GERMANISTIK

 

Am Dienstag habe ich im Rahmen des1 Tandem-Programms der Universität Würzburg den Studiengang Germanistik besucht. Ich habe mich für diesen entschieden, da ich schon seit klein auf gerne lese und mich mit Wörtern befasse. Der mir zugewiesene Student heißt Tim und hatte bereits sein Lehramtsstudium und den Magister in Germanistik abgeschlossen. Folglich konnte er mir alle Fragen beantworten und hilfreiche Tipps fürs Studium geben.

 

Um 9.45 Uhr sind wir zur Vorlesung ,,Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters (Ältere Germanistik)“ gegangen. Als ich in den Vorlesungssaal kam, ist mir aufgefallen, dass dieser kein einziges Fenster hatte, was auf mich ziemlich bedrückend wirkte. Von den ca. 150 Studenten, die sich für diese Vorlesung eingetragen hatten, waren ungefähr 20 anwesend. Es hat niemanden interessiert, ob alle da sind oder nicht. Während der Vorlesung saßen die meisten Studenten nur da und waren mit ihrem Handy im Internet, welches auch ab und an geklingelt hat, aber auch das hat keinen interessiert. Was mich darauf hin überraschte, war, dass die Professorin zwei Studenten ermahnte, weil sie miteinander geredet hatten, was ich nicht einmal gehört hatte, aber zum Handyklingeln hat sie nichts gesagt. Das fand ich ziemlich irritierend und ungewohnt. Die Vorlesung selber hatte die Professorin als Power Point vorbereitet. Man konnte sich die Präsentation aus dem Internet holen und sich einfach Notizen dazu machen, somit musste man nicht einmal so viel mitschreiben, wie ich immer erwartet hatte. Kaum einer hat wirklich mitgeschrieben, darauf war ich nicht gefasst, da alle meine Lehrer immer davon redeten, dass man unglaublich viel mitschreiben müsse. Die Vorlesung selber hat mir gut gefallen, jedoch muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Personen, welche mit Latein- und Französisch-Kenntnissen ins Studium gehen,  einen Vorteil haben, da sie dadurch Sachverhalte schneller nachvollziehen können. Aber auch ohne Latein-Kenntnisse hat man gute Chancen vieles zu verstehen. Die Professorin hat nämlich oft die Fremdwörter erklärt, damit man ihr weiter folgen konnte. Dies half mir persönlich sehr, da ich überhaupt keine Latein-Kenntnisse besitze. Mir ist besonders aufgefallen, dass es zwar ein anderes Niveau an der Universität ist als in der Schule, jedoch ist dieses durchaus zu schaffen, wenn man den Willen dazu hat. Es war anders, als vorgestellt, denn ich hatte mich darauf eingestellt, dass ich kaum etwas verstehe und alle Studenten konzentriert mitschreiben. Das soll nicht heißen, dass die Vorlesung nicht anspruchsvoll war, aber weniger, als vorgestellt.

 

2Nach der ersten Vorlesung war es auch schon zwölf und somit Essenszeit: also, auf zur Mensa, wie es sich für einen typischen Studenten gehört. In der Mensa hat man die Wahl zwischen ca. vier Gerichten und so ist auch für jeden was dabei und es ist auch nicht so schlimm, wie man es von Mensa-Essen hört, es war lecker. Was ich noch gut fand, ist, dass es auch Obst und Salat gab, welchen man sich holen kann und der Preis ist auch studentengerecht. Die Mensa ist groß und es herrscht viel Lärm,  wie in den amerikanischen High School Cafeterien, welche man aus den Filmen kennt. Dies lässt die Mensa ganz sympathisch wirken. Die Studenten haben sich fast ausschließlich über ihr Studienfach unterhalten und die Themen davon und viele von ihnen haben erschöpft gewirkt, aber, ob das an ihren Studieninhalten oder am vergangenen Wochenende liegt, das lässt sich nur vermuten.

 

Die zweite Vorlesung war ,,Deutsche Sprachwissenschaft”, um 14.00 Uhr, das 3kann man sich vorstellen wie Grammatik, bloß ist diese nicht wie in der Schule, diese wird vermutlich meist schon vorausgesetzt. Die Grammatik an der Uni ist weiter gefasst. Ich bin eigentlich nicht diejenige, die sich über Grammatik freut, da es mir eigentlich nicht sehr viel Spaß macht, aber überraschender Weise habe ich es nach kurzer Zeit bereits verstanden und konnte somit fast alles nachvollziehen. Wenn man in diesem Studiengang aufpasst, begreift man alles auch recht schnell. Man braucht allerdings Übung, deswegen ist dies ein Seminar mit bis zu 30 Studenten, für die Anwesenheitspflicht besteht, und man muss Hausaufgaben machen. Man kann es sich vorstellen wie in der Schule, aber trotzdem anders. Die Atmosphäre war locker, jedoch haben, anders als in der Schule, alle aufmerksam zugehört und mitgedacht. Mir persönlich hat das Seminar besser gefallen als die Vorlesung, nicht wegen des Themas und auch nicht, weil die Seminare der Schule ähnlicher sind, sondern weil im Seminar konzentrierter gearbeitet wird als in der Vorlesung und auch, weil im Seminar anders als in der Vorlesung alle da sind, aufpassen und nicht am Handy sitzen und dadurch nichts mitkriegen.

 

Als Fazit des Tages kann ich für mich selber ziehen, dass mich ein  Germanistik Studium interessiert  und ich einen sehr guten Einblick in die Welt eines Studenten werfen konnte. Falls sich jemandem die Gelegenheit bietet, so einen Tag mitzuerleben, sollte man nicht nein sagen, denn bevor man ein Semester damit verschwendet zu bemerken, dass das ausgewählte Studienfach nichts für einen ist, sollte man lieber einen Tag damit verbringen es heraus zu finden. Beim Germanistikstudium sollte man trotz allem nicht vergessen, dass man an vielen Universitäten ein zweites zusätzliches Fach benötigt.  Grundsätzlich gilt wie bei jedem Studium, dass man sich für das Studienfach interessieren muss, um  dieses erfolgreich zu absolvieren. Wenn man sich nicht für dieses zu 100% interessiert, sollte man sich lieber noch einmal überlegen, ob es das Richtige für einen ist, da man sich sonst wohl nicht ausreichend dafür einsetzt und dafür arbeitet. Das Interesse für ein Thema hilft hier wesentlich weiter.  Ich denke, dass es beim Germanistikstudium vor allem wichtig ist, dass man gerne liest und sich mit Deutsch befasst. Viele zweifeln meist daran, dass das Studium ihrer Wahl nichts für sie ist, weil die Schulnote in diesem Fach nicht besonders gut ist. Ich glaube allerdings, dass, wenn man das Interesse für ein Fach aufweist und Spaß daran hat, folglich etwas darüber lernen will, also den Willen besitzt dieses Studium zu schaffen, es durchaus machbar ist. Besonders, da das Studium trotz allem, auch vom Inhalt und den Klausuren, anders ist als in der Schule. Man hat nur das Fach, wofür man sich interessiert, und kann sich voll und ganz auf dieses konzentrieren. Mit Sicherheit muss man sich anstrengen, um alles zu schaffen, aber das muss man in jedem Studium – und dass man sich für das Fach interessiert, macht es einem leichter etwas dafür zu tun.

 

4Artikel und Fotos:

Milla Windermud                           

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