„Müller“ schließt in der Hauptstraße von Tauberbischofsheim. Wieder ein Geschäft weniger in einer sterbenden Fußgängerzone – besonders Richtung Sonnenplatz. Doch das ist mir in Blick auf die Müller-Filiale zu allgemein.

Fast jede Woche war ich an meinem Einkaufstag dort. Meine Wünsche waren eher bescheiden: Nüsse und Schreibwaren. Von daher war ich fast nur im unteren Bereich. Und mit den Jahren wurde der wöchentliche Besuch wie ein Heimkommen in mein Einkaufszuhause, wo ich genau wusste – vielleicht typisch Mann, wo sich was befindet, und schon wurde ich gleich von irgendeiner der Verkäuferinnen mit den Worten begrüßt: „Ihre Nüsse sind gekommen, sind hinten im Lager!“ oder „Das mit Ihren Nüssen dauert wohl noch ein bisschen!“
Was diese Filiale ausmachte, waren nicht unbedingt meine Nüsse, auch, ja, natürlich, aber warum ich so gerne in die Filiale ging, war der persönliche Geist, diese auf den Kunden, auf mich zugeschnittene Freundlichkeit. Es war der Geist von Mutter und Tochter Aubart, die Mutter Chefin, die Tochter Stellvertreterin, und beide schenkten der gesamten Filiale eine so persönliche Note.
Nochmals, das war für mich keine Geschäftsfiliale, das war ein Stück weit mein Geschäftszuhause, ein Wohlfühlort durch all die Verkäuferinnen, die die Kunden als Menschen wahrnahmen, und das in großer Hilfsbereitschaft, wie man eben Leuten hilft, die man schon viele Jahre kennt. Und genau das gilt für einige der Verkäuferinnen. Sie sind schon „urlang“ – über drei Jahrzehnte – in genau dieser Filiale in Tauberbischofsheim – und heute den letzten Tag! Sie werden in die Müller-Filialen in Lauda, Wertheim, Bad Mergentheim, Mosbach, Künzelsau und Kreuzwertheim zerstreut werden, sie alle verlieren ihr „berufliches Wohnzimmer“, ihren ihnen so vertraut engen Laden, der für mich etwas Gemütliches, fast schon Geborgenes hatte, konträr zu den großflächigen Filialen, die natürlich effizienter sind.
Diese Müller-Filiale schließt, weil sie genau das war, was ich an ihr so liebte: ein bisschen wie ein großer Wohnzimmer-Einkaufsraum, der – aus Sicht der Geschäftsleitung – sich nicht ausdehnen konnte, aber gerade in seiner Enge ganz viel Raum für Persönliches, für Zwischenmenschliches, für ein Stück Einkaufsgeborgenheit bot.

Die Filiale schließt, wieder ein „Einkaufssehnsuchtsort“ weniger, an dem der Kunde sich zunächst als Mensch, als Einzelner willkommen geheißen fühlt. Wir Kunden bleiben traurig zurück, ein bisschen heimatlos, uns wird das persönliche Wort, die persönliche Begrüßung fehlen. Ihnen allen, liebe Verkäuferinnen, besonders dem Mutter-Tochter-Duo Aubart, ein herzliches Dankeschön, ich werde Sie vermissen! Sie werden teilweise jetzt große Fahrstrecken täglich zurücklegen müssen, Vertriebene aus einem vertrauten und wertgeschätzten Ort! Ihnen wünsche ich von Herzen alles Gute! Sie werden Tauberbischofsheim nicht vergessen, wir aber Sie auch nicht!
Und vielleicht kommen Sie auch wieder – die Zusage steht, wenn es in der Kreisstadt eine neue Müller-Filiale an einem anderen Standort geben wird. Wir werden auch dafür wieder die Daumen drücken!
Artikel und Foto: Klaus Schenck
