„11.11., ist das nicht Fastnachtsbeginn? Haha, da hüpft ihr doch wieder herum  –  in solchen komischen Kostümen!“

Ja, ja, dieses angebliche „Herum-Gehüpfe“ und diese „komischen Kostüme“ gehören zu einem Hochleistungssport, dem Karnevalistischen Tanzsport.

Eine Mischung aus Eleganz, Akrobatik, Ausdruck, Kreativität oder einfach gesagt: tänzerische Leistung auf höchstem Niveau.

 

Alles beginnt am Saisonanfang, die Tä1nze sind schon zum größten Teil durchgeplant und die Schritte wurden von den Trainern auf Papier festgehalten, um sie uns später beizubringen. Hierbei spielen Kreativität (15P), Schritt- und Bewegungsvielfalt (15P), Thematik (10P), Präsentation (15P), Choreographie+Tanz (20P) und Ausführung (15P) eine große Rolle.

Anfangs werden alle Tänzer auf ein gleiches Leistungslevel gebracht, denn später auf der Bühne wird immer

nach dem am wenigsten leistungsbringenden Tänzer gewertet.

Das bedeutet Muskelaufbau- und Konditionstraining, bis die Beine zittern.

Jeder macht mit, man motiviert sich gegenseitig, ein Team entsteht.

Während wir nun beginnen unsere Kondition, Spannung und Dehnung in Form zu bekommen, sitzt die Chefnäherin schon mit den Trainern zusammen am Tisch und sie besprechen die ersten Kostüm-Konzepte.

Das Kostüm bekommt bei den Bewertungskriterien ganze 10 Punkte, wenn alles passt. Wichtige Punkte, die 2beachtet werden müssen, sind hier auch die Kreativität, es muss alters-, themen- und körpergerecht sein und darf nicht gegen Anstand und gute Sitten verstoßen. Ist der Rock schon nur ein Zentimeter zu kurz, bedeutet das Punktabzug.

Die Kostüme und Requisiten, durch welche der Tanz beginnt zu leben, werden von den Eltern der Tänzer auf kreativste Art und Weise hergestellt.

Die 7 Juroren haben ein exakt geschultes Auge, welchem kein Fehler entgeht.

Sie dürfen 0-100 Punkte vergeben. Einmal nur das Lachen oder das Fußspitzen-Strecken vergessen bedeutet schon 2 Punkte Abzug pro Jury.

Doch nun von den Bewertungskriterien und den Punkten wieder zurück zum Hauptsächlichen, dem Tanz, dieser wird nämlich nun einstudiert. Das erfordert Konzentration von Seiten der Tänzer und der Trainer. Zum Beispiel in der Prinzengarde- mit 43 quatschenden Mädchen verzweifeln die Trainer schnell mal, sobald sie gegen den Lärmpegel ankämpfen müssen. Es entsteht ein Zeitdruck, denn Kostüme und Tanz müssen bis zum Turnierbeginn (ca. Ende Oktober) fertig sein.

 

 

Die letzten paar Wochen vor dem Turnier werden di3e Tänze nun auf Sauberkeit trainiert.

Alles muss leichtfüßig aussehen, was bei einer solchen sportlichen Leistung nicht leicht ist.

Alle Tänzer müssen eine synchrone Choreographie ablegen, kein Arm darf weiter oben sein wie der andere, alle Beine müssen im selben Winkel geknickt werden. Nach jedem Schritt kommt Kritik. Doch hier ist das Motto: lieber durch Kritik gerettet, anstatt durch Lob ruiniert.

Auch jetzt werden die letzten Trainings vor dem Turnier noch einmal mit Kostüm und Requisiten getanzt. Alles ist fertig und sitzt,

nun geht’s ab aufs Turnier.

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Die Tänzerinnen motivieren sich gegenseitig, sprechen sich Mut zu vor dem Auftritt, der Teamgeist steigt. „Man kann nur als Team etwas bewegen, wir tanzen miteinander und kämpfen zusammen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen und das geht eben nur als Team!“

(Selina,16 Jahre)

Wir gehen zusammen durch Sieg und Niederlage!

 

                         

                                 

 

Artikel: Franziska WolfFranziskaWolf

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Fotos: Philipp Hahn, Peter Kreis