Schülerzeitungsredaktion mit Austauschgästen im Bus nach Würzburg. Setze mich neben junge Gast-Redakteurin, Chance für persönlichen Plausch. Jung-Redakteurin: Handy in der Hand, Lautsprecher im Ohr. Aus erhofftem Plausch wird ein Frage- und Antwortspiel, Satzstruktur einfach, Inhalt banal, Plausch-Interesse gleich null. Keine Gesprächsnotwendigkeit, also kein Gespräch. Das muntere Geschöpf, das ich vom Austausch kenne, wird zum Antwort-Automaten. Nix multitasking, sondern nur „onetasking“, wörtlich und übertragen übersetzt: bin beschäftigt, aber nicht mit Ihnen!

 

Wir sind eine „noPhone-Redaktion“, gemeinsame Idee, gemeinsamer Beschluss, gemeinsame Tat: Mit sch2leichten Widerständen und traurigem letzten Blick auf das Handy wird dieses bei Führungsbeginn in der Würzburger Residenz runtergefahren! Es besteht Handyverbot für die gesamte Gruppe, ergo Bemühen Führung zuzuhören, weil keine Alternative.

Programmpunkt Würzburg ziemlich kommunikativ, auftretende Gesprächspausen: gemeinsame Themensuche, kein Entkommen! Gegenüber kann nicht „weggehandyt“ werden, kurz: ein lustiges, fröhliches, gesprächiges Miteinander!

 

 

Fingerfood-Abendessen, Handyverbot! Die Redakteurin zufällig neben mir, aber ein wenig isoliert bei dsch3en Lehrkräften und deren Freunden, unbekannte Erwachsene. Bin gespannt. Handyflucht unmöglich! Zunächst passiert gar nichts, Redakteurin starrt vor sich hin, Handysehnsucht! Nach 5-10 Minuten, für Jugendliche wohl eine Ewigkeit des Schweigens, geschieht etwas Unvorstellbares: Es entsteht ein Gespräch, und was für eines! Der Gesprächsautomat des Morgens, auf knappe Info-Antworten dressiert, beeindruckt mit persönlichen Themen aus der Welt Jugendlicher, die Erwachsenen hören interessiert zu, stellen Gegenfragen, bekommen differenzierte Antworten, ein kommunikatives Miteinander par excellence.

 

Abendessen vorbei, Handyverbot aufgehoben, Totenstille. Gierig gleich Süchtigen werden die auf iPhone und Smartphone aufleuchtenden Wörter eingesogen, jeder für sich, Handywörterwellen ersticken jedes Miteinander. Kommunikation tot, kurze gegenseitige Umarmung mit Handy in der Hand und leichtem Schielen auf Display, Abend fertig, allgemeiner „Abtransport“.

 

Heimfahrt der Gast-Schülerin. Im Innenspiegel sichtbar flackert das Handy-Display im Gesicht der Benutzerin auf dem Rücksitz. Fragen nach Tag, Programm und Miteinander werden nicht gehört, geschweige denn beantwortet. Die Kommunikative dddes Abendessens mutiert zur Taubstummen. Alles Gegenwärtige ist weggebeamt, Mädchen ist auf Handy, sie ist nicht „getaskt“, beschäftigt, sie ist gar nicht mehr existent, eingesogen in ihre Handywelt, eingemauert von SMS und Facebook, verfugt durch Senderwellen, im zuckenden Display-Schein die Verwandlung, nicht zum Werwolf, nein, zum kommunikationslosen Mischwesen, zum sprachlosen Handymenschen, zum iPhone-Smartphone-Neandertaler! Ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte…!

 

Zeichnung: Veronika Reiter

 

Klaus Schenck

Klaus Schenck

Klaus Schenck unterrichtet die Fächer "Deutsch", "Religion" und das Wahlfach "Psychologie". Er hat 2003/04 die Schülerzeitung "Financial T('a)ime" (FT) zunächst als Printausgabe ins Leben gerufen, dann 2008 die FT-Homepage, zwei Jahre später die FT-Sendungen auf YouTube (www.youtube.com/user/financialtaime) , zusätzlich ist noch seine Deutsch-Homepage (www.KlausSchenck.de) integriert, sodass dieses "Gesamtpaket" bis heute täglich auf rund 2.000 User kommt. Mit der "FT-Abi-Plattform" wurde ab 2014 das Profil für Oberstufen-Material - über die Schülerzeitung hinaus - geschärft, ab August 2016 ist wieder alles in einer Hand, wobei Klaus Schenck weiterhin die Gewichtung auf Schulmaterial beibehält und die Internet-Schülerzeitung (FT-Internet) bewusst auch für andere Schulen, andere Interessierte öffnet.
Klaus Schenck

Neueste Artikel von Klaus Schenck (alle anzeigen)