Mein Leben in Deutschland

# Vorstellung

Hallo, ich bin Zixuan Li, ich komme aus Shenzhen, China. Ich habe fast ein Jahr in Deutschland verbracht. Am 10.09.2021 fuhr ich mit dem Zug nach Deutschland, seitdem bin ich eine Schülerin am Weierhof-Gymnasium in Frankfurt und dort findet mein neues Leben statt.

 

# Erster Blick auf Deutschland

Seit meiner Kindheit kam mein Vater häufig nach Deutschland. Es wurde viele Schokolade zurückgebracht. Damals wusste ich schon, die Schokolade „Ritter Sport“ im Supermarkt kommt eigentlich aus Deutschland.

Außerdem hat mein Vater auch Spielzeuge wie Kutsche und Pferde für meine Schwester und mich gekauft. Das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ wurde unsere Gutenachtgeschichte. „Wenn ihr später erwachsen seid, besucht ihr unbedingt Deutschland,“ sagte er, „die deutschen Schlösser sind wunderschön, die Deutschen sind sehr leidenschaftlich und freundlich, die Schweinshaxen und Würstchen sind besonders lecker.“ So kann ich sagen, dass ich Deutschland zunächst nicht aus Büchern oder TV-Sendung kennenlernte, sondern aus dem Mund meines Vaters.

In der Junior High School haben meine Eltern und ich entschieden, dass ich im Ausland zur Schule gehen und dort auch studieren werde. Ich war lange Zeit hin- und hergerissen zwischen Deutschland und Japan. Zu gleicher Zeit habe ich meinen Zeichenlehrer getroffen, er studierte in Deutschland Ölmalerei. „Deutschland ist ein sehr gutes Land,“ sagte er, „du kannst einen Unterschied der Kulturen kennenlernen.“

Danach beschloss ich, nach Deutschland zu kommen, um selbst das Land kennenzulernen, von dem ich oft von anderen Menschen erfuhr.

 

# Eine sehr gute Reise nach Deutschland

In September 2019 fing ich an, Deutsch Schritt für Schritte zu lernen. Am 21. Januar 2020 flog ich erstmals mit meinem Vater nach Deutschland und wir besuchten die Freunde meines Vaters, die Lohmeyers, sie haben uns herzlich empfangen. Ich blieb für ungefähr zwei Wochen in ihrem Haus. Während dieser Zeit bin ich mit den Töchtern der Freunde meines Vaters, Lea und Lena, zusammen zur Schule gegangen.

Obwohl ich gar nichts im Unterricht verstanden habe, konnte ich trotzdem den Unterschied zwischen der deutschen und chinesischen Schule erkennen. Zum Beispiel: An deutschen Schulen gibt es keine festen Klassen, man muss je nach Kurs in verschiedene Räume gehen. Die deutschen Schüler haben kein Schuluniform, sie können eigene Klamotten tragen.

Die Familien Lohmeyer und Fan sind super nett, sie haben mir auch viele deutsche Wörter und Sätze beigebracht, außerdem haben sie mir auch die deutsche Kultur erklärt. „Wenn du Fragen hast, einfach nachfragen,“ sagte Frau Lohmeyer. Wir haben zusammen deutsches und chinesisches Essen gekocht. Am Ende der Reise nahm die Familie Fan mich mit zur Maskerade und Frau Lohmeyer fuhr meinen Vater und mich nach Neuschwanstein. Damals schneite es stark und das schöne Neuschwanstein stand ruhig in der weißen Welt. Es war kalt, aber die Erinnerung ist heiß wie Feuer.

Frau Lohmeyer fuhr uns nach Neuschwanstein

Ich nahm eine Maske von der Familie Fan mit

Mein Vater hat chinesisches Essen gekocht

Meine Reise nach Deutschland kam zu einem erfolgreichen Abschluss, hinter her kam das Unglück: ein langes und dunkles Warten, als das Coronavirus ausbrach.

 

# Wende, bevor ich nach Deutschland kam

Die Pandemie hat viele meiner Pläne durchkreuzt und wir konnten nicht mehr zur Schule gehen und mussten anfangen, den Unterricht online zu besuchen. Dies war eine große Herausforderung für uns alle. Wir mussten uns diesem Wandel anpassen.

Ich hatte geplant, im Herbst 2020 an mein Gymnasium zu kommen, aber auch dieser Plan musste wegen der Pandemie verschoben werden. Ich blieb in der Schule und nahm an Online-Kursen mit meinen Mitschülern am Weierhof-Gymnasium teil. Wir waren sehr aufgeregt, dass wir zum ersten Mal von einer deutschen Lehrerin in Mathematik, Geografie und Englisch auch anderen Kursen unterrichtet wurden. Die Lehrer waren sehr freundlich und haben uns immer wieder ermutigt, mehr zu sprechen. Von September 2020 bis Juli 2021, diese Online-Kurs-Zeit, habe ich eine gute Note bekommt. Ich war sehr stolz darauf.

 

# Auftretende Schwierigkeiten

Im September 2020 bereitete ich alle Dokumente vor, kaufte das Ticket und kam schließlich in Deutschland an.

Nach Deutschland geflogen

Am Anfang ist alles schwierig, und die ersten zwei Monate auf dem Weierhof waren für mich ein großer Schock.

Sicher ist, dass, obwohl ich zwei Jahre lang Deutsch gelernt hatte, zu dem Zeitpunkt, als ich in Deutschland zu leben und zu studieren begann, schien es mir eine komplett neue Sprache lernen zu müssen. Es gibt so viel Umgangssprache und Wörter, die wir selten in Lehrbüchern lernen. Ich erinnere mich genau an die erste Woche, in der ich am Weierhof ankam. Ich war so schüchtern, dass ich praktisch nicht gesprochen habe.

Und es gibt auch viele kulturelle Unterschiede, die ich nicht gekannt habe. Als eine ausländische Schülerin werde ich auch sehr besorgt über mein Verhalten sein. Vielleicht gibt es ein Verhalten, das für uns so alltäglich ist, für die Deutschen jedoch ziemlich unglaublich. „Darf man das so machen?“ oder „Habe ich etwas komisch verhalten?“, frage ich mich oft. Die kulturellen Unterschiede stressen mich.

Tatsächlich waren meine Klassenkameraden sehr freundlich und bereit, mir zu helfen, wenn ich ein Problem hatte. Aber ich hatte das Gefühl, dass sie einen gewissen Abstand zu mir hielten, was nicht bedeutete, dass sie sehr unnahbar waren, sondern dass sie den Leuten ihren persönlichen Raum ließen. Ich habe versucht, ein Gespräch mit ihnen anzufangen, aber ich war so zurückhaltend, und ich sprach damals Deutsch auch nicht so gut, also war ich nicht wirklich erfolgreich. Deswegen hatte ich sehr wenige Freunde und es ist schwierig, da wir nur sehr wenig Unterricht zusammen hatten.

Da ich schon ein Jahr online Unterricht hatte, ging ich erstmal direkt in die 11. Klasse. Das heißt, dass ich großen Wert auf die Noten legen musste. Da wurde mir klar, dass ich wie eine Rose im Gewächshaus war. Als ich Online-Kurse besuchte, waren alle meine Klassenkameraden Chinesen, während meine Klassenkameraden jetzt Deutsche sind. Das bedeutet auch, dass es für mich viel schwieriger ist, gute mündliche Note zu bekommen, vor allem in den Fächern wie Geschichte, Ethik und Erdkunde, in denen ich viel Deutsch sprechen soll. Wie du dir vorstellen kannst, bis ich meine Sätze „organisiert“ hatte, haben die anderen deutschen Schüler die Frage schon beantwortet. Das ist der Graben zwischen Muttersprachlern und uns.

Ein weiterer Unterschied ist, dass es in China keine mündlichen Noten gibt, so dass wir im Vergleich zu deutschen Schülern uns selten melden. Aufgrund kultureller und gewohnheitsmäßiger Unterschiede melden wir uns in der Regel nur, wenn wir die Antwort wissen. Manchmal schämen wir uns und sind verlegen, wenn wir falsch antworten, und wir sind zurückhaltender und vorsichtiger, so dass ich überrascht war: Ich fand die deutschen Schüler so mutig und positiv, sie machen sich keine Sorgen, dass sie sogar falsch antworten könnten.

Aber für mich war es sehr schwierig, meine Gewohnheiten im Laufe der Jahre zu ändern. Bei der ersten Kursarbeit in Deutschland habe ich natürlich eine schlechte Note bekommen, in Mathe nur 5 MSS-Punkte erhalten.

„Ich konnte nicht ganz verstehen, was der Lehrer sagte, und ich war das Essen hier nicht gewohnt, die Prüfungen waren so hart. Ich kann das nicht schaffen.“ Ich telefonierte mit meiner Familie, weinte fast: „Ich habe sehr wenig Freunde und alles ist so anstrengend. Ich habe Angst!“

Damals habe ich mich auch gefragt, wieso ging ich nach Deutschland und nicht mit meiner Schwester nach Japan? Japan hat die gleiche Kultur und Tradition wie wir, für uns wäre es einfacher dort zu leben und uns an alles zu gewöhnen. In Deutschland fühle ich mich wie eine Insel im Ozean. Ich kann mich nicht darauf einlassen.

Meine Familie, Erzieher/-innen und Lehrer/-innen haben mich immer ermutigt, aber ich war immer deprimiert. Nach einer langen Diskussion entschied ich mich, ich kehrte in die 10. Klasse zurück.

 

# Magie der Freundschaft

Schlechte Dinge werden besser, wenn wir einen bestimmten Moment erreichen. Das glauben wir alle.

Am ersten Tag in der 10. Klasse suchte ich das Klassezimmer meines Englisch Unterrichts. „Seid ihr bei Frau Rindermann?“, fragte ich die zwei Mädchen, die im Flur standen. Eine von ihnen hat in meinen Stundenplan geguckt, sie trug eine Brille und fragte mich mit einem freundlichen Lächeln: „Ja genau. Bist du die Neue?“ Sie ist Delia und das Mädchen, das neben ihr ist, Melissa.

„Du kannst zu uns kommen!“ Die Einladung von Delia und Melissa ließ mich auf eine Gruppe freundlicher und begeisterter Freunde treffen. Und die Begegnung mit meinen Freundinnen war ein Wendepunkt in meinem Schulleben.

Ehrlich gesagt, es ist mir oft peinlich, wenn ich einen durchstrukturierten Satz sage, den die anderen nicht verstehen. Aber meine Freundinnen hören mir immer genau zu, sie ermutigen mich oft, helfen mir beim Lernen, bringen mir Deutsch bei und erklären mir die deutsche Kultur. Sie loben mich, wenn ich gute Noten bekomme. Sie sagen immer zu mir: „Du kannst bei uns immer nachfragen.“ Ich erinnere mich: Als ich 15 Punkte in Chemie bekam, hat meine Freundin Stefanie aufrichtig zu mir gesagt: „Du hast das sehr gut gemacht. Ich bin sehr stolz auf dich!“, und wenn ich die Notizen bei Erdkunde brauche, sagt Isabelle zu mir: „Wenn du etwas brauchst, einfach mir sagen.“ Ich bin wirklich gerührt.

Ich wurde offener, fing mit mehr Leuten ein Gespräch an und gewöhnte mich Schritt für Schritt an den deutschen Unterricht. Ihre Hilfe war wie ein Seil für mich, als ich in Selbstzweifeln und Trauer steckte.

In den Weihnachtsferien habe ich die Familie Fan und die Familie Lohmeyer wieder besucht. Ich verbrachte mein erstes traditionelles deutsches Weihnachtsfest bei der Familie Frau Lohmeyer zu Hause. Lena und ich schmückten gemeinsam den Weihnachtsbaum, wir aßen gemeinsam Feuertopf und ich bekam auch viele Geschenke von der Familie Lohmeyer. Wir haben zusammen Karten und Monopoly gespielt, gesungen und bis 2 Uhr getanzt.

Weihnachten

Bei der Familie Fan zu Hause machten wir Baozi, Jiaozi und aßen gemeinsam Feuertopf. Wir gingen zusammen einkaufen und besichtigten die Festung Marienberg. Ich erzählte ihnen von meinen Erfahrungen und Herr Fan klärte mich auf, indem er sagte: „Wir alle haben zuerst unsere kalten Füße bekommen, das ist normal und es wird immer besser werden.“ Sie erzählten mir auch von ihren eigenen Studienerfahrungen in Deutschland und gaben mir viele Ratschläge, die besonders inspirierend waren.

Baozi und Jiaozi machen

Feuertopf zusammen essen

Würzburg besuchen

Mein 18. Geburtstag kam im Frühling dieses Jahres. Meine Freundin Melis schlug vor, ein Picknick zu machen. Alle meine Einladungen wurden beantwortet. Wir trafen uns an diesem Tag mit unseren eigenen, selbst zubereiteten Speisen. Ich bekam viele Blumen und Geschenke und wir aßen, hörten Lieder, tanzten, fotografierten und spielten Spiele. Die Blumen blühten und es war sonnig an diesem Tag. Ich verspreche, dass ich diesen Tag niemals vergessen werde. Mein unvergesslicher, glücklicher 18. Geburtstag.

Alltag mit meinen Freundinnen in der Schule

Ein selbstgemachter Keks zum Valentinstag von meiner Freundin

„Es ist so schön, sie zu treffen.“ Ich schreibe dies in mein Tagebuch.

 

# Einige Sätze für Zukunft

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Bald ist ein Jahr vorbei, dass ich in Deutschland angekommen bin. Wenn ich jetzt zurückblicke, bemerke ich, manche Dinge sind schon vor Monaten geschehen, aber mir ist es, als wäre es gestern gewesen. Ich stelle fest, dass ich sehr viel Glück hatte. Ich habe viele nette Freunde und Menschen getroffen, die sich immer um mich in Deutschland gekümmert haben.

Ich weiß nicht genau, wie meine künftige Studienreise in Deutschland verlaufen wird, aber nach allem, was ich erfahren habe, habe ich den Mut, Schritte vorwärts machen.

„Ich schaffe das!“, sage ich immer zu mir.