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Der erste Tag der Holländer in Deutschland wurde zum Wenkheim-Tag. Diesmal war es meine Aufgabe den Holländern und auch den Einheimischen die Schönheit und Besonderheiten meines Dorfes zu offenbaren.

Zuallererst besuchten wir meinen Vater in seiner Glasbläserei. Nach der BegxIMG_0035rüßung folgten ungläubige Gesichter seitens der Schüler und bald wurde klar, welch falsches Bild man sich unter dem Beruf meines Vaters vorgestellt hatte. Uns erwarteten keine „kleinen, bunten Glasfigürchen“, wie fälschlicherweise von einigen angenommen, sondern Glasgebilde größeren Kalibers, Destillations-, Filter- und Kühlgeräte, die letztendlich aber trotzdem nur ein kleines Stück in einer großen Anlage sein werden. Die Aufträge, hauptsächlich von Ingenieuren, umfassen oft nur eine Skizze mit Außenmaßen, die für unsereinen nur ein paar geometrische Formen darzustellen scheinen, und Informationen zu Funktion der gewünschten Arbeit. Während durch meinen Vater die Funktionsweise einzelner Beispielaufträge erklärt wurde, konnten wir hautnah durch Anfassen und Halten ein neues Bild gewinnen, wobei die Angst etwas kaputt machen zu können, wofür mein Vater nach eigenen Angaben acht Stunden gearbeitet hatte, in den Gesichtern sichtlich zu erkennen war.

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Anschließend erforschten wir unter Anleitung meines Vaters Eigenschaften von Glas. So fanden Herr Schenck und Stephanie heraus, dass man angeritztes, verletztes Glas mit Leichtigkeit brechen und erhitztes Glas sogar mit der Schere schneiden kann. Sterre nahm als erstes am Brenner Platz, um ein Gefühl für die Biegsamkeit eines Glasstabes unter großer Hitze zu bekommen.

 

Schon bald sammelten sich die Fragezeichen in den Köpfen der neuen Glas-ProfixIMG_0204s, wo bleibt das Blasen, das man ebenfalls vom „Glasbläser“ erwartet? Um diese Frage zu beantworten und jedem ein Andenken zu ermöglichen, durfte nun jeder selbst eine Glaskugel blasen, was sich als schwieriger herausstellte als gedacht. Während einige schon beim ersten Versuch eine Kugel gelang, die auch wirklich diese Form hatte, gab es bei manch anderen ersten Versuchen keinen Zusammenhang mehr zur gewünschten Kugelform.

 

DocxIMG_0220h letztendlich verließ jeder mit seinem persönlichen Glaswerk die Firma und machte sich mit mir auf zu einer Führung durch das unscheinbare Wenkheim, das die Holländer durch seine Hügel (oder wie sie selbst sagen würden „Berge“) in die Knie zwingen sollte und viel mehr Geschichte zu bieten hat, als von den anderen zuvor angenommen. Zwei Kirchen, zweier Konfessionen, die sich einen alten Wehrturm als Kirchturm und dieselben Glocken teilen, ein Schloss, welches im 19. Jahrhundert zerstört wxIMG_0315urde, die oft vergessene Verbindung der Wenkheimer Bürger zur Entführung Luthers, unterirdische Tunnel, die schon über ca. zwei Jahrhunderte keiner mehr betreten hat und vieles mehr. Beim Vorbeigehen an der evangelischen Kirche trafen wir zufällig den Pfarrer, welcher uns die Kirche aufschloss und eine Orgeleinlage an einer Orgel, die noch einen Tretbalgen besitzt, erlaubte. Weiter ging unser Weg zur Synagoge und von der evangelischen Geschichte über zur jüdischen Geschichte, denn auch das Judentum war in Wenkheim bis zum Zweiten Weltkrieg stark vertreten und prägte unser Dorf. Das Ende meiner Führung fand sich auf dem abgelegenen Judenfriedhof im Wald und brachte Bewunderung für die Größe und vor allem für den gut erhaltenden Zustand des Judenfriedhofes mit sich.

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Auf dem Rückweg war die Freude über das bevorstehende Pizza-Essen groß. Zu elftquetschten wir uns an einen Tisch, von dem bald vor lauter Pizza nichts mehr zu sehen war. Als wir uns gestärkt zurücklehnten, stimmten wir eine Gesangseinlage ein, brachten den Holländern deutsche Zungenbrecher bei und rundeten den ganzen Abend durch Heilerde-Gesichtsmasken ab. Nach nfänglichen Berührungsängsten ließen sich die meisten doch überreden mitzumachen und sogar Herr Schenck unterzog sich der Verjüngungskur.

 

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Fotos: Stefanie Geiger

 

Debora Eger

Debora Eger

Debora Eger besuchte seit 2011 das Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim und machte dort 2014 ihr Abitur. Sie trat sofort in die Schülerzeitung "Financial T('a)ime" (FT) ein und übernahm gleich die Verantwortung des Controllings. Schon ein Jahr später wurde sie Chefredakteurin, in diese Zeit fallen außergewöhnliche Erfolge der FT: Erscheinen der Printausgabe, Kooperation mit der Universität Würzburg, Aufenthalt als Deutsch-Botschafter in Holland mit Gegenbesuch und Empfang einer chinesischen Delegation der FT-Partnerschule (Eliteschule) Shenzhen bei Hongkong.
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