
„Ich gehe auf die Walz!“ – das kündigt der Handwerksgeselle nach absolvierter Ausbildung an. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet die Zeit des Wanderns nach Abschluss der Lehrzeit. Doch wie oft hört man den Satz von Azubis oder dualen Studenten einer Aktiengesellschaft?
Einen neuen Rahmen erfuhr das Konzept nämlich im Jahr 2011 bei der Wittenstein AG, die Idee hierfür kam von Herrn Wittenstein persönlich und wurde prompt umgesetzt.

„Das Walz–Projekt steht für die Verbindung von Tradition, Moderne und Innovation“, so die Leiterin für Personalentwicklung und Ausbildung der Wittenstein AG, Frau Dr. Heckner. Und nichts Geringeres als der Anspruch, diese schwierige Verknüpfung in Perfektion zu meistern, treibt die Verantwortlichen des Unternehmens an.
Für Auszubildende oder duale Studenten, die von WITTENSTEIN übernommen werden, bedeutet das eine außergewöhnliche, wenn nicht gar einzigartige Möglichkeit, für drei Monate im Ausland Erfahrungen zu sammeln, Träume zu verwirklichen und dabei gleichzeitig den Unternehmensnutzen zu steigern.

Im Detail funktioniert das Projekt wie folgt: Als junger Mitarbeiter bewerbe ich mich für die Walz, denn ich möchte beispielsweise unbedingt nach China und mit der dortigen Sprache und Kultur in Kontakt kommen. Daraufhin führt das verantwortliche Team von der Wittenstein AG mit mir ein Interview, in der das Vorhaben auf Herz und Nieren getestet wird. Dabei werden verschiedene Faktoren, wie der Pioniergeist (Warum denn gerade China?), der Nutzen für WITTENSTEIN, die Lern– und Veränderungsbereitschaft (Welches Konzept steht hinter meiner Reise? Wie will ich eine Weiterentwickelung meiner Persönlichkeit herbeiführen?), der Schwierigkeitsgrad der Reise (Welchen Gefahren könnte ich während meines Aufenthalts dort begegnen?), der Notendurchschnitt und vor allem die Verantwortungsübernahme (Wie haben meine Mitarbeiter etwas von meiner Reise?) in Betracht. Für diejenigen, die es beim ersten Anlauf nicht schaffen, gilt außerdem: Nicht verzagen! Man erhält eine zweite, manchmal sogar noch eine dritte Chance.

Die Mitarbeiter können also, bevor sie in ihrem Berufsleben durchstarten, ihren Horizont erweitern, Träume leben. Die Wittenstein AG wiederum wird durch die zunehmende internationale Erfahrung ihrer Mitarbeiter ihrem Wesen als Akteur in der globalisierten Welt und den damit verbundenen steigenden Ansprüchen an Wissens– und Vernetzungsgrad gerecht. Zusammenfassend: Von dieser Investition in die jungen Mitarbeiter profitieren zweifelsohne beide Seiten.
Bisher übernahmen jedoch leider keine weiteren Unternehmen das Walz–Projekt oder ließen sich zu Vergleichbarem inspirieren, zu hoch sind die Kosten und zu kompliziert ist der Prozess. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht, bleibt es doch somit das einzigartige Projekt eines einzigartigen Unternehmens. Vielleicht ist es gerade genau das, was Wittenstein auszeichnet: Einzigartigkeit und Traditionsbewusstsein in einer globalisierten Weltordnung zu manifestieren, die sonst eher dazu neigt, die Frage nach der Identität zu vergessen.

Artikel:
Pascal Frank
Bilder:
Wittenstein AG
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Für ukrainische Jugendliche habe ich meine Internetplattform zur Verfügung gestellt. Gleiches wollte ich jüdischen Jugendlichen anbieten und mailte alle jüdischen Gymnasien an – bis jetzt ohne Antwort. Mir wäre wichtig gewesen, jüdisches Leben in Deutschland sichtbar zu machen. Ich stelle das „Deutsch-Abi-Wochenblatt“ für Oberstufenschüler kostenlos auf meiner Homepage jeden Montag ein, schreibe für das städtische Mitteilungsblatt und ein Infoblatt in Arosa und als Pressewart für unseren Tennisclub. Alles nichts Weltbewegendes, aber es ist ein konkretes Tun, ein konkretes Engagement, ein konkreter Dienst für andere. Das nimmt mir das sinnlose Grübeln, Ängstigen und Verzweifeln an einer Welt, der ich mich hilflos ausgeliefert fühle.
Meine vier Schritte: Träumen, Wollen, Tun, Bekommen!
Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.
Klaus Schenck