Huhu, ihr Lieben,
…oder hola chicos! Wie ich euch bereits verkündet habe, war ich im Sommer in Südamerika. Ich habe für eine NGO in Ecuador gearbeitet, habe insgesamt fünf Länder bereist, ich bin an einem Seil über den Dschungel „geschlungen“, habe Meerschweinchen gegessen und habe Wale beobachtet. Und möchte euch jetzt an meinen Abenteuern teilhaben lassen. Also fangen wir von vorne an:
Ich saß in der Abflughalle am Frankfurter Flughafen und wartete auf meinen Flieger, der mich nach Quito bringen sollte. Ich wusste, ich werde in den nächsten 19 Stunden in drei verschiedenen Flugzeugen sitzen und mindestens 15 Stunden in der Luft verbringen. Und ich wusste auch, dass ich Flugangst habe. Trotzdem beschäftigte mich etwas anderes: Ich würde die nächsten drei Monate alleine durch Südamerika reisen. Ja, ich weiß, jedes Mal, wenn meine Familie oder meine Freunde mich überrascht angeschaut hatten und mich besorgt gefragt hatten, ob ich als Mädchen wirklich alleine nach Südamerika reisen möchte, hatte ich lässig geantwortet „Na klar, ist doch ein wahnsinnig toller Kontinent“ oder „Keine Angst, ich bin ein großes Mädchen und kann schon allein auf mich aufpassen“ , ganz so, als ob jede Sorge überflüssig wäre, aber jetzt, wo ich in dieser großen Halle saß und nicht genau wusste, was mich erwartet, wurde mir doch etwas mulmig. Es war nicht das Reisen, das mich beunruhigte. Der Rucksack, der mittlerweile schon in den dicken Bauch der Boeing verfracht wurde, hatte mit mir schon fast 20 Länder bereist und ich war das Backpacker-Dasein von meinen anderen Reisen gewöhnt. Es waren die Reaktionen, die ich bekommen hatte, wenn ich sagte, wo es hin ging. Südamerika. Der Kontinent der Drogen, der Busunglücke, der Überfälle, der Entführungen.

Erst vor kurzem hatte ich eine Reportage über diese neue Droge Scopolamine oder Devil’s Breath geschaut. Eine Droge, die in Südamerika von Kriminellen verwendet wird. Sie macht ihre Opfer willenslos. Das heißt, wenn dich jemand ausrauben oder vergewaltigen möchte, jubelt er dir Devil’s Breath unter, was vollkommen geschmacksneutral und geruchslos ist, und anstatt dir eine Knarre an die Stirn zu halten, um sein Vorhaben durchzusetzen, kann dein Peiniger dich ganz nett fragen, ob du ihm doch bitte dein ganzes Geld oder deinen Körper zur Verfügung stellst und du wirst wie ein willenloser Zombie freundlich einwilligen. Gruselig.

Dann kommt noch hinzu, dass meine ältere Cousine vor ein paar Jahren mit ihren Freunden Südamerika bereist hatte und einer ihrer Nachtbusse überfallen wurde. Alle Passgiere wurden in die Gepäckfächer eingesperrt, während ein paar mit Gewehren bewaffnete Männer den ganzen Bus ausraubten. Zum Glück ist damals niemandem mehr passiert, aber solche Geschichten hört man ja auch. Zwei Wochen, bevor ich nach Südamerika fliegen sollte, hatten meine Schwester und ich meinen Bruder in Brüssel besucht und meine Schwester hatte sich geweigert eine Markentasche oder ihre Uhr mitzunehmen, da Brüssel ja so unglaublich gefährlich sein sollte. Und das war in Europa. Meine Mama hatte mich gebeten einfach nur für die NGO zu arbeiten und danach wieder zurück zu kehren. Natürlich kennt sie ihre Tochter und wusste, dass sie damit keinen Erfolg haben wird. Trotzdem war es mir nun mulmig. Hatten alle Recht und ich hatte mich einem zu hohen Risiko ausgesetzt? Was soll’s nun, ist es sowieso zu spät, dachte ich mir, Augen zu und durch. Ich werde einfach Nachtbusse vermeiden, nachts nicht mehr auf den Straßen unterwegs sein und mich von Fremden fern halten. So, wie alle reagiert hatten, war ich mir plötzlich trotzdem sicher, dass mir irgendetwas passieren musste.


Was soll ich sagen, meine Lieben? Meine Sorgen haben ungefähr 19 Stunden angehalten. Nämlich genau bis ich meinen ersten Fuß auf diesen wundervollen, freundlichen, kunterbunten Kontinent gesetzt hatte. Ja, die Kriminalität in Südamerika ist höher als in Europa; und ja, man sollte vorsichtig und intelligent reisen und sich nicht unnötig Gefahrensituationen aussetzen. Aber in Südamerika leben wundervolle Menschen und böse Menschen genau wie hier in Europa. In südamerikanischen Städten gibt es gefährliche und sichere Gegenden genau wie hier in Europa. Und in Südamerika kann man sich diesbezüglich genauso klug verhalten wie in hier Europa. Und zu guter Letzt ist man als Backpacker nie allein unterwegs.
Eure Julia
Deutsch-Abi-Gestresste

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Für ukrainische Jugendliche habe ich meine Internetplattform zur Verfügung gestellt. Gleiches wollte ich jüdischen Jugendlichen anbieten und mailte alle jüdischen Gymnasien an – bis jetzt ohne Antwort. Mir wäre wichtig gewesen, jüdisches Leben in Deutschland sichtbar zu machen. Ich stelle das „Deutsch-Abi-Wochenblatt“ für Oberstufenschüler kostenlos auf meiner Homepage jeden Montag ein, schreibe für das städtische Mitteilungsblatt und ein Infoblatt in Arosa und als Pressewart für unseren Tennisclub. Alles nichts Weltbewegendes, aber es ist ein konkretes Tun, ein konkretes Engagement, ein konkreter Dienst für andere. Das nimmt mir das sinnlose Grübeln, Ängstigen und Verzweifeln an einer Welt, der ich mich hilflos ausgeliefert fühle.
Meine vier Schritte: Träumen, Wollen, Tun, Bekommen!
Der „Wenn“ und der „Hätt“ henn noch nie was g´hätt.
Klaus Schenck