INFORMATIK

 

Noch scheint die Welt in Ordnung zu sein, bis ich in der nächsten Sekunde durch das ohrenbetäubende Schrillen meines Weckers kaltblütig aus dem Land der Träume gerissen werde und der erste Gedanke, der sich augenblicklich einen Weg zu meinen grauen Gehirnzellen bahnt, kein anderer ist als: „So ’ne Scheiße, ich will weiterschlafen!!“ Übelgelaunt und völlig gestresst hetze ich durch die Wohnung und werfe dabei panisch mit Klamotten um mich, als würde ich in wenigen Stunden in einem Bewerbungsgespräch sitzen und nicht an dem Tandem-Tag an der Uni Würzburg teilnehmen.

Um 8 Uhr geht’s auch schon los. Nach einer halben Stunde Fahrt bleibe ich wie angewurzelt vor dem riesigen Gebäudekomplex stehen und versuche mein klopfendes Herz zu beruhigen. Treffpunkt ist erst in einer Stunde am roten Platz –  was zur Hölle mache ich jetzt so lange an einem Ort, an dem ich mich so gut wie gar nicht auskenne? Langsam setze ich mich in Bewegung und folge dem Weg, der an zahlreiche Teilgebäude entlangführt, in der steten Hoffnung, ich möge mich nicht auch noch verlaufen bei so viel Zeit, die mir zur Verfügung steht. Nach einer Weile sitze ich schließlich auf einer kleinen Steinmauer und warte auf das Eintreffen der restlichen Teilnehmer sowie der jungen Frau, die im 3. Semester Informatik studiert.

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Es herrschen eisige Temperaturen trotz der Sonnenstrahlen und ich bin heilfroh, als sich die derweil versammelte Gruppe nach einer kurzen Vorstellungsrunde auf den Weg in das Informatikgebäude begibt.

In wenigen Minuten fängt auch schon die erste Vorlesung an und wir schlurfen an einigen Studenten vorbei, die ebenso auf der Suche nach einem Sitzplatz in dem doch relativ kleinen Hörsaal sind. Die erste Hälfte der Vorlesung – es handelt von Matrizen aus dem Thema Lineare Gleichungssysteme – erscheint erfreulicherweise recht einfach und gespannt lausche ich dem Vortrag bis zur 10 Minuten Pause. Die zweite Hälfte erweist sich allerdings als weitaus schwieriger zu folgen und so langsam kommt der eine oder andere Zweifel in mir hoch. Strikte Mathematik im Informatikstudium – führt das nicht zu den zahlreichen Abgängern?

          

                                                                                                  

Nach einem kurzen Gespräch mit dem freundlichen Pro2fessor ist es Zeit für das Mittagessen. In der Mensa einen Platz zu finden scheint auf den ersten Blick unmöglich. Zahlreiche Professoren, Studenten und Uni-Mitarbeiter reihen sich an der langen Theke ein, die verschiedene Köstlichkeiten zu bieten hat. Wie ausgehungert stürze ich mich auf das Essen und nach wenigen

Minuten ist der Großteil auch schonverputzt. Der Geräuschpegel in der Halle ist enorm und trotz dem wohligen Gefühl der Sättigung ist mir doch ein wenig unbehaglich zu Mute.

 

Die Studentin führt uns durch weitere Gebäude und zeigt uns den Platz rund um den Campus. Die Kälte scheint nach der überfüllten Mensa beinahe angenehm und ich atme erfreut die kühle Luft ein. Erneut im Informatikgebäude warten wir auf die nächste Vorlesung und vertreiben die Zeit mit weiteren Studenten, die auf unsere Fragen zum Studium antworten.

 

Die zweite Vorlesung ist alles andere als verständlich. Zugegeben, wir sind mitten ins 3. Semester eingestiegen, jedoch fehlt mir die Konzentration für weitere zwei Stunden Vortrag. Mit einem Lächeln auf den Lippen schiele ich zu einigen aus meiner Gruppe, deren Kopf bereits die Tischplatte vor ihnen gefunden hat. Auch ich spüre die schleichende Müdigkeit, die sich zunehmend in meinem Körper ausbreitet und unterdrücke den Impuls, es meinen Mitstreitern gleich zu tun.

Nach der Vorlesung bedanken wir uns herzlich bei der Studentin und verlassen mit wackeligen Schritten das Gebäude. Auf der Heimfahrt drehen sich meine Gedanken um die alles entscheidende Frage: Werde ich Informatik studieren oder ist das alles doch ein bisschen zu krass für mich?

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Alles in allem ein sehr interessanter und aufschlussreicher Tag. Zu Hause angekommen, schüttle ich unverständlich den Kopf über den Ärger, der heute früh noch Besitz von mir ergriffen hat. Ich empfehle jedem, „einen Blick hinter die Kulissen“ zu werfen. Man hat die Möglichkeit, so oft Fragen zu stellen, wie man lustig ist, und fühlt sich danach weniger fremd in der Welt der Studierenden.

 

 

 

                                       Diana Beck4

oOdianabeckOo@yahoo.de