GRUNDSCHULLEHRAMT

 

Neben dem Psychologie-Studium interessiere ich mich auch noch für das Studien­fach „Lehramt an Grundschulen“. Der Treffpunkt dieses Mal an der „Universität am Wittelsbacherplatz“, aber schon um 7.45 Uhr! Also mache ich mich gegen sieben Uhr mit meiner Mutter auf den Weg nach Würzburg, wir finden die Uni sogar auf Abhieb, dem Navi sei Dank! ;-) Helen Gaßner, Lehramt-Studentin für Grundschule, erscheint pünktlich und begrüßt uns Schülerinnen.

Nachdem alle Schnupper-Studentinnen eingetrudelt sind, darunter auch Mädels aus meiner Jahrgangsstufe, gehen wir in das schlossähnliche Gebäude, genauer in den Raum, in dem das Seminar „Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalter“ stattfindet. Ich bin total verwundert, eigentlich habe ich gedacht, mich erwartet ein Hörsaal, stattdessen sind wir in einem Raum, der nicht größer als unser Klassenzim­mer in der Schule ist! Auch habe ich gedacht, mich erwarten nur weibliche Studen­ten, denn Grundschul-Lehramt scheint mir doch eher eine Frauendomäne, doch wie­der habe ich mich getäuscht, immerhin eine Handvoll junge Männer erwartet mich. Wie auch in der elften Klasse, erscheinen die Studenten erst kurz vor Seminarbe­ginn, dann geht es auch schon los.

2Zu meiner Überraschung kann ich dem Dozenten sehr gut folgen, ich finde das Thema sehr interessant, es geht um die Entwicklungsstufen der Kinder nach Jean Piaget. Aber ich bin immer noch total erstaunt, die ganzen zwei Stunden erscheinen mir wie ein Unterricht in der Schule. Es wird ein Arbeitsblatt ausgeteilt und anschlie­ßend besprochen. Während des Seminars melden sich die Studenten, denn es ist genau so Mitarbeit gefragt, wie in der Schule, zwischendurch wird der Dozent mit Referaten der Studenten abgelöst. Handy liegen offen auf den Tischen, der ein oder andere schreibt SMS, doch das scheint hier die Regel zu sein, denn niemanden stört es, genauso wie das späte Erscheinen einer Studentin nach fast einer Stunde nach Seminar-Beginn. Helen erklärt uns nach der Stunde, dass es eine Anwesenheits­pflicht in den Seminaren gibt, in den Vorlesungen ist es aber egal, ob man teilnimmt oder nicht.

Das nächste Seminar steht auch schon vor der Tür. Dieses Mal geht es um „Grund­schule als professionelles Handlungs- und Forschungsfeld“. Beim Betreten dieses Raums gibt es schon wieder eine Überraschung, ein Stuhlkreis! Sind wir denn in der Grundschule!? ;-D Sogleich erfolgt aber die Erklärung, uns erwartet ein Referat dreier Studentinnen, alle anderen im Seminar werden miteinbezogen. Im Referat geht es um die Einflussfaktoren schulischer Leistungen, ebenfalls sehr interessant, doch anders als bei Referaten in der Schule wird das Thema fast vollständig von den Kommilitonen in Gruppenarbeit erarbeitet. Auch wir Schnupper-Studenten werden mit einbezogen, es gibt Zweier­gruppen und ich bin im Team mit einer Stu­dentin. Wir sollen uns ein kleines Anspiel zu schulinternen Einflussfaktoren überlegen und stel­len so das Schüler-Lehrer-Verhältnis in einer christlichen Privatschule und einer Schule in ei­nem Ghetto dar. Alles ist sehr spontan, ich bin aufgeregt, es macht aber dann doch total viel Spaß. Der Dozent lobt die Referenten für ihre tollen Ideen, ich bin ebenfalls total begeistert.

Anschließend folgt ein Gespräch mit dem kompetenten Dozenten. Wir stellen alle möglichen Fragen, die größte Angst bei Grundschul-Lehramt bereiten mir die gerin­gen Jobchancen. Zwar werden Lehrer an Grundschulen gesucht, das ändert sich aber immer wieder. Mir wird zwar versichert, w3enn ich wirklich Lehrer werden wolle, fände ich auch einen Job, sicher bin ich mir aber nicht. Nach dem Gespräch ist mir bewusst, dass auch dieses Studienfach, wider aller Behauptungen, kein Zuckerschle­cken ist, im Gegenteil, der NC lag eine Zeit lang sogar bei 1,8!

Nach getaner Arbeit haben wir natürlich auch einen riesigen Hunger, also fahren wir mit dem Bus zur „Mensa am Studentenhaus“. Der ganze Raum ist gefüllt mit Studen­ten, ein paar sitzen sogar alleine über Bücher gebeugt, die meisten unterhalten sich aber in Gruppen und genießen die freie Zeit sowie die riesigen Portionen des recht guten Essens.

4Weiter geht es dann wieder mit dem Bus Rich­tung Hubland. Wir bekommen die Unibibliothek gezeigt sowie die anderen Gebäude, die jedoch eher für die naturwissenschaftlichen Fächer ge­dacht sind. Man sieht die ganzen Studenten mit Bergen von Büchern durch die Gebäude gehen. Mir macht die Vorstellung als Student Angst, noch mehr lernen und arbeiten als in der Schule, keine Lehrer, die sich bei Problemen Zeit für die Studenten nehmen, man ist auf sich alleine gestellt. Was ist, wenn ich das falsche Fach wähle? Ist Grundschul-Lehramt das Richtige für mich?

Anschließend geht es wieder Richtung Wittelsbacherplatz, dort schauen wir uns noch die Bibliothek nur für Grundschul-Lehramt an. Wir haben wieder die Möglichkeit Fragen zu stellen. Um 15 Uhr verabschiedet uns Helen. Bei Fragen können wir sie kontaktieren, schließlich haben wir alle ihre Handynummer. Auf dem Weg nach Hause denke ich an den heutigen Tag, der mir wirklich unheimlich viel Spaß gemacht hat. Doch ob Grundschul-Lehramt wirklich das richtige Fach für mich ist, weiß ich nicht…

 

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Artikel und Fotos:

Stefanie Geiger

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