
„Hallo!? Hört mir eigentlich jemand zu??“ Ich sitze mit meinen Mädels zusammen und habe gerade etwas gesagt, doch niemand reagiert. Jede hängt an ihrem Smartphone und beachtet mich gar nicht. Situationen wie diese gab es früher öfters. Früher – das ist die Zeit, in der ich selbst noch keines dieser Süchtigmacher hatte. Mich hat es oft einfach nur genervt. Man kann sich nicht mit einer Freundin unterhalten, ohne dass sie alle paar Minuten, ach, alle paar Sekunden auf’s Display schaut oder darauf rum tippt. Ist eine richtige Unterhaltung denn gar nichts mehr wert? Kann man das nervige Teil denn nicht einmal für kurze Zeit weglegen? Anscheinend ist das nicht möglich.
Es gibt zahlreiche solcher Situationen, die ich früher nicht verstanden habe. Eine Schulstunde dauert „nur“ 45 Minuten, so lange werden die Freunde doch auf eine Antwort warten können. Und trotzdem sah ich meine Klassenkameraden ständig am Tippen und Touchen, das Handy möglichst unauffällig im Mäppchen oder unter Schals auf dem Tisch versteckt. Und die Lehrer? Die sehen nichts oder sie wollen gar nichts sehen. Und wenn doch einer erwischt wird, muss er zur Strafe halt mal einen Kuchen mitbringen. Da hat dann wenigstens die Klasse etwas davon.

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie man so abhängig werden kann, süchtig nach „WhatsApp“ und anderen Anwendungen. Den Highscore im neuen Spiel immer überbieten zu wollen. Ohne Handywecker früh gar nicht aus dem Bett zu kommen.
Doch jetzt bin ich selbst stolze Smartphonebesitzerin! Jetzt bin ich selbst jede freie Minute am Nachrichten checken und Spiele spielen. Das passiert ganz automatisch. Ich erwische mich ständig dabei, wie ich in die obere linke Ecke schauen muss. Erscheint dort das erwartete Symbol, das mir zeigt, dass ich eine Nachricht habe, wird sofort die Tastensperre entsperrt und gelesen. Überhaupt schreibt man viel mehr, WhatsApp ist schließlich umsonst, anders als die herkömmliche SMS. Die Nachrichten sind aber auch viel sinnloser. Wegen jeder noch so kleinen Kleinigkeit werden die Freunde informiert.

In der Situation selbst merke ich gar nicht, dass mein Verhalten dem Gesprächspartner gegenüber unhöflich ist. Wenn es mir hinterher klar wird, nehme ich mir auch vor, das nächste Mal jemandem ins Gesicht zu schauen, wenn ich mit ihm rede. Zwar sind wir Frauen multitaskingfähig, schaffen es also locker, reales Gespräch und die Nachrichten der Freunde nicht zu vernachlässigen. Aber ich weiß noch ganz gut, wie man sich fühlt, wenn das Handy wichtiger ist als man selbst.
Eine weitere Situation, die mir schockierend auffällt, sind die Trinkpausen im Training. Früher, vor den Smartphones, haben wir dabei kurz gequatscht und gelacht. Heute checkt jede ihre Nachrichten und ist nur mit sich selbst beschäftigt. Doch nicht nur in der Gruppe bemerke ich meine „Sucht“. Sobald ich irgendwo alleine bin, sei es im Wartezimmer beim Arzt oder an der Bushaltestelle, wird das Handy gezückt. Ja gut, die Spiele vertreiben einem die Zeit, aber mal ehrlich, die paar Minuten kommt man auch ganz gut ohne klar. Ganz früher ging das doch auch. Als es noch keine Handys gab, sind wir auch super zurecht gekommen. Man muss einfach selbst an alles denken und sich nicht komplett auf die Technik verlassen.

In meiner anfänglichen Smartphoneeuphorie holte ich das vibrierende Teil nicht nur in den Pausen raus, sondern schaute auch während des Unterrichts immer häufiger aufs Display. Nur um dann irgendeine sinnlose Nachricht lesen zu können. Und dabei wurde ich letztens auch zum ersten Mal erwischt. Tja, jetzt kann ich wenigstens ein Gedicht mehr auswendig.
Nun versuche ich immer öfters, ohne Handy auszukommen und lasse es für ein paar Stunden liegen. Beim Lernen kann es mich dann schon nicht ablenken. Außerdem muss ich noch nicht immer erreichbar sein. Und wenn ich meine Oma kurz besuche, kann es eigentlich auch zu Hause bleiben.


Wenn ich mein Leben mit und ohne Smartphone vergleiche, hat sich natürlich nicht alles zum Schlechteren verändert. Es schon hilfreich, unterwegs zu schauen, wann der nächste Bus fährt und nicht erst daheim anrufen zu müssen. Es kann auch praktisch sein, immer erreichbar zu sein. Man ist im ständigen Kontakt mit seinen Freunden, Verabredungen sind viel schneller getroffen. Alles schön und gut, aber es gilt dennoch: Handyfreie Zeit ist oft gewonnene Zeit, die ich mir immer erneut abringen muss, es lohnt sich aber!
Artikel: Stephanie
Fotos: Meike Hofmann
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Handy-Artikel der Schülerzeitung
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Ergänzendes Material: Manuskript plus Link zur YouTube-Sendung
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Meine vier Schritte: Träumen, Wollen, Tun, Bekommen!
Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.
Klaus Schenck