INFORMATIK

 

Es ist der 23.05.2013, also Pfingstferien, und nun muss ich um 6:00 Uhr aufstehen, mich duschen, fertig machen und dann geht es los mit dem Auto an die Universität nach Würzburg. Ich bin erst in der 11. Klasse und darf schon eine Uni besuchen. Dieser Gedanke ist ein wenig ungewohnt, da ich bis zum Studium noch einen weiten Weg vor mir habe, dennoch bin ich sehr neugierig. Für einen Tandem-Tag in Informatik angemeldet, darf ich die Studierende, Anika Schwind, einen Tag lang in der Uni begleiten. Wie wird wohl der Tagesablauf von Studenten sein? Müssen diese auch so früh an der Universität sein wie wir in der Schule? Und wie schmeckt das Mensaessen überhaupt? Diese und noch viele andere Fragen schießen mir durch den Kopf. Langsam bekomme ich Bedenken und hoffe, dass ich ihr nicht zu viele Fragen stelle. Nach ca. einer Stunde Fahrt und einigen kleinen Schwierigkeiten haben mein Vater und ich endlich die Universität Würzburg erreicht. Überall, wo man hinsieht, Studenten, junge sowie alte. Von außen sieht man große, riesige Gebäude und ist direkt beeindruckt von dieser geballten Masse an Wissen, die sich in diesen Gebäuden wohl befinden mag.

Der Rote Platz

Der Treffpunkt ist um 09:30 Uhr am Roten Platz. Wir sind uns nicht sicher, wie wir am besten an den ausgemachten Platz kommen und so bin ich entschlossen eine junge Studentin zu fragen, diese kann uns sofort weiterhelfen und meint zum Schluss zu uns: ,,Den könnt ihr gar nicht übersehen. Sonst wärt ihr farbenblind.“ Ein wenig verwundert gehen wir weiter unseres Weges und siehe da, sie hat Recht. Diesen Platz kann man nur schlecht übersehen. Der ganze Bereich des Roten Platzes ist rot gepflastert. Wir sehen die Studentin und ihre Gruppe und gehen auf sie zu. Ich bin sehr überrascht.  Es sind sechs Mädchen und ein Junge, gerechnet habe ich mit dem Gegenteil. Ich verabschiede mich von meinem Vater und vereinbare mit ihm einen Treffpunkt und schon geht es in die Welt der Studenten. Zunächst jedoch stellt sich Anika vor und wir werden gebeten, eine Kleinigkeit über uns zu erzählen, also, wo wir herkommen und wieso wir uns für Informatik entscheiden. Und schon geht es in die erste Vorlesung bei Dr. Greiner. Ich staune nicht schlecht, als wir den Zuse-Hörsaal betreten. Jetzt dürfen wir eine Vorlesung über Mathematik für Physiker und Informatiker II besuchen. Mir ist klar, dass ich kaum etwas verstehen werde, aber ich bleibe dennoch optimistisch.

So betreten wir den Hörsaal und ich bin in meinem Gedankenbild bestätigt worden. Der Raum sieht so aus, wie ich es mir vorstelle. Viele Sitzbänke und dazu noch aufklappbare Tische. Zusammen mit den anderen nehmen wir Platz und ich schaue mir den Raum genauer an. Die Wände sind beton-grau, die Tafel lässt sich per Knopfdruck nach oben und nach unten verschieben, es befinden sich zwei Beamer an der Decke und die Studenten sitzen kreuz und quer verteilt im Raum. Anwesenheitspflicht gibt es nicht. Wer da ist, ist da, wer nicht, halt nicht.  Nun ist es 10:15 Uhr und der Professor beginnt die Vorlesung. Ich bin sehr erstaunt. Obgleich das eine Vorlesung für Studenten im 3. Semester ist, komme ich am Anfang ganz gut mit, doch nach einer Stunde, also der Hälfte der Vorlesung, verstehe ich gar nichts mehr. Auf einmal sehe ich nur Buchstaben, Zeichen und Formeln an der Leinwand stehen und schalte innerlich komplett ab.

Der Zuse-Hörsaal mit Blick zur Tafel

Zum Glück verstehe ich mich mit meiner Sitznachbarin Laura so gut, dass wir anfangen, die anderen Studenten zu beobachten und finden es erstaunlich, wie manch einer fast die komplette Vorlesung damit verbringt, sich mit seinem Handy in Facebook oder Whats App zu beschäftigen. Einige Studenten kommen sogar 20 Minuten zu spät und den Professor stört es nicht mal. Das ist etwas, was uns total verwundert. Wir bemerken, dass fast jeder ein gelbes Buch vor sich liegen hat und lassen uns von Anika erklären, dass dieses Buch ein Skript sei. Dieses Skript ist ca. 2cm dick und enthält den ganzen Stoff des 2. und 3. Semesters. Wir schauen uns weiter um und uns fällt auf, dass an der Wand eine Kamera hängt. So drehen wir uns wieder zu Anika und fragen sie, wozu diese benötigt werde. Sie meint, dass diese Kamera kaum im Einsatz sei und diese dazu diene, die eine oder andere Vorlesung aufzuzeichnen. Aber sie werde vermutlich auch zur Abschreckung vor Spickern eingesetzt. Erleichtert sitzen wir weiter die letzte halbe Stunde ab und freuen uns darauf, endlich in die Mensa zu dürfen, um etwas zu essen. Doch das soll nicht so sein. Anika bittet uns, mit vor zum Professor zu kommen, da er mit uns sprechen möchte. Er berichtet uns, wieso er Mathematik studiert habe und nach einer weiteren geschlagenen halben Stunde dürfen wir endlich in die Mittagspause. Noch auf dem Weg dorthin mache ich mir so meine Gedanken. Ist Informatik doch das richtige Fach für mich?? Langsam werde ich unsicher. Ich habe mit mehr Praktischem als Theoretischem gerechnet. Also mehr das Basteln an Rechnern, Verstehen, wie das Betriebssystem funktioniert…  Mit so viel Mathe und Theorie habe ich nicht gerechnet. Unter anderem beschleicht mich so langsam die Angst, da ich überall Studenten sehe, die an ihren Rechnern sitzen und verzweifeln. Ich frage Anika, was sie machen müssen und wieso sie an ihren Computern sitzen und sie erklärt mir, dass sie Hausaufgaben lösen, die sie bis zu einem bestimmten Termin erledigt haben müssen. So erwähnt sie ganz nebenbei, dass man für so eine Hausaufgabe, die nur aus drei Nummern besteht, locker mal 10-12 Stunden da sitzt, vorausgesetzt, es läuft alles glatt. Diese Hausarbeiten bestehen aus Mathematikaufgaben, Programmieren und einer Menge logischem Denken. Meine Bedenken sind mittlerweile immer größer geworden.

Nun sind wir in der Mensa angekommen. Man riecht schon von weitem das ganze leckere Essen und alle Bedenken sind für einen Moment wie weggewischt. Als wir in der Mensa stehen, bleibt mir fast die Spucke weg. So viele Studenten, Professoren und Küchenhilfen auf einmal habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Laura und ich stellen fest, dass das Mensa-Essen, das für gewöhnlich keinen so guten Ruf hat, doch nicht so schlecht ist. Zur Auswahl stehen Tortellini, verschiedene Salate, überbackene Zucchini mit Tomaten-Reis und als Beilage Pommes.

Die Mensa von außen

Ich entscheide mich zusammen mit Laura für die gefüllten Zucchini und wir dürfen glücklicherweise den Schüler-Preis zahlen. Wir sitzen am Tisch, essen alle gemütlich unser Essen und schon kommen wieder die Gedanken hoch. Ist Studieren wirklich etwas für mich oder bleibe ich doch bei einer Ausbildung?? Diese und viele weitere Fragen kreisen in meinem Kopf, bis wir weiter zum nächsten Platz gehen. Dort angekommen stellt uns Anika ein Mitglied der Fachschaft vor. Sein Name ist Andreas und er erklärt uns, dass die Fachschaft an der Universität so etwas wie der Schülersprecher an unserer Schule sei, nur mit einem Unterschied, dass die Fachschaft viel mehr Aufgaben und Pflichten zu erfüllen habe als der Schülersprecher. Er berichtet uns, dass sie auch dafür sorgen, dass neue Studenten Anschluss und neue Freunde finden, da sie alleine hier nicht weiter kämen.

Nach diesem informativen Gespräch ist schon die nächste Vorlesung an der Reihe und alle hoffen natürlich, dass dies nicht wieder so trocken wird wie diese davor… Es ist nun 14:00 Uhr und wir befinden uns wieder im gleichen Hörsaal, das Thema der Vorlesung behandelt die Theoretische Informatik. Und wieder nur Theorie – wieder das gleiche Schema. Wir warten, bis alle da sind, der Professor beginnt die Vorlesung, einige Nachzügler kommen störend zu spät und wir 11er verstehen nur die Hälfte. Laura und ich schauen uns immer wieder an und müssen uns Mühe geben nicht einzuschlafen, da das sonst sehr peinlich für uns wäre. Und endlich! Es ist 16:00 Uhr, die Vorlesung ist zu Ende, und wir dürfen wieder nach draußen. Anika und wir anderen Schüler sitzen nun zusammen. Nach ein paar abschließenden Worten, geht jeder wieder seines Weges. Laura und ich gehen noch ein Stück zusammen weiter und unterhalten uns ein wenig. Wir sind uns beide einig, dass Informatik wohl doch nichts für uns ist. Wir beide haben komplett andere Vorstellungen von dem Fach und hoffen, dass wir dennoch vielleicht ein anderes passendes Fach finden oder doch lieber eine Ausbildung machen.

Das Universitätsgelände

Ich verabschiede mich auch von ihr und lasse den Tag in meinem Kopf Revue passieren. Mir gefällt das Leben der Studenten. Sie können tun, was sie wollen, in die Vorlesungen gehen, wann sie wollen. In der Universität müssen sie meistens erst um viertel nach acht sein.., aber dennoch glaube ich, dass Studieren nicht so mein Fall ist. Vermutlich habe ich jetzt noch zu wenig Wissen, und der Universitätsbesuch war vermutlich doch noch ein wenig zu früh, aber es war dennoch informativ den Alltag eines Studenten zu erleben. Das alles, was ich wissen wollte, weiß ich jetzt, aber ob mir das alles etwas nützt, kann ich noch nicht sagen… Aber eines weiß ich genau, wenn ich Interesse für ein anderes Studienfach habe, werde ich mich darum bemühen, noch einmal einen Studenten begleiten zu dürfen.

 

 7

Artikel und Bilder:
Monika Ballweg
monikaballweg [at] gmx [dot] de