
Als ich 2003 zum ersten Mal – nach langem Suchen – das enge Elektro-Lädchen im Hinterhof der unteren Hauptstraße von Tauberbischofsheim betrat: auf den Regalen der Tür gegenüber nur Elektro-Artikel, die in die Jahrzehnte bereits gekommen waren, weiter vorne das Brett mit den Birnen, sorgfältig geordnet, mit Hand ausgezeichnet, war ich irritiert, dann Herr Wachter, den linken Arm auf den kleinen Tisch mit der Kasse gestützt, den rechten auf das gegenüberliegende Regal, leicht nach vorne gebeugt und strahlend. Schön, dass Sie gekommen sind, ließ er mich spüren. So schlossen wir „Freundschaft“. „Freundschaft“ auf den ersten Blick, mit dem zweiten wurde mir klar, der Mann hat viel Ahnung, und mit dem dritten wusste ich, diesem kannst du vertrauen. Und das war unsere Basis.

Mit den Jahren schleppte ich jedes elektrische Gerät, was nicht funktionierte, zu ihm in der naiven Zuversicht des Laien: der wird es schon irgendwie wieder in Ordnung bringen. Herr Wachter ging ruhig in die Werkstatt, kam mit dem passenden Zänkchen, bog hier, drückte dort und die Lampe leuchtete wieder, fuhr beim Rasierer mit dem Daumen über den Klingenblock: der ist noch scharf – schlechter Kaufmann, guter Elektriker – und rundete bei drei bis vier gekauften Birnen ab, nicht ohne dies in ein Späßchen zu kleiden. Ein Besuch in seinem Lädchen war auch immer ein Besuch in meine Kindheit, das Radio auf dem „Museums-Regal“ stand bei uns im Wohnzimmer, der alte Plattenspieler im Zimmer meiner Schwester, und doch war Herr Wachter stets auf dem neuesten Stand der Elektro-Produkte, die ich blind bei ihm kaufte. Er kannte alle diese Geräte, wusste sofort Probleme in Beziehung zu setzen und kam dann abends, um in die verschiedenen Stecker, Buchsen, Zugänge wieder Ordnung zu bringen.

Und wenn ich den Laden mit Batterien, Birnen, mit einem neuen Scherkopf verließ, hatte ich nicht nur leblose Produkte in der Tasche, sondern nahm jedes Mal ein gutes Wort, ein Späßchen, ein Stück menschliche Wertschätzung mit – wie in meiner Kindheit auf dem Land üblich, die alten Geräte auf den Regalen gaben die Kulisse. Lachend verließ ich den Laden, lachend stand er da, die linke Hand auf dem Kassentisch, die rechte auf dem Regal, leicht vorgebeugt. Er wird mir fehlen – als guter Geist bei meinen Alltagsproblemen, als Wegführer bei Kaufentscheidungen und als wertschätzender Mensch bei jeder Begegnung. Er wird aber auch Tauberbischofsheim fehlen!
Artikel und Fotos: Klaus Schenck
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Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.
Klaus Schenck
