
Tag 9-13
Meine Welt steht still und manchmal vergesse ich, dass das Leben draußen für andere relativ normal weitergeht. So bin zum Beispiel verwirrt, wenn Freunde mir erzählen, dass sie heute shoppen waren, Leute getroffen haben. Insgesamt fühle ich mich sehr abgeschieden von der Welt. Meine Freunde gehen eben noch raus, gehen in die Stadt, treffen sich im eingeschränkten Rahmen mit anderen. Gerade jetzt am Wochenende haben die wenigsten Lust, sich abends mit mir zu verabreden, was ich natürlich keinem wirklich übelnehmen kann. Mir war klar, dass keiner 14 Tage mit mir zu Hause sitzen wird, um durchgehend mit mir zu telefonieren. Jedoch bin ich es einfach nicht gewöhnt alleine zu sein.
Mit dem negativen Ergebnis fühle ich mich allerdings direkt viel besser. Während ich mich die letzten Tage häufiger kränklich gefühlt habe, merke ich jetzt, wie sehr dieses Achten auf mögliche Symptome dazu führt, dass man sich erst wirklich krank fühlt. Heute kann ich sagen, dass es mir gut geht, ich mich fit fühle.
Langsam denke ich auch darüber nach, wie es nach der Quarantäne weitergeht, ob ich vorsichtiger sein werde, ob ich meine Kontakte weiter reduzieren werde. Dabei ist es nicht die Angst vor der Ansteckung, jedoch wären weitere Quarantäne-Wochen nicht sehr förderlich für meine Promotion.

Tag 14
An meinem letzten Quarantäne-Tag versuche ich beim Gesundheitsamt in Erfahrung zu bringen, ob ich morgen einfach wieder nach draußen darf oder nicht. Nach etlichen fehlgeschlagenen Versuchen, jemanden bei der zuständigen Corona-Hotline zu erreichen, erfahre ich, dass sie vor einiger Zeit tatsächlich noch angerufen haben, um die Quarantäne aufzuheben. Mittlerweile ist es jedoch so, dass sie mit anderen Aufgaben vollkommen ausgelastet sind. Ich wurde nochmals gefragt, ob es mir gut gehe und ob ich weiterhin symptomfrei sei. Da ich dies bejahen kann, endet meine Quarantäne offiziell um Mitternacht.
Tag 15
Der Wecker klingelt um 5 Uhr morgens. Damit so etwas nicht nochmals vorkommt, arbeiten wir nun wieder in Schichten. So ist es noch sehr dunkel, als ich endlich wieder das Haus verlassen darf. Das Gefühl von Freiheit ist über den Morgen hinweg doch sehr eingeschränkt dadurch, dass unsere Arbeit nun so organisiert ist, dass wir nahezu keine persönlichen Kontakte haben. Jedoch freue ich mich den ganzen Arbeitstag auf meinen neuen Inbegriff der Freiheit: meinen Mann in den Arm nehmen zu dürfen, selbst einkaufen zu gehen und einfach draußen zu sein.
Artikelreihe: Anonym
Für Deutsch-Abi-Gestresste

📢 „Das Wochenblatt des Deutsch-Abiturs“ – kostenlos + regelmäßig jeden Montag: aktuelle Abi-Lektüre, Oberstufenlektüre, psychologische Kurzsendungen und dosiert weitere Materialien: wenige Worte/Sätze mit jeweiligen Links → schneller Überblick. Der Schwerpunkt der „Deutsch-Abi-Wochenblätter“ liegt auf YouTube-Sendungen mit Manuskripten.
Der jeweilige Link führt zur entsprechenden Ausgabe. Link zum Gesamtüberblick: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/das-wochenblatt-des-deutsch-abiturs-einzelne-ausgaben-durchnummeriert-mit-erscheinungsdatum-und-den-abi-werken-plus-themen/ + „Idee, Entstehung, Abi-Kämpfer“: https://www.schuelerzeitung-tbb.de/das-wochenblatt-des-deutsch-abiturs-idee-entstehung-abi-kaempfer/
Nicht piensen + klagen → anpacken + tun!

Für ukrainische Jugendliche habe ich meine Internetplattform zur Verfügung gestellt. Gleiches wollte ich jüdischen Jugendlichen anbieten und mailte alle jüdischen Gymnasien an – bis jetzt ohne Antwort. Mir wäre wichtig gewesen, jüdisches Leben in Deutschland sichtbar zu machen. Ich stelle das „Deutsch-Abi-Wochenblatt“ für Oberstufenschüler kostenlos auf meiner Homepage jeden Montag ein, schreibe für das städtische Mitteilungsblatt und ein Infoblatt in Arosa und als Pressewart für unseren Tennisclub. Alles nichts Weltbewegendes, aber es ist ein konkretes Tun, ein konkretes Engagement, ein konkreter Dienst für andere. Das nimmt mir das sinnlose Grübeln, Ängstigen und Verzweifeln an einer Welt, der ich mich hilflos ausgeliefert fühle.
Meine vier Schritte: Träumen, Wollen, Tun, Bekommen!
Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.
Klaus Schenck