GRUNDSCHULLEHRAMT

 

Ich habe mich zusammen mit meiner Freundin Veronika Reiter für den Tandem Tag „Lehramt Grundschule“ an der Universität Würzburg angemeldet. Schon um 7:45 Uhr ist unser Treffpunkt am Wittelsbacherplatz angesetzt. Meiner Meinung nach viel zu früh, denn ich muss schon um 5:30 Uhr aufstehen, damit ich rechtzeitig den Bus in Tauberbischofsheim erreiche. Meine Mutter fährt mich mit dem Auto zur Haltestelle. Ich hoffe, dass Veronika schon auf mich wartet. Sie ist schon da und ich stelle mich zu ihr. Der Bus kommt endlich. Im Bus angekommen frage ich mich, ob dieser Tag gut organisiert ist und auch alles klappt. Ich habe ja schon den Tandem Tag im Bereich „Medizin“ besucht und dieser hat mir nicht so gut gefallen. Hoffentlich fällt heute kein Programmpunkt weg. Ist unsere Studentin nett? Kann sie alle meine Fragen beantworten?

 

Endlich kommen wir in Würzburg am Hauptbahnhof an. Wir kaufen uns schnell unser Tagesticket für den Bus und die Straßenbahn und steigen in den Bus zum Wittelsbacherplatz. Dort angekommen sehen wir schon unsere Studentin Helen Gaßner (6. Semester), die mit den anderen Tandemschülerinnen auf uns wartet. Ich war sehr überrascht, als ich zwei bekannte Gesichter gesehen habe, denn Stefanie Geiger und Lorena Heid aus unserer Stufe nehmen ebenfalls an diesem Tag teil. Ich bin froh, dass ich sie schon kenne. Da kommt Helen auf mich und Veronika zu und begrüßt uns herzlich mit einem Händedruck. Ich war nicht sehr überrascht, dass sich nur Mädchen für den Tandem Tag „Lehramt Grundschule“ interessieren, denn es ist ja bekannt, dass nur ca. 20 % der Grundschullehramtsstudenten Männer sind.

 

Mit unserer Gruppe gehen wir zu einem Seminar im Bereich „Entwicklungs-psychologie des Kindes- und Jugendalters“, welches  bei dem Dozenten Herr Marx um 18:15 Uhr sattfindet. Ich war sehr überrascht, dass ich so gut wie alles mitverfolgen und verstehen konnte. Nach dem Seminar haben wir eine zwanzigminütige Pause, in der uns Helen die Universität am Wittelsbacherplatz  zeigt. Wir schauen in einen Hörsaal, der echt riesig und meiner Meinung nach auch sehr modern ist. Außerdem dürfen wir die Bibliothek bestaunen. Diese ist ebenfalls modern. Mir kam gleich der Gedanke, ob ich hier später überhaupt arbeiten kann, wenn so viele Studenten in den Regalen nach Büchern suchen? Lenkt es nicht ab, wenn jede fünf Minuten jemand an deinem Platz vorbeiläuft?

 

Nach unserem kurzen Rundgang besuchen wir um 9:45 Uhr ein zweites Seminar. Herr Jung, der Dozent, begrüßt uns gleich freundlich und erklärt uns, dass heute in seinem Seminar  „Grundschule als professionelles Handlungs- und Forschungsfeld“ drei Studentinnen ein Referat halten müssen. Ich habe noch nie davon gehört, dass man an der  Uni ein Referat halten muss. Geschweigen denn, wie es abläuft. Mir kommt gleich der Gedanke, ob das Referat genauso wie bei uns in der Schule abläuft? Ich lass mich überraschen.

 

Die Studentinnen, welche das Referat halten müssen, kommen freundlich auf uns zu und fragen uns, ob sie uns mit einplanen können, weil sie später eine Partnerarbeit geplant haben. Wir willigen ein. Das Referat hat das Thema „ Wie kommt eine schulische Beurteilung zustande?“. Als Erstes werden die Faktoren, welche die schulische Beurteilung beeinflussen, erörtert. Anschließend wird man per Zufallsprinzip in Zweiergruppen eingeteilt. Ich hoffe, dass ich und Veronika zusammenarbeiten dürfen. Wir haben Glück und müssen uns zu zweit eine Szene überlegen, welche den Faktor „Selbstkonzept“ darstellt. Nach einer kurzen Übungsphase fängt auch schon das erste Paar an seine Szene zu präsentieren. Gleich müssen wir unsere Szene vorstellen. Ich bin sehr aufgeregt. Aber mutig meistern wir unser kleines Theaterstück. Wir bekommen Applaus. Ich bin erleichtert, dass unsere Szene gut ankommt.

 

Nachdem dieses Seminar zu Ende ist, haben wir die Möglichkeit Herrn Jung in der „Teilbibliothek Grundschule“ alle Fragen, die uns im Kopf herumschwirren, zu stellen. Wir löchern ihn mit allen möglichen Fragen. Wie sehen die Zukunftsaussichten in Bayern als Lehrer angestellt zu werden aus? Haben sie selbst als Grundschullehrer gearbeitet? Gibt es irgendwelche Tests, die ein Student vor dem Beginn des Studiums ablegen muss?

 

Nach dem Gespräch fahren wir zusammen mit dem Bus zur Mensa in der Stadt. Hier sind so viele Leute, da verliert man leicht den Überblick. Wi2r Tandemschüler setzten uns alle zusammen an einen Tisch mit Helen und unterhalten uns während dem Essen über das Studium. Von dort aus geht es mit dem Bus weiter zum Hubland Campus. Wir sehen erst die riesige Bibliothek. Dort findet man so gut wie jede Fachrichtung. Ich finde, dass man sich in ihr sehr schnell verlaufen kann. Bestimmt müsste ich stundenlang nach dem passenden Buch suchen! Unser Rundgang über den Hublandcampus führte uns zu verschiedenen Fakultäten. Vom Mathematikgebäude zum Chemiegebäude bis zum Biologiegebäude und der Mensa. Hier sind so viele Menschen unterwegs. Immer in 2er und 3er Grüppchen. Alle wissen genau, wo sie hin müssen. Ich würde mich hier nicht zurecht finden. Überall stehen Studenten und unterhalten sich über Dinge, von denen ich nichts verstehe. Ist das wirklich das, was ich will?

Wir fahren zurück zum Wittelsbacherplatz. Helen möchte uns zum Abschluss noch einmal die Grundschulbibliothek genauer zeigen. Wir müssen in den dritten Stock. Meine Beine sind schon schwer vom vielen Gehen. Wir schauen uns in der überschaubaren Grundschulbibliothek um. Das trifft schon eher meinen Geschmack. Hier könnte ich mich wohlfühlen. Es ist schon 15 Uhr. Die Zeit ist im Flug vergangen. Schade, dass der Tag schon vorbei ist. Wir verabschieden uns. Falls ich noch Fragen habe, kann ich Helen gerne eine E-Mail schreiben.

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Müde und kaputt steigen wir in den Bus zum Hauptbahnhof.  Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen machen durfte. Der Tandem Tag hat  mir geholfen mehr über mein ausgewähltes Studienfach zu lernen. Jetzt weiß ich, dass Grundschullehramt ein Studiengang wäre, der zu mir passen und mir auch Spaß machen würde. Sicher bin ich mir aber noch nicht, welches Fach ich studieren möchte. Ich bin ja auch erst in der 11. Klasse und habe noch etwas Zeit die richtige Entscheidung zu treffen. Bald soll es ja auch einen neuen Studiengang im Bereich Erziehung geben. Vielleicht wäre auch dieser etwas für mich. Jetzt weiß ich aber auf jeden Fall, dass ich später im Bereich Pädagogik tätig sein möchte.

 

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Sarah Kuhn
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