PSYCHOLOGIE

 

Am Donnerstag war es dann so weit. Ab zur Universität am Röntgenring in Würzburg! Genauer gesagt zum Physiologischen Institut (Bild rechts). Wie so oft bin ich bereits etwas früher vor Ort. Nach und nach kommen dann die anderen und unsere Studentin Carmen Schüller. Wir warte1n noch auf die Nachzügler und dann geht es als Gruppe von sieben Leuten um 10 Uhr los. Wir müssen in den 2. Stock. Kommt man in dieses Gebäude, so reist man zurück in die 80er Jahre. Von außen sieht es ja noch gut aus, aber anscheinend fehlt innen das Geld für die Renovierung. Der Hörsaal ebenso: Teilweise defekte Beleuchtung, dunkel wie im Kino vor Filmstart, zum Lesen definitiv ungeeignet. Nicht einmal die Jalousien sind geöffnet. Die Studenten tun mir heute noch Leid. Einige Sitzreihen bleiben leer. Wir warten auf den Professor und seine Vorlesung zu „Allgemeine Psychologie I“. Er kommt pünktlich um 10:15 Uhr und schließt seinen Laptop an den Beamer an. Das Bild beginnt plötzlich zu flimmern wie auf einem älteren Fernseher, vergeblich versucht er, die Auflösung zu reduzieren. Als er sich nicht mehr zu helfen weiß, entschuldigt er sich bei den Studenten für die technische Störung und legt los. Es geht auf einmal um das menschliche Auge und Versuche zum Sichtfeld. Ich schaue auf die flimmernde Leinwand und frage mich, was das mit Psychologie zu tun hat, kann aber der Vorlesung trotzdem folgen. Carmen Schüller, unsere Studentin, sitzt neben mir und markiert einen Text. Nach einer Weile tun mir die Augen weh. Das Bild regt mich jetzt auf. Zu Hause würde ich versuchen, so ein Problem zu lösen, bis es – wie geplant – funktioniert, aber hier kann ich nur zuschauen. Der Professor hält trotzdem noch eine interessante Vorlesung. Dann kommt er zum Ende und wir verlassen den Hörsaal, setzen uns auf bunte 80er-Jahre-Polstermöbel und stellen Carmen Fragen zur Vorlesung. Ich frage sie, wofür man Kenntnisse über das menschliche Auge in der Psychologie brauche. Ihre Antwort ist einleuchtend. Es geht dabei um die Wahrnehmung: Jeder Mensch erlebt eine Situation anders, erzählt andere Fakten, wenn man ihn fragt. Dabei spielen Sichtfeld und Eigenschaften des Sehens eine bedeutende Rolle.

 

Mittagspause. Ich hole mir ein Sandwich beim Bäcker und denke über meine Erlebnisse nach. Jeden Tag in so einem Hörsaal zu hocken, könnte ich das wirklich mindestens sechs Semester durchstehen? Viele der Studenten im Hörsaal sahen sehr erschöpft aus und das, obwohl der Tag erst angefangen hat. Mal sehen. Um 12:30 Uhr geht es weiter. Carmen zeigt uns den Campus der Universität: Fakultätsgebäude, Teilbibliothek „Psychologie“ und die Arbeitsplätze der Studenten. In der Teilbibliothek sitzen einige Studenten an ihren Laptops und arbeiten an Dokumenten. Stapel von Büchern neben sich. Genau wie bei meiner Literaturhausarbeit, aber als Dauerzustand! Ich komme mir vor wie ein Eindringling, der sie beim Arbeiten stört, obwohl ich mir nur die Bücherregale ansehe. Mit einem Teil der Gruppe verlasse ich die Bibliothek, wir warten mit Carmen auf den Rest. Sie erzählt gerade von Gesetzen für Psychologen, die überarbeitet werden sollen, das dauert aber anscheinend schon mehrere Jahre wegen der ganzen Bürokratie in Deutschland. Carmen ärgert sich darüber. Sogar als Außenstehender kann ich das irgendwie nachvollziehen.

 

Der letzte Programmpunkt steht an, eine Vorlesung zu „Einführung in die Geschichte der Psychologie“. Wir warten vor einem anderen Hörsaal in einem moderneren Gebäude und dürfen Fragen stellen. Carmen erklärt: In der Psychologie gibt es viele Teilbereiche, die alle abgeprüft wer2den: Neuropsychologie, Verhaltenspsychologie, Sozialpsychologie und viele mehr. – Es ist fast so wie in der Schule. Ich dachte immer, dass man als Psychologe nur den Leuten auf der Couch hilft. Man muss auch eine bestimmte Anzahl an Praktikumszeiten absolvieren. Die Prüfungen kann man sich aber zeitlich einteilen, sogar mehrmals wiederholen. Insgesamt hat man acht Semester Zeit, um mit dem Bachelor abzuschließen, normalerweise ist man nach sechs Semestern fertig, sagt Carmen. Sie macht gerade ihren Master und will dann eine Ausbildung zur Psychotherapeutin machen, mit eigener Praxis und so. Während wir Carmen löchern, hat sie stets einen Blick auf die Uhr. Die Vorlesung müsste eigentlich um 14 Uhr anfangen, aber weder Professor noch Studenten tauchen auf. So entsteht das Foto rechts. Carmen (vor der Heizung sitzend) klärt uns auf, dass die Vorlesung vermutlich ausgefallen sei, gerade weil jetzt auch Ferien sind. Sie begleitet die Gruppe nach draußen und verabschiedet uns. Auch gut, dann geht’s früher heim. Obwohl ich mir unter „Psychologie“ etwas anderes vorgestellt habe, fand ich den Tandem-Tag sehr informativ. Ich kann nur jedem, der studieren will, empfehlen, so ein Angebot zu nutzen, einfach um sich das alles einmal anzuschauen. Ich für meinen Teil bin mir nun nicht mehr so sicher, ob ein Psychologiestudium das richtige für mich ist. Vielleicht mache ich doch eher etwas mit Technik, ich muss mich da einfach noch mehr informieren.

 

 

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Artikel und Fotos:

Andreas Zimmermann

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