Hauptschule → Mittlere Reife → Abitur → Studium → Promotion

Es ist geschafft. 🎓

Und neben vielen surrealen Gefühlen begleitet mich in den letzten Wochen vor allem eines: Dankbarkeit.

Obwohl ich nach der 4. Klasse auf eine Hauptschule wechselte, war mir schon früh klar: Für meinen damaligen Traumjob muss ich studieren. Also entstand etwa in der 7. Klasse dieser vielleicht etwas blauäugige Plan:


📋Hauptschule → Mittlere Reife → Abitur → Studium.
Ganz einfach.

Rückblickend frage ich mich oft, was meine Lehrer wohl darüber gedacht haben. Ich erinnere mich noch gut an die Worte eines Klassenkameraden, der ausgesprochen hat, was viele gefühlt haben: „Wir sind doch eh der Abschaum der Gesellschaft. Aus uns wird nichts.“

Ich erinnere mich an diese Gefühle, aber genauso gut an die Empörung meiner Lehrerin darüber. Letztendlich sind Menschen wie sie der Grund, warum ich heute meine Urkunde in der Hand halte. Zum Ende meiner Hauptschulzeit übten wir Bewerbungen, wofür ich wenig übrighatte, denn ich hatte ja noch einige Jahre Schule und ein Studium vor mir. „Schreib die Bewerbung einfach als würde es um eine Ausbildung gehen“, sagte meine Lehrerin zu mir. Es klingt nach einer Kleinigkeit, aber vielleicht war gerade diese wertungsfreie Reaktion einer der entscheidenden Momente für meinen Weg. Denn heute weiß ich, wie viel Glück ich hatte, nicht an Menschen zu geraten, die mir erklärt hätten, wie unrealistisch oder absurd meine Ziele seien.

In den letzten Jahren wurde ich oft gefragt, ob ich wütend über die Fehleinschätzung meiner Grundschule sei. Doch genau solche Fragen irritieren mich, weil sie oft implizieren:

„Wer promoviert hat, kann auf einer Hauptschule nicht richtig gewesen sein.“
Oder anders gesagt: „Ein Hauptschüler schafft das normalerweise nicht.“

Doch genau das ist Teil des eigentlichen Problems.

Wenn jemand einen solchen Weg geht, wird schnell nach dem „Fehler im System“ gesucht, statt anzuerkennen, dass Zielstrebigkeit und Fleiß auch nach der 4. Klasse noch einen Unterschied machen können.

✨Ich habe es nicht „trotz“ der Hauptschule geschafft. Ich habe es geschafft, weil man mich träumen ließ, statt mir Grenzen einzureden. ✨ Und vielleicht auch, weil mir damals einfach nie jemand gesagt hat, wie hart dieser Weg wirklich werden würde 😅

Deshalb bin ich dankbar:
▫️für 5 lehrreiche Jahre auf der Hauptschule, 1 Jahr Werkrealschule, 3 Jahre Wirtschaftsgymnasium und ein Bildungssystem, das solche Wege ermöglicht
▫️für Lehrerinnen und Lehrer, die entweder an mich geglaubt oder sich ihre Zweifel nicht anmerken lassen haben 😉
▫️für die unendliche Unterstützung, Motivation und Geduld meiner Familie und Freunde.

➡️ Ich sage nicht, dass es einfach war. Aber manche Hürden werden erst unüberwindbar, wenn Andere uns einreden, dass sie es sind.

Dr. Debora Reinhardt, 2026

Wer war Debora für mich – gesehen mit den Augen eines beratenden Lehrers der Schülerzeitung

Zunächst: eine Schülerin? Es ist nicht ganz so einfach. Wir begegneten uns zum ersten Mal im September 2011 – eine Schülerin in meiner 11. Klasse „Deutsch“ am Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim. So recht nahm ich sie nicht wahr – still, sehr zurückhaltend saß sie da und mit großen Augen erst mal alles prüfend. Sie interessierte sich für die Schülerzeitung, da wurde ich dann immer sehr schnell hellhörig – stets mit einer Portion Skepsis aufgrund vieler Enttäuschungen. Aber auch bei ihr war es keine Begeisterung auf den ersten Blick, sie prüfte mich, ich prüfte sie und beide warteten wir ab. Wir näherten uns langsam an, am stärksten durch E-Mails, das war für beide Seiten wohl das Einfachste. So rutschte sie zwischen zwei Schülerzeitungsredaktionen, einer alten und einer neuen, Debora glich einer Brücke. In der alten Redaktion lief sie warm, in der neuen wurde sie Chefredakteurin.

Ab diesem Zeitpunkt lag unsere gegenseitige Prüfrunde hinter uns und ab hier war ich von ihr blind überzeugt. Ich wusste, woher jeder in der Redaktion kam, aber es interessierte mich nicht. Ich bin als Akademikerkind auf dem Land groß geworden, da „arbeitet“ man nicht in sozialen Kategorien, man spielt mit dem, der da ist, und fragt nicht groß, woher kommt er, Hauptsache, er ist da!

So tickte ich auch bei Debora. Mir ging es nicht um eine ausgleichende Gerechtigkeit innerhalb unserer Gesellschaft, unsere Zusammenarbeit basierte auf Verlässlichkeit, Leistungsbereitschaft und Vertrauen. Ich wollte unsere Schülerzeitung zur „Welt-Schülerzeitung“ machen – ständig neue Ideen, Power und die Überzeugung, das ist’s, wir schaffen das! Debora war die, die ruhig, oft wenig enthusiastisch auf all meine Ideen reagierte, sie wog ab, gab zu bedenken und erdete mich. Und ich baute auf ihren nüchternen Verstand – Vorgehen einer zukünftigen Naturwissenschaftlerin, während ich als Geisteswissenschaftler ständig für alles glühte und manches außer Acht ließ. So wurde Debora für mich die wichtigste Gesprächspartnerin an der Schule. Zu allem hatte sie eine ausgewogene Meinung und eine Portion Distanz. Ich fragte sie nach ihrer Meinung, hörte genau zu, durchdachte ihre Position und dann wurde es gemeinsam angepackt und meist zum Erfolg geführt.

Wir waren ziemlich unterschiedlich und sind es noch bis heute. Und genau das machte unsere Schülerzeitungserfolge aus. Und ich war felsenfest von ihr überzeugt, einfach blind überzeugt, die schafft es. Natürlich war das blind in Blick auf ihr Studium, natürlich war es blind in Blick auf ihre Promotion – ich hatte von dieser Welt keinen Schimmer, aber die unbeirrbare Überzeugung, die packt‘s. Es glich einem Grundvertrauen, was Eltern in ihre Kinder setzen (sollten).

Durch Aussagen am Ende unserer gemeinsamen Zeit wurde mir erst bewusst, dass dieses Überzeugtsein für sie sehr wichtig war. Mir war es nicht bewusst. Ich wollte ihr es nicht gezielt geben – so von oben herab als Lehrergeschenk. Ich wollte ihr gar nichts geben, sondern lebte einfach das Vertrauen: Die schafft es, und wenn sie sich etwas vornimmt, packt sie es! So war es immer in ihren unterschiedlichen Schullaufbahnen, warum sollte es also beim Studium und der Promotion anders sein. Hier hatte ich manche Probleme natürlich nicht gesehen.

Zurück zum Anfang: Sah ich Debora als Schülerin? Jetzt nach zwölf Jahren fällt mir auf, wie wenig ich mich an die Schülerin Debora erinnere. War die überhaupt in evangelischer Religion bei mir? Aber klar doch, sie bekam sogar den Fachpreis von mir in diesem Fach! In meiner Erinnerung war sie Gesprächspartnerin, Mahnerin, Vertrauensperson – null das übliche „Lehrer-Schüler-Gefälle“: Ich weiß etwas, was ihr nicht wisst, und deshalb seid ihr hier! Auf gleicher Augenhöhe, auch darüber machte ich mir keine Gedanken, ich lebte einfach meine Überzeugung, auch in Blick auf ihre Promotion – und meine Überzeugung und ich behielten Recht. Sogar im Vorwort ihrer Dissertation dankte sie ihren Lehrern der Schulzeit, dankte sie mir für meine Ermutigung, meinen Glauben, mein Vertrauen in sie, und das war ein Geschenk, was ich als Lehrer noch nie bekam, ganz herzlichen Dank dafür!

Klaus Schenck, Juli 2026

Für Deutsch-Abi-Gestresste

📢 „Das Wochenblatt des Deutsch-Abiturs“ – kostenlos + regelmäßig jeden Montag: aktuelle Abi-Lektüre, Oberstufenlektüre, psychologische Kurzsendungen und dosiert weitere Materialien: wenige Worte/Sätze mit jeweiligen Links → schneller Überblick.

Der Schwerpunkt der „Abi-Wochenblätter“ liegt auf YouTube-Sendungen mit Manuskripten. Der jeweilige Link führt zur entsprechenden Ausgabe. Link: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/das-wochenblatt-des-deutsch-abiturs-einzelne-ausgaben-durchnummeriert-mit-erscheinungsdatum-und-den-abi-werken-plus-themen/ + „Idee, Entstehung, Abi-Kämpfer“: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/das-wochenblatt-des-deutsch-abiturs-idee-entstehung-abi-kaempfer/

Anpacken + tun!

Für ukrainische Jugendliche habe ich meine Internetplattform zur Verfügung gestellt. Gleiches wollte ich jüdischen Jugendlichen anbieten und mailte alle jüdischen Gymnasien an – bis jetzt ohne Antwort. Mir wäre wichtig gewesen, jüdisches Leben in Deutschland sichtbar zu machen. Ich stelle das „Deutsch-Abi-Wochenblatt“ für Oberstufenschüler kostenlos auf meiner Homepage jeden Montag ein, schreibe für das städtische Mitteilungsblatt und ein Infoblatt in Arosa und als Pressewart für unseren Tennisclub. Alles nichts Weltbewegendes, aber es ist ein konkretes Tun, ein konkretes Engagement, ein konkreter Dienst für andere. Das nimmt mir das sinnlose Grübeln, Ängstigen und Verzweifeln an einer Welt, der ich mich hilflos ausgeliefert fühle.

Meine vier Schritte: Träumen, Wollen, Tun, Bekommen!

Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.

Klaus Schenck

Klaus Schenck, OSR. a.D.
Fächer: Deutsch, Religion, Psychologie
Drei Internet-Kanäle:
Schul-Material: www.KlausSchenck.de
Schüler-Artikel: www.schuelerzeitung-tbb.de
Schul-Sendungen: www.youtube.com/user/financialtaime
Trailer: Auf YouTube ansehen
„Vom Engagement-Lehrer zum Lehrer-Zombie“/Bange-Verlag 2020:
Info-Flyer: Download

Über den Autor

Klaus Schenck unterrichtete die Fächer "Deutsch", "Religion" und "Psychologie". Er hatte 2003/04 die Schülerzeitung "Financial T('a)ime" (FT) zunächst als Printausgabe ins Leben gerufen, dann 2008 die FT-Homepage, zwei Jahre später die FT-Sendungen auf YouTube (www.youtube.com/user/financialtaime) , zusätzlich ist noch seine Deutsch-Homepage (www.KlausSchenck.de) integriert, sodass dieses "Gesamtpaket" bis heute täglich auf rund 1.500 User kommt. Mit der "FT-Abi-Plattform" wurde ab 2014 das Profil für Oberstufen-Material - über die Schülerzeitung hinaus - geschärft, ab August 2016 ist wieder alles in einer Hand, wobei Klaus Schenck weiterhin die Gewichtung auf Schulmaterial beibehält und die Internet-Schülerzeitung (FT-Internet) bewusst auch für andere Interessierte öffnet.

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