MEDIZIN

 

Zusammen mit meiner Freundin Sarah Kuhn haben wir uns für den Tandem-Tag im Bereich der Medizin an der Universität Würzburg angemeldet. Unser Treffpunkt findet schon um 8:00 Uhr früh vor dem ZIM/ZOM (Zentrum für Innere Medizin/ Operative Medizin) an der Uniklinik Würzburg statt. Leider können wir nicht pünktlich am Treffpunkt erscheinen, da Sarah um 8:15 Uhr noch einen Arzttermin hat.

 2

Natürlich haben wir diesen kurzfristigen Zwischenfall unseren Studentinnen gemeldet. Zum Glück haben uns Sarahs Eltern angeboten, uns mit dem Auto zur Uniklinik zu fahren. Während der Autofahrt frage ich mich, wie der Tag verlaufen wird. Sind die Studentinnen nett? Können sie alle meine Fragen beantworten? Werde ich später wirklich Medizin studieren?

 

Um 9:30 Uhr sind wir endlich vor Ort und machen uns, bei den „tollen“ Wetterverhältnissen (dauerhafter Regen) und mit einem Lageplan von der Uniklinik in der Hand, auf die Suche nach unserem Treffpunkt.

 3

Durchnässt angekommen warten wir im Eingangsbereich des ZIM/ZOM Gebäudes auf unsere Studentinnen, die gerade in einer Vorlesung von Prof. Germer im Fachbereich Chirurgie mit den anderen Tandem-Tag-Schülern sind. Nur schade, dass wir nicht wissen, wie die beiden aussehen! Leicht aufgeregt halten wir ständig Ausschau nach jungen Studentinnen, in der Hoffnung die Richtigen zu finden.

 

 

4Nach einer guten Viertelstunde ist die Vorlesung zu Ende und unsere        Medizinstudentinnen aus dem 6.Semester Lotti (Anne-Charlotte) Niesert und Madlen Maaßen begrüßen uns mit einem freundlichen Händedruck.

Zusammen mit den anderen Tandem-Tag-Schülern waren wir eine sehr kleine Gruppe. Ich war sehr überrascht, als ich gesehen habe, wie wenig sich für den Medizin-Tandem-Tag angemeldet haben. Es hat mich ebenso gewundert, dass sich nur ein Junge in unserer kleinen Gruppe für Medizin interessierte.

Von unseren Tandem-Tag-Mitschülern erfuhren wir, dass der Hörsaal der Vorlesung ziemlich leer aussah. Lotti klärte uns auf und meinte, nicht jede Vorlesung ist Pflicht! Das erklärte natürlich einiges.

 5

Da wir die Einzigen waren, die die erste Vorlesung verpasst haben, haben wir uns umso mehr auf die bevorstehende von Prof. Goebler im Fachbereich „Dermatologie“ gefreut. Denn das wäre unsere erste Vorlesung in unserem ganzen Leben!

 

Bedauerlicherweise ist genau diese aus organisatorischen Gründen ausgefallen. Selbstverständlich waren wir sehr enttäuscht, da wir noch in keiner einzigen Vorlesung waren.

 

Demzufolge haben die Studentinnen die Campustour durch das Klinikum, die normalerweise nachmittags um 13:15 Uhr stattgefunden hätte, vorgezogen.

Ohne groß zu überlegen sind wir von einem Gebäude zum anderen durchgewandert.

 

 

Wir waren in mehreren Bibliotheken, die sich in de6r Uniklinik befanden. Meiner Meinung nach sind sie sehr modern ausgestattet. Überall waren Regale überfüllt mit dicken Medizinbüchern!!!

Schon die ersten Horrorgedanken kreuzten bei mir auf.

Das ist eine Menge Lernstoff, muss ich wirklich all dieseBücher lesen?

 

Wie auch in den Colleges in Amerika oder England durften wir in der Bibliothek nicht sprechen. Auch das Flüstern war nicht erlaubt, da die meisten Studenten sich in der Bibliothek niederlassen, um sich für die nächste Klausur vorzubereiten.

 

Danach sind wir fast jede einzelne Einrichtung am Universitätsklinikum abgewandert.

Leider war so gut wie jedes Zimmer, das uns die Studentinnen zeigen wollten, abgeschlossen oder besetzt. Somit sind wir nur durch die langweiligen Flure marschiert!

Ich war sehr erstaunt darüber, wie groß die Uniklinik ist! Überall sind lange, große Flure, die sich sehr ähnlich sind und in alle Himmelsrichtungen führen.

 

 

Hier verliert man leicht den Überblick! Hin und wieder begegnen uns Studenten, die genau wissen, wo sie hin müssen. Ich habe schon längst die Orientieruartikelbildng verloren. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass wir schon zehn Mal durch denselben Flur gegangen sind oder uns im Kreis bewegen. Zum Glück kennen sich die Studentinnen hier aus! Auf dem Weg stellten wir ihnen haufenweise Fragen, die sie uns aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen gut beantworten konnten.

 

Nun ist es auch schon 11:30 Uhr und ich weiß nach wie vor immer noch nicht, ob das Medizinstudium für mich das Richtige ist. Als wir mit unserer 90 Minuten langen „Flurwanderung“ fertig waren, gingen wir zum Abschluss in die Klinikmensa. Denn wir alle hatten einen wahnsinnigen Hunger!

 

Die Mensa bezeichnet eine Kantine an einer Hochschule, die in diesem Fall nicht besonders groß und gut überschaubar war. Wir stellten uns in der riesigen Schlange an, um uns das Essen zu bestellen. Überall waren Studenten, die ihre Mittagspause genossen und herumalberten. Keiner war am Lernen! Ich bestellte mir einen „Italian Wrap“ (Fladenbrot mit einer Füllung zur Rolle eingewickelt) und einen Himbeer-Joghurt-Getränk. Doch das Essen war nicht ganz nach meinem Geschmack.

 

Gemeinsam saßen wir an einem Tisch und unterhielten uns während dem Essen über diverse Dinge. Madlen hat mir erzählt, dass die Wartezeit für einen Platz im Medizinstudium bis zu sechs Jahre dauern kann. Das ist eine Menge Zeit, in der man nichts anderes studieren darf, da dies sonst nicht als Wartezeit angerechnet wird.

Madlen musste drei Jahre lang warten, um einen Platz zu bekommen. In dieser Zeit hat sie eine Ausbildung zur Rettungsdienstassistentin gemacht. Da kamen mir ein paar Gedanken: Was hätte ich in dieser Zeit getan? Will ich das denn wirklich machen?

 

Nach langer Zeit war es auch schon so weit, wir verabschiedeten uns von unseren Studentinnen und machten uns auf den Weg nach Hause!

 

 

Es ist schade, dass wir nur oberflächlich den Bereich der Medizin erlebt haben. Vor allem, da wir die Vorlesung verpasst haben. Ich hatte gehofft, dass mir der Tandem-Tag mehr helfen würde, als er es tat. Aber trotz all dem war es ein schöner Tag, von dem ich auch etwas gelernt habe und meine Erfahrungen sammeln konnte. Schließlich habe ich noch Zeit, um die richtige Entscheidung zu treffen.

 

 

 

 8Artikel und Fotos:

 Veronika Reiter

veronika_reiter [at] yahoo [dot] de