xIMG_1413Hey, Leute, ich bin ein iPhone, ein multifunktionales Handy, also super für meine neue Besitzerin Leonie. Sie ließ ganz schön lange auf sich warten, ich saß eine Ewigkeit in dem kalten Kasten in einem Handyladen. Eines Nachmittags kam sie dann in das Geschäft und rief sofort: „Das muss ich haben, das ist mein absolutes Traum-Handy!“ Keine fünf Minuten später lag ich auch schon auf der Ladentheke, ich sah nur noch Leonies große Augen und schon wurde ich in eine Verpackung gesteckt, die meine neue Besitzerin behutsam in ihre Tasche packte. Auf dem Heimweg hörte ich Leonie ganz aufgeregt reden, sie konnte gar nicht mehr aufhören und fragte ihren Vater alle möglichen technischen Dinge über mich.

 

Zu Hause angekommen wurde ich aus der Verpackung gerissen, mit einem Kabel mit der Steckdose verbunden, sodass ich ganz viel Energie bekam, um schließlich für meine ersten Aktionen bereit zu sein. Alle möglichen Kontakte tippte Leonie in mich hinein, Apps wurden runtergeladen, darunter natürlich auch Facebook und WhatsApp, und sogleich sagte sie ihren Freundinnen von mir Bescheid. Von allen Seiten wurde ich begutachtet, bewundert, jeder wollte mich anfassen und meine Fähigkeiten austesten, ich war richtig stolz auf mich, doch nur Leonie durfte mich richtig lieb haben. Selbst als alle anderen Mädchen verschwunden waren, konnte meine neue Besitzerin ihre Finger nicht von mir lassen. Auch beim Abendessen war ich dabei, da wurden ihre Eltern aber richtig böse, sodass ich erst wieder danach zum Einsatz kam.

 

xIMG_1431Am nächsten Morgen wollte sie mich mit in die Schule nehmen, ich dachte mir schon, dass das bestimmt lustig werden würde. Und tatsächlich wurde ich wieder von allen Seiten bewundert und Leonie ließ mich keinen Moment aus den Augen. Es stand Mathe auf dem Stundenplan, offensichtlich mag Leonie Algebra nicht sonderlich, sodass sie die Zeit versteckt hinter einer Wand aus Büchern und Mäppchen mit mir verbrachte. Sie checkte Facebook-Neuigkeiten und tauschte mit Freunden Neuigkeiten via WhatsApp und SMS aus. Der Lehrer bemerkte mich nicht mal, enttäuschend für mich, Leonie schien aber begeistert zu sein, denn sie erzählte Mitschülern stolz nach der Stunde davon, der Lehrer habe nichts von mir mitbekommen. Auch in der Pause blieb ich nicht alleine, gemeinsam mit meiner Besitzerin saß ich im Klassenzimmer, komischerweise waren wir nur zu zweit. Wo waren denn alle anderen geblieben? Leonie störte das aber nicht, sie konzentrierte sich nur auf mich. Als alle anderen wieder da waren, hatten wir Deutsch. Dieses Mal hatten die ganzen Schüler keine Chance in der Stunde mit uns zu spielen, der Lehrer lief durch die Reihen und sammelte uns ein. Also stand eine stinklangweilige Zeit mir bevor, die Schüler meldeten sich aber viel öfter im Unterricht als in Mathe.

 

xIMG_1385In der nächsten Stunde wurde eine Klassenarbeit in Biologie geschrieben. Tatsächlich setzte Leonie auch hier mich ein, das hätte ich nicht gedacht. Natürlich wusste ich alle Lösungen, Google macht es möglich, doch auf einmal bemerkte mich der Lehrer. Nicht nur die Klassenarbeit wurde Leonie abgenommen, auch mich riss er ihr aus der Hand. Kurz darauf lag ich in einem fremden, riesigen Karton mit mindestens zwanzig anderen Handys, die offensichtlich auch von Schülern abgenommen wurden. Alle paar Sekunden klingelte oder vibrierte eines der Smartphones, doch auch ich erhielt ganz viele Nachrichten. Ich musste ewig auf Leonie warten, sie holte mich erst Stunden nach meiner Entführung ab. Überglücklich mich wieder zu bekommen, stürmte sie in den Raum und bekam mich erst nach einer Standpauke der Sekretärin zurück. Ich war wieder der Mittelpunkt Leonies Leben, sie vergaß alles um sich herum.

 

Dies waren die ersten und besten 24 Stunden in meinem Leben als Handy. Noch nie vorher wurde ich so liebevoll behandelt, ich hoffe, dass alles genau so weiterläuft, wie es jetzt ist.

 

 

Artikel und Fotos: Stefanie Geiger

Stefanie

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Stefanie Geiger trat 2012 gleich zu Beginn der 11. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums in die Redaktion der „Financial T(‘a)ime“ (FT) ein. Neben dem Artikel-Schreiben schlägt ihr Herz fürs Fotografieren, so ist sie als erfolgreiche Fotografin im Einsatz bei allen FT-Aktionen. Dazu gehören der Besuch der Redaktion als Deutsch-Botschafter in Holland, FT-Delegationsmitglied bei der Pressekonferenz der Universität Würzburg, FT-Empfang der chinesischen Delegation usw. Ihr Einfühlungsvermögen und ihre Verlässlichkeit kennzeichnen sie auch in ihrer Funktion als stellvertretende Chefredakteurin.