Nicht einmal mehr fast…

A true story

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen.
Die Geschichte einer jungen Frau.
Die Geschichte einer jungen Frau,
die so sehr in den Bann des „Perfektseins“ gezogen wurde,
dass ihr ein perfektes Unglück lieber war
als ein unvollkommenes Glück.

Die Geschichte einer Frau, die Teil unserer perfekten Welt werden wollte.
Teil einer scheinbar perfekten Welt.
Einer Scheinwelt, wenn ihr so wollt.
Einer Scheinwelt, deren Schein sie blendete
und einen Schatten auf das Wertvollste warf, das sie besaß.
Einen Schatten, der ihr Leben und ihre einzigartigen Träume
in ein dunkles, farbloses Licht tauchte.

Dunkel, wie ihr Zimmer, in das sie flüchtete.
Dunkel, wie die Momente, in denen sie die Kontrolle verlor,
die Kontrolle über ihr „Perfektsein“,
über sich selbst und ihre Gefühle von Trauer und Wut,
die in einer perfekten Welt nicht existieren,
mit Essen erstickte.
Dunkel, wie die Momente, in denen berstende Tränen,
gefüllt mit Selbstverachtung und Scham über die Wange liefen…
– Tränen, die im Dunkel der Flucht versiegten,
damit sie im Schein der perfekten Welt nicht zufällig aufblitzten.

Eine Flucht in einen Selbstmord auf Raten,
eine Flucht in die Bulimie,
eine Flucht in ein perfektes Unglück, das sie dem unvollkommenen Glück vorzog.
Tage – Wochen – Monate  – Jahre.

Irgendwann aber verirrte sich ein dünner Sonnenstrahl in das Dunkel,
ein Sonnenstrahl, der sie dazu zwang sich umzusehen.
Und sie entdeckte etwas, das sie längst vergessen hatte.
Eingeschüchtert, in der dunkelsten Ecke ihres Zimmers entdeckte sie
Träume – ihre Träume.

Träume von der Freiheit eines Vogels
Träume von den wohligen Strahlen der Südseesonne
Träume von warmen Sandkörnern unter ihren Füßen, zwischen ihren Zehen – millionenfach viele – jedes einzigartig, umspült vom Meer…
Umspült von der Sehnsucht „mehr“ zu sein.
Umspült von der Sehnsucht mehr zu sein
als ein scheinbar perfekter Mensch
unter unscheinbar vielen.

Eine Sehnsucht, die Kraft gibt zu kämpfen
– mit dem Risiko manchen Kampf zu verlieren.
Mit dem Risiko nicht das vollkommen große Glück zu finden,
sondern nur ein einzigartig kleines…
Das einzigartig kleine Glück,
frei wie ein Vogel
in den wohligen Strahlen der Südseesonne zu stehen,
den warmen Sand unter meinen Füßen zu spüren,
durchströmt von dem Gefühl nie wieder perfekt sein zu wollen.

Nie wieder
– nicht einmal mehr scheinbar –
– nicht einmal ein bisschen –
– nicht einmal ein wenig –
nicht einmal mehr fast…

Anonym

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Meine vier Schritte: Träumen, Wollen, Tun, Bekommen!

Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.

Klaus Schenck

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