Egal wo, wann und in welcher Situation, dieses technische Gerät gibt einem die Möglichkeit immer erreichbar zu sein, die aller neusten News zu empfangen, um so immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Keine Frage, wovon hier die Rede ist: das Handy! Kaum vibriert es, greift die Hand automatisch zum Handy in der Tasche. Doch dieser Automatismus ist mir nicht nur an anderen aufgefallen, sondern auch an mir selbst. Ist das echt normal?

 

Letzten Freitag habe ich diese Erfahrung sehr deutlich gemacht:

Ich schlendere mal wieder durch die Stadt, um ein phioaar Einkäufe zu erledigen. Gerade, als ich ein Geschäft betrete, verlässt eine alte Freundin den Laden. Ich bin sehr überrascht, sie mal wieder zu treffen, schließlich habe ich sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Mit dem Handy in der Hand telefonierend bemerkt sie mich im ersten Moment gar nicht. Als ich ihr etwas auffälliger winke, freut sie sich jedoch gleich und meint, sie muss noch kurz fertig telefonieren, dann kann sie reden. Ich denke mir nicht viel dabei und jpoiwarte. Ich schaue auf die Uhr…, schon fünf Minuten telefoniert sie…, hoffentlich legt sie bald auf…, ich habe auch nicht ewig Zeit… Dann endlich beendet sie das Gespräch. Eine herzliche Begrüßung und ich erzähle ihr etwas über die letzte Zeit und wie es momentan in der Schule so läuft.  Auf einmal höre ich ihr Handy leise vibrieren. Mir fällt sofort auf, dass es jetzt für sie schwerer ist zuzuhören. Ich probiere trotzdem das Gespräch fort zu führen, denn ich habe so viel zu erzählen. Ihr Augenkontakt bricht nun plötzlich ab. Ich spüre etwas die Unsicherheit, ob sie die Nachrichten checken soll. Die Unkonzentriertheit beim Reden, immer wieder diese Blicke auf die Tasche, ich merke, wie ihre Gedanken nicht mehr bei unserem Gespräch sind, bis sie schließlich, wie ich es erwartet habe, automatisch mit ihrer Hand in die Tasche greift und das Handy zückt, der Augenkontakt bricht komplett ab. Ich bin echt genervt, ich habe das Gefühl, sie würde es nicht einmal bemerken, wenn ich aufhöre zu reden. Der starre Blick auf das Handy, der Kopf gesenjopkt, wie sie vertieft auf ihr Display glotzt, ohne sich zu entschuldigen für die Unterbrechung, ohne den Gedanken, dass dies schlicht und ergreifend unhöflich ist. Es kocht schon zsdfiemlich in mir, aber ich probiere das zu überspielen. Ihre Finger tippen schnell auf der Tastatur, und als sie fertig ist mit Schreiben, kam bei mir etwas Erleichterung auf. Sie wendet ihre Aufmerksamkeit wieder mir zu und meint nur: „Ja, wo waren wir gerade? Ach, genau!“ Ich merke, sie braucht etwas Zeit, um in das Gesprächsthema von vorhin erneut einzusteigen. Ich rede schon deutlich genervt, was sie natürlich bemerkt. Als es wieder zu vibrieren beginnt in ihrer Tasche, versuche ich mich noch halbwegs nett zu verabschieden mit der Ausrede, ich müsse jetzt noch etwas erledigen, da meine Zeit knapp sei.

Als ich meine Einkäufe mache, denke ich noch eine Zeit lang über das Verhalten meiner Freundin nKPÜ7ach. Ich empfinde es unhöflich, so mit mir ein Gespräch zu führen. Schließlich stand ich doch vor ihr und sie schrieb wahrscheinlich in irgendeinem Chatroom mit einer anderen Freundin. Ich halte das für unerklärlich, denn sie zeigte mir so deutlich ihr Desinteresse am Gespräch mit mir. Waren meine Themen so langweilig, ich ihr vielleicht sogar gleichgültig? Der Zweifel packt mich – bin ich vielleicht das Problem? Als ich so vertieft in meinen Gedanken vor einem Regal stehe, vibriert mein Handy: eine fhüdioNachricht. Automatisch greife ich zum Handy und schon ziehe ich es aus der Tasche. Stopp! In diesem Moment bemerke ich, wie sehr mich interessiert, was in der Nachricht steht, diese Neugier etwas Wichtiges zu verpassen. Aber ist das nicht dieselbe Situation wie vorhin im Gespräch, zwar rede ich mit niemandem, aber meine Blicke wenden sich sofort vom Regal ab. Zehn Minuten zuvor – war ich da nicht genervt von dieser Einstellung, unbedingt sofort auf das Handy zu gucken und zurück zu schreiben? Die Konzentration liegt auf dem Handy, alles außen herum scheint unwichtig. Und als ich so darüber nachdenke, fiel mir auf, wie sehr ich, wie alle anderen auch, an das Handy gefesselt bin. Durch diese Selbsterkenntnis stecke ich das Handy entschlossen in die Tasche zurück und nehme mir vor, erst die Einkäufe zu erledigen, bevor meine Augen auf die Handy-Nachricht fallen.

 

Fotos: Stefanie Geiger

Anna

Anna

Anna Winkler trat 2012 gleich zu Beginn der 11. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums in die Redaktion der „Financial T(’a)ime“ (FT) ein und wurde in ihrer anpackenden Art eine wichtige Säule bei den vielen FT-Aktionen: Werbebriefe für die Printausgabe, Deutsch-Botschafterin mit der FT in Holland, FT-Delegationsmitglied bei der Pressekonferenz der Universität Würzburg, FT-Empfang der chinesischen Delegation usw. Ihre ansteckende Lebensfreude ist ein weiteres Markenzeichen von ihr innerhalb des Redaktionsteams.