hilfe-medien-tag/ 
– 14: „Printausgabe vs. Internet-Zeitung„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/printausgabe-vs-internet-zeitung/ 
– 15: „Kooperation mit der Universität Würzburg„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/kooperation-mit-der-universitaet-wuerzburg/ 
– 16: „Kooperation mit dem Rotary-Club„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/kooperation-mit-dem-rotary-club/ 
– 17: „Trommelt euch in die Lokalpresse„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/trommelt-euch-in-die-lokalpresse/ 
– 18: „SWR-Besuch: Von Wetterfröschen, Werbe-Profis und einem Moderatoren-Traum„:   https://www.schuelerzeitung-tbb.de/swr-besuch-von-wetterfroeschen-werbe-profis-und-einem-moderatoren-traum/ 
– 19: „Geheimwaffe beim Vorstellungsgespräch – die Schülerzeitung„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/geheimwaffe-beim-vorstellungsgespraech-die-schuelerzeitung/ 
– 20: „Zwischen Totengräbern und dem Glück„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/zur-freundschaft-durchgefressen/  
– 21: „Zur Freundschaft ‚durchgefressen‚“: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/zur-freundschaft-durchgefressen/
– 22: „Panzerfahren – das intensive Gemeinschaftserlebnis„: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/panzerfahren-das-intensive-gemeinschaftserlebnis/  

Schülerzeitung

Link zu den Rückblicks-Artikeln: https://www.klausschenck.de/ks/jugendseiten/schuelerzeitungsermutigung—15-jahre-rueckblick/index.html

Link zur Schülerartikel-Homepage: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/

Material-Hinweise fürs Abitur

Aus aktuellem Anlass: „Faule Säcke, werdet Lehrer!“: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/faule-saecke-aller-laender-werdet-lehrer-in-baden-wuerttemberg/ 

Thomas Mann: „Felix Krull“ + Franz Kafka: „Der Verschollene“ + Juli Zeh: „Corpus Delicti“ + Wolfgang Koeppen: „Tauben im Gras“: https://www.klausschenck.de/ks/deutsch/klassenarbeiten/abi-pflichtlektuere-ab-2023—baden-wuerttemberg/index.html

Zur Diskussion zu „Tauben im Gras“: „Schere im Kopf + Knoten in der Zunge“: https://www.klausschenck.de/ks/veroeffentlichungen/eigene-artikel/freier-geist-vs-politische-korrektheit/index.html

Johann Wolfgang v. Goethe: „Faust“ + Hermann Hesse: „Der Steppenwolf“ + E.T.A. Hoffmann: „Der goldne Topf“ + Hans-Ulrich Treichel: „Der Verlorene“: https://www.klausschenck.de/ks/deutsch/klassenarbeiten/neue-abi-pflichtlektuere—baden-wuerttemberg/index.html

Allgemeine Abitur-Tipps: https://www.klausschenck.de/ks/deutsch/klassenarbeiten/geziele-abitur-hilfen-in-corona-einsamkeit/index.html

Deutsche Grammatik (Tabellen + Übungen): https://www.klausschenck.de/ks/deutsch/grammatik/grammatik-uebungen/index.html

Stärkung aus dem Psychologie-Unterricht: https://www.klausschenck.de/ks/psychologie/psychologie-unterricht-als-staerkenseminar/index.html

Klaus Schenck, OSR. a.D.
Fächer: Deutsch, Religion, Psychologie
Drei Internet-Kanäle:
Schul-Material: www.KlausSchenck.de
Schüler-Artikel: www.schuelerzeitung-tbb.de
Schul-Sendungen: www.youtube.com/user/financialtaime
Trailer: Auf YouTube ansehen
„Vom Engagement-Lehrer zum Lehrer-Zombie“/Bange-Verlag 2020:
Info-Flyer: Download

Über den Autor

Klaus Schenck unterrichtete die Fächer "Deutsch", "Religion" und "Psychologie". Er hatte 2003/04 die Schülerzeitung "Financial T('a)ime" (FT) zunächst als Printausgabe ins Leben gerufen, dann 2008 die FT-Homepage, zwei Jahre später die FT-Sendungen auf YouTube (www.youtube.com/user/financialtaime) , zusätzlich ist noch seine Deutsch-Homepage (www.KlausSchenck.de) integriert, sodass dieses "Gesamtpaket" bis heute täglich auf rund 1.500 User kommt. Mit der "FT-Abi-Plattform" wurde ab 2014 das Profil für Oberstufen-Material - über die Schülerzeitung hinaus - geschärft, ab August 2016 ist wieder alles in einer Hand, wobei Klaus Schenck weiterhin die Gewichtung auf Schulmaterial beibehält und die Internet-Schülerzeitung (FT-Internet) bewusst auch für andere Interessierte öffnet.

Weitere Artikel zum Thema

Liebe Schülerinnen und Schüler, unsere Botschaft an euch, wenn ihr eine Schülerzeitung werden wollt oder schon eine seid: Macht so viel wie nur möglich gemeinsam! Noch einen Tick konkreter: Geht nach jeder langen Redaktionssitzung gemeinsam essen! Ich erzähle euch ganz kurz, wie es bei uns lief, bevor Chefredakteurin Stefanie das Wort hat und aus ihrer …

Liebe Schülerinnen und Schüler, 2013: Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr, ich ertrug es nicht mehr, in diese Einsamkeit, Verlassenheit, Hilflosigkeit gestoßen zu werden von Menschen, die kurz vor Fertigstellung einer Schülerzeitung keinen Bock mehr haben, jetzt Urlaub machen, andere Prioritäten setzen oder nur: keine Zeit mehr haben! Diese Einsamkeit, Verlassenheit, Hilflosigkeit war …

Liebe Schülerinnen und Schüler, vor vielen Jahren bekam ich nach dem Abitur von einer engagierten Schülerzeitungsredakteurin folgenden Text zu Bewerbung, Vorstellungsgespräch und Anforderungen. Der Text ist aus gutem Grund anonym und wurde auch nirgends veröffentlicht. Ich finde ihn so herrlich, aber auch so zutreffend. Alle Personaler, denen ich den Text zeigte, haben ihn mir voll …

Liebe Schülerinnen und Schüler, wir bekamen bei der Preisverleihung durch das Kultusministerium für unsere Printausgabe 2013 nicht nur Urkunde und Geld, sondern auch eine Einladung für einen SWR-Besuch 2014 und uns war klar: da gehen wir hin! Ich schreibe jetzt gar nicht mehr groß weiter, sondern lasse die Redaktionsmitglieder von ihren verschiedenen Workshops erzählen: „Unsere …

Liebe Schülerinnen und Schüler, so, ich will euch jetzt etwas Ausgefallenes zeigen: zwei Besuche in unserer Redaktion – sie liegen schon über zehn Jahre zurück. Einmal kam eine Lokalredakteurin zu uns und zwei Jahre später das Franken-Radio/SWR4. Und warum kamen beide? Weil wir für sie präsent waren, durch Artikel, ausgefallene Projekte und durchs Internet. Genau …

Liebe Schülerinnen und Schüler, vernetzt euch – nicht nur untereinander, das ist ja wohl selbstverständlich, vernetzt euch auch mit der Welt der Erwachsenen und damit mit der Welt, in der viele von euch zunächst studieren, aber dann auch arbeiten werden – der Uni, der Industrie oder – wie in diesem Brief – mit dem Rotary-Club …

Liebe Schülerinnen und Schüler, jetzt zitiere ich einfach aus dem Bericht (März 2013) unserer damaligen Chefredakteurin Debora: „Nach wochenlanger Vorfreude war es endlich soweit. Unser großer Tag war gekommen. Anstatt am Unterricht teilzunehmen, machten wir uns auf den Weg zur Neuen Universität Würzburg. Unser Ziel: Senatssaal, Zimmer Nr. 210. Erst auf der Suche nach diesem …

Liebe Schülerinnen und Schüler, heutige Schülerzeitungen stehen vor der Entscheidung: Print oder Internet. Beides hat Vor- und Nachteile. Wir haben uns damals bewusst für beides entschieden! Nachdem wir schon mehrere Jahre die Internet-Zeitung hatten, gaben wir nochmals alles und hauten zusammen mit Würth Industrie Service unsere letzte Druckausgabe raus, in die wir all unsere Energie …

Liebe Schülerinnen und Schüler, nur schnell zur Erinnerung: Ihr wisst noch, wir haben uns als Schülerzeitung 2010 parallel zu unserem ersten ActivBoard an der Schule eine Kamera angeschafft und mit ihr Unterrichtspräsentationen gefilmt und Abi-Präsentationsprüfungen – im Nachhinein – mit dem dazugehörigen Kolloquium produziert. Bei diesen Präsentationsprüfungen stand das ActivBoard als wichtigstes Medium im Zentrum. …

Liebe Schülerinnen und Schüler, ihr erinnert euch vielleicht an den Brief, in dem ich schilderte, welche Veränderung der Kauf einer Filmkamera mit sich brachte. Das war 2010 und der Grund für den Kauf war das neue ActivBoard an unserer Schule. Wir filmten noch recht primitiv ohne externes Mikro die Präsentationen am Activboard im Unterricht. Wir …