„Der Trainer rief und alle, alle kamen!“, auf jeden Fall viele Kinder und Jugendliche des Tennis-Clubs Tauberbischofsheim. Seit der neue Trainer Milan Kovačević als Tennis-Weltenbummler an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehrte, gehen die Tennis-Uhren im Verein anders: schneller, engagierter, kreativer. Besuchten im letzten Jahr sechs Kinder das Tennis-Camp, sind es nun 26, auf allen sechs Plätzen ist für vier Tage fröhlich laute Tennis-Begeisterung, gepaart mit diszipliniert engagiertem Training – ein Ferienstart nach Maß.

Die Kinder werden nach Leistungsstärken in 4er und 5er Gruppen eingeteilt. Trainer Milan hat sich Verstärkung geholt: Toni Suevich, Sherzod Kaydarov und den 14-jährigen nordbayerischen Meister Henry Sommer, den Milan als sein Trainer innerhalb weniger Monate von Erfolg zu Erfolg eilen lässt. Auf allen sechs Plätzen sind verschiedene Sachen aufgebaut, in rollierendem System kommt jede Gruppe an alle Trainingsmöglichkeiten. Trainer Milan gelingt es perfekt, Freiraum zu geben, klare Grenzen zu ziehen und alle Fäden in Händen zu halten.

Die ersten zwei Plätze gehören dem intensiven Training: entweder durch Trainer Milan selbst oder mit der Ballmaschine plus Trainer. Mit verschiedenen Übungen wird der Schlagablauf verinnerlicht und, wo schon vorhanden, maßgeschneidert perfektioniert. Konzentriert üben die Kinder, hier ist es eher still, jeder will es richtig machen, es hinbekommen, sich steigern. Es ist der Wille zur Leistung, die Freude an kleinen Fortschritten, der Ehrgeiz voranzukommen, um von Trainer Milan endlich sein „Priiiiima“ als Lohn zu hören.

Auf den anderen Plätzen geht es lockerer zu: Ballgefühl wird vermittelt, die Schlagabfolge geübt oder einfach nur gegeneinander gespielt, wobei sich hier Blödsinn und Tennisspiel die Waage halten, geschlechtsspezifisch unterschieden: die Mädchen stehen für Tennis, die Jungs für Blödsinn. Sie toben herum und ihre Begeisterung ist sichtbar und soll wohl auch sichtbar sein: das Gesicht voll rotem Sand, die Mütze „versandet“, die Klamotten ein „Sandlager“, und wenn das noch nicht reicht, wird der Balleimer noch über den Kopf gestülpt, eine Idee, auf die kein Mädchen käme. Sie sind vernünftig, weisen die wilde Bubenschar zurecht, „versauen“ nicht ihr Kleidchen, aber freuen sich doch klammheimlich am Unsinn oder flüstern ihre „gemeinen“ Ideen den Jungs ins Ohr.

Natürlich wird auch gestritten und es fließen Tränen: „Der hat mich mit dem Schläger gehaut!“, was der natürlich empört und mit theatralisch überzeugender Unschuldsmiene von sich weist – ein bisschen kalt Wasser und die Tränen sind versiegt. Bevor irgendein Streit eskaliert, bekommen die Streithähne für paar Minuten eine Auszeit auf der Bank am Spielfeldrand. Trainer Milan lässt sich auf keine Diskussionen ein: klare Kante, klare Grenze, klare Ansage, und diese wird von allen akzeptiert.

Ein Höhepunkt ist eine Tennis-Vorführung von Trainer Milan mit seinem Erfolgsschüler Henry. Alle schauen zu, wie die Bälle immer schneller flitzen. „Wie im Fernsehen!“, wird geflüstert. Henry ist der Liebling der Kinder, sie feuern ihn an, mit 14 Jahren ist er einer von ihnen und gleichzeitig spielerisch ganz weit von ihnen entfernt. Henry stellt sich danach den Fragen der Camp-Teilnehmer: Was ist dein Lieblingsfach? Was willst du mal werden? Und wie heißt dein Lieblingstennisspieler? Zverev ist es definitiv nicht!

Jeden Tag gibt es ein Mittagessen von 12 – 13 Uhr, verantwortlich dafür Ella Hauser, unterstützt von Tennis-Mitgliedern, die hier ihre Arbeitsstunden ableisten. Und es geht lustig weiter: von einer „gefräßigen Stille“ kann nicht die Rede sein: Pommes in der einen Backe, eine halbe Currywurst in der anderen wird erzählt, was das Zeug hält, und nebenbei noch mit der leeren Plastikflasche dem Nachbarn „eins übergezogen“. Multitasking in jugendlicher Vollendung. Es ist diese ungezwungene Fröhlichkeit, die für vier Tage „Quartier“ auf der Tennisanlage Tauberbischofsheim bezieht: hier ist Leben, hier ist Tennis, hier wird Sport lebendig, locker, leicht, aber dennoch fordernd, in klaren Grenzen, mit klarem Anspruch und klarem Ziel: in Freude zum Erfolg!

Artikel und Fotos: Klaus Schenck