In den Vorbereitungen für den Gegenbesuch der Holländer hatten wir, die gesamte FT-Redaktion mit Herrn Schenck, in einer langen Sitzung ein perfektes Programm ausgearbeitet. Von allem hatten wir etwas eingeplant: Sport und Sightseeing, Shopping und natürlich Essen. Alle waren wir gespannt und voller Vorfreude. Da ich nicht in Holland dabei war, war ich ganz schön aufgeregt auf unsere Besucher. Doch die anderen versicherten mir, dass sie super nett sind und wir mit ihnen bestimmt viel Spaß haben werden.

 

Sonntag:

1Endlich war es so weit! Um 16:00 Uhr trafen wir uns mit Frau Trabold und den Mädels an der Kaufmännischen Schule in Tauberbischofsheim. Auf ihrer Herfahrt hatten sie schon einen Stopp in Wertheim eingelegt. Frau Trabold, die hier in der Gegend aufgewachsen ist, wollte ihren Schülerinnen schon einmal einen Teil ihrer Heimat zeigen. Sterre, meine „Gastschwester“ für die nächsten Tage, begrüßte mich gleich ganz freundlich und auch mit den anderen drei verstand ich mich sofort gut. Nach einem kurzen Rundgang durch die Schule fuhren wir alle heim. Pien wohnt die nächsten Tage bei Stefanie, Simone bei Anna, Carolien bei Debora und Sterre bei mir. Frau Trabold schläft bei einer Freundin. Zuhause hatten Sterre und ich etwas 2Zeit, uns näher kennen zu lernen, da wir uns vorher nur von Bildern kannten. Wir hatten zwar schon miteinander geschrieben, doch live miteinander zu reden ist etwas anderes. Ich war erstaunt, wie gut wir uns auf Deutsch unterhalten konnten. Da die Holländer wohl eher kleine Häuser haben, war Sterre erstaunt, wie groß wir hier in Deutschland leben. Zu Abend aßen wir mit meiner Familie. Alle waren begeistert und neugierig auf unseren Gast und so wurde Sterre mit vielen Fragen gelöchert. Nach dem Essen kamen Stefanie und Pien zu uns und wir schauten eine DVD. Nach ein paar Minuten fragten uns die Mädels, ob denn der ganze Film auf Deutsch sei. Wir waren etwas verwundert über sie Frage, aber sie erklärten uns, dass in Holland kaum ein Film synchronisiert wird und sie deshalb meistens auf Englisch schauen müssen. Das war neu für uns. Ich war wirklich erleichtert, dass wir uns so gut verstanden. Jetzt freute ich mich um so mehr auf die nächsten Tage.

Montag:

Am Vormittag begleiteten uns unsere Austauschschülerinnen im Unterricht. Sie sind es gar nicht gewohnt, so früh aufzustehen. Pien hatte es besonders schlimm getroffen, denn Stefanie hatte als Einzige zur ersten Stunde. Die andere konnten für unsere Verhältnisse lang schlafen. Sterre ging ganz offen auf meine Mitschüler zu, doch auch die Lehrer waren sehr freundlich und bezogen sie hin und wieder in den Unterricht mit ein. In der großen Pause trafen wir uns alle im Lehrerzimmer, denn auch Direktor Deeg wollte unsere Gäste persönlich begrüßen. Nach ein paar Ansprachen und dem obligatorischen Gruppenfoto gab etwas zu essen und zu trinken. Nach zwei weiteren 3Stunden Unterricht war der Schultag für uns heute vorbei und wir trafen uns in der VS-Kantine zum Mittagessen. Wir konnten uns hier viel Zeit lassen, da vorerst kein Programmpunkt anstand. Zum Nachtisch gingen wir ins Eiscafé Dolomiti. Reichlich gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Wenkheim zu Debora. Ihr Vater hat eine Glasbläserei und die will er uns zeigen. Das war interessant, denn wir hatten alle noch nicht so viel davon gehört. Doch das Beste kam natürlich zum Schluss: wir durften unsere eigene Christbaumkugel blasen. Das hat bei den meisten auch ganz gut geklappt. Nach dem Besuch in der Glasbläserei zeigte uns Debora ihr Heimatdorf Wenkheim. 4Doch dazu könnt ihr mehr in ihrem Artikel nachlesen. Abends bestellten wir uns Pizza und quetschten uns alle an den Esstisch von Deboras Oma. Für den Nachtisch sorgten Anna, Simone und Tobias. Sie hatten Tiramisu und eine Himbeernachspeise für uns gemacht. Danach wurde es noch einmal richtig lustig. Wir sangen den Holländern deutsche Lieder vor. Bei „Traum von Amsterdam“ konnten sie sogar mitsingen, den Text hatten sie extra geübt. Damit wir am nächsten Tag wieder frisch aussehen, widmeten wir uns unserer Schönheit. Debora hatte schon Gesichtsmasken vorbereitet und wir lackierten uns dazu die Nägel. Da wir in Deutschland nicht einfach mit dem Rad fahren können, ließen wir uns von unsern Eltern abholen.

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Dienstag:

 

Heute stand erst einmal Ausschlafen an. Wir hatten keine Schule und wollten unseren Gästen Würzburg zeigen. Leider war Debora krank und konnte nicht mitkommen. Wir nahmen den Bus ins benachbarte Bayern. Frau Trabold übernahm die Planung und die Stadtführung. Da sie hier schon einmal für ein paar Jahre gewohnt hat, kannte sie sich auch bestens aus. Erster Programmpunkt war die Residenz. Natürlich erzählten wir ganz stolz, dass hier vor zwei Jahren ein Hollywood-Film 7gedreht worden ist. Drinnen machten wir bei einer Führung mit, um in die einzelnen Säle zu gelangen. Da wir Deutschen schon mehrmals hier waren, hielt sich unser Interesse in Grenzen. Und unseren Gästen mussten wir manchmal wiederholen und erklären, was gesagt wurde, da die Führerin keine Rücksicht auf die „Nicht-Deutschen“ nahm. Anschließend wollte uns Frau Trabold das Lusamgärtchen zeigen, doch wir hatten Schwierigkeiten es zu finden. So fragten wir uns durch die Würzburger Bevölkerung, bis wir am Ziel waren. Das Gärtchen ist wirklich schön, ein ganz ruhiger Ort inmitten der hektischen Stadt. Hier kann man auch das Grab von Walther von der Vogelweide besuchen. Doch uns zog es weiter. Gegen Mittag knurrten schon die ersten Mägen, also machten wir einen Halt bei Nordsee. Wir schlenderten über die Alte Mainbrücke und machten uns schließlich auf den mühsamen Weg hoch zur Festung Marienberg. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir endlich oben waren. Doch als wir ankamen, hatten wir eine unglaublich gute Aussicht über Würzburg. Wir schlenderten über das Burggelände und Frau Trabold erzählte hier und da etwas. Als wir wieder runter in die Stadt „absteigen“ wollten, hatten drei der Holland-Girls eine Idee: sie rollten den Weg einfach nach unten. Mit Drehwurm ging es dann auf den Marktplatz. Die letzte Sehenswürdigkeit von Frau Trabolds Führung war die Marienkapelle. Von da an trennten sich unsere Wege. Für uns Jugendliche gab es nur noch eine Beschäftigung: Shoppen, Shoppen und Shoppen. Die Holländerinnen waren ganz begeistert, wie billig die Schuhe bei uns sind. Also deckten sie sich gleich mit mehreren Paaren ein. Fast in jedem Laden wurden sie fündig. Doch auch Einkaufen macht müde. Und so zogen wir Richtung Bahnhof und setzten uns schon mal an den vereinbarten Treffpunkt. Die vier Mädels sangen uns, nicht nur einmal, ihre fast schon akzentfreie Version von „Traum von Amsterdam“ vor. Mit den Lehrern ging‘s dann zur Haltestelle und mit dem Bus zurück nach Tauberbischofsheim. Den Abend ließen wir in Schmitz Tapasbar ausklingen. 9Frau Trabold brachte noch ein paar Freunde mit, die sich zu uns gesellten. Jeder wurde fündig auf der Speisekarte und am Ende waren wir alle wunschlos glücklich. Für Unterhaltung sorgten Sterre und Pien. Da wir nach dem Essen noch viele Dips übrig hatten, boten sie sich gegenseitig Geld, wenn die andere ein volles Schälchen leer schleckte. Uns anderen wurde beim Zuschauen schon schlecht, doch den beiden schien es nichts auszumachen. Leider konnten wir nicht so lange bleiben, da alle am nächsten Tag zur ersten Stunde raus mussten.

Mittwoch:

Wir Deutsche hatten leider Unterricht, doch zum Glück nur vormittags. Frau Trabold fuhr mit ihren Schülerinnen nach Rothenburg und besichtigte dort die Stadt. Nach der Schule ging es für die FT-Redaktion in die VS zum Essen. Da wir am 11Abend grillen wollten, mussten wir auch noch einkaufen gehen. Das Eigentliche war schnell zusammen gesucht, doch vor dem Süßigkeitenregal hielten wir uns eine Ewigkeit auf. Wir legten einfach alles in den Wagen, was wir gerne hätten. Das war natürlich viel zu viel. Also mussten wir wieder aussortieren. Irgendwann war dann jeder mit der Ausbeute zufrieden. Als wir unsere Einkäufe verstaut hatten, trafen wir uns mit den Holländern am Marktplatz für eine Stadtführung. Frau Schwarz, die Stadtführerin, zeigte uns erst das Rathaus. Als wir hinaus auf den Balkon durften, um eine Aussicht über den Marktplatz zu bekommen, zeigte sich, wer aus einem Land mit Monarchie kommt: Die Holländer fingen sofort an, wie Prinzessinnen zu winken. Weiter ging es durch Tauberbischofsheim zum Türmersturm. 118 Stufen rauf und wieder runter. Das reichte vorerst. Nach einer Stunde verabschiedeten wir uns von Frau Schwarz und fuhren zum Fechtzentrum. Ein Muss für jeden, der Tauberbischofsheim besucht. Dort begrüßte uns Matthias Behr, der Leiter des Olympiastützpunktes. Dann übernahmen Tamina und Eva aus der 11/1 die Führung. Sie zeigten uns erst das Zentrum und dann mussten wir selber ran. Die Einführung und die Grundschritte waren noch relativ leicht. Doch dann mussten wir die Fechtkleidung anziehen, und das dauerte ganz schön lange. So viele Einzelteile und die Reihenfolge durfte man auch nicht durcheinander bringen. Als alle angezogen waren, gingen wir auf die Bahnen, um richtig zu fechten. Das machte dann eine Menge Spaß. Es war aber auch anstrengend und in den Fechtklamotten wird einem schnell heiß. So freuten wir uns nach dem Training auf die verdiente Dusche. 13Frisch gestylt machten wir uns auf den Weg nach Gerchsheim, wo wir bei Stefanie grillen wollen. Erst einmal waren wir in der Küche beschäftigt – Salat machen, Tomate-Mozzarella legen und Kräuterbutterbaguette backen. Stefanies Vater bewies sein Talent als Grillmeister. Leider hatte es geregnet und wir konnten nicht draußen essen, wie es sich fürs Grillen eigentlich gehört. Allen hat es super geschmeckt und wir machten uns an den Nachtisch, den Stefanies Mutter extra für uns gemacht hatte. Und dann mussten wir ja auch noch die ganzen Süßigkeiten essen, die wir mittags gekauft hatten. Wir waren wirklich nur am Essen. Die Lehrer verabschiedeten sich und, um unseren Gästen auch unser schönes Dorf zu zeigen, machten wir einen Verdauungssparziergang. Leider war das schon unser letzter gemeinsamer Abend und deshalb feierten wir noch lange weiter. Die Holländer sind wirklich lustig und wir hatten viel Spaß mit ihnen. Wir verabredeten uns auch gleich für die Sommerferien. Da werden dann wieder wir nach Holland fahren.

 

Donnerstag:

 

Der letzte Morgen war etwas hektisch und nach unserer kleinen Party waren wir auch alle noch ganz schön müde. Wir trafen uns mit Frau Trabold an der Schule und dann hieß es auch schon „Tschüss“ sagen. Als alle Koffer verstaut waren und sich jeder von jedem verabschiedet hatte, fuhren sie los. Doch es ist ja kein Abschied für immer, in zwei Monaten werden wir sie wiedersehen – in Holland.

 

Für uns begann jetzt wieder der normale Alltag und wir gingen in den Unterricht.

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Stephanie Hofmann

StephieHofmann [at] t-online [dot] de