Sobald man als Schüler die Oberstufe erreicht hat, fängt die Fragerei von Freunden, Verwandten und Bekannten an. „Was machst du nach’m Abi?“, „Weißt du schon, was du mal werden möchtest?“ und „Hast du dich schon über Studiengänge informiert?“ sind nur ein Bruchteil davon. Natürlich können solche Fragen nervig sein, insbesondere, wenn die Antwort meist „Weiß nicht!“ oder „Nein!“ ist, da man noch gar nicht weiß, in welche Richtung es einmal gehen soll.  

 

Auch kurz vor dem Abitur wissen viele oft noch gar nicht, was sie machen möchten, schließlich sind die Möglichkeiten endlos. Wenn man sich dazu entschieden hat, ob man eine Ausbildung macht oder doch lieber studiert, folgt die nächste Hürde, denn dann muss man sich zwischen den vielen Ausbildungs- und Studienangeboten entscheiden. Viele Schüler sind damit überfordert und so kommt es nicht selten vor, dass man das macht, was einem die Eltern vorschlagen oder sogar erst einmal „irgendwas“ anfängt und auf baldige Erleuchtung hofft.

 

Doch einfach irgendwas anzufangen ist nicht empfehlenswert, denn wer sich noch in der Findungsphase befindet, gab1kann diese viel effektiver nutzen. Eine tolle Möglichkeit dafür ist ein so genanntes Gap Year. Das Konzept stammt ursprünglich aus England und ist dort schon seit den 90ern gang und gäbe. Die Idee dahinter ist, dass man sich nach seinem Schulabschluss ein Jahr – oder auch nur ein paar Monate lang – eine Auszeit nimmt, die man ganz individuell und nach eigenem Belieben gestalten kann. Oft passiert es, dass man hinterher mit Hilfe der neuen Erfahrungen und Eindrücke weiß, was man in Zukunft mit seinem Leben machen will. In den letzten Jahren ist auch in Deutschland das Gap Year immer beliebter geworden. Viele verbinden ihre Auszeit mit einem Auslandsaufenthalt und dem Ziel ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Eine beliebte Möglichkeit, um diese Dinge zu kombinieren, ist ein Aupair-Jahr, in dem man in einer Gastfamilie im Ausland lebt und sich um die Kinder und teilweise auch den Haushalt kümmert.

 

Was auch sehr beliegab2bt geworden ist, sind Reisen um die Welt, die man entweder alleine oder mit einem Freund / einer Freundin bestreitet. Da man während der Reise häufig arbeiten muss, um den Trip zu finanzieren, wird diese Art von Gap Year auch „work and travel“ genannt. Wer statt nur zu reisen auch etwas Gutes tun möchte, sollte über Freiwilligenarbeit im Ausland nachdenken. Es gibt unzählige Organisationen und Projekte, bei denen man sich bewerben und helfen kann, wie zum Beispiel bei der Aufzucht von verwaisten Wildtieren in Australien oder Afrika. Man sollte sich aber dabei im Klaren sein, dass das Mitwirken bei solchen Projekten leider häufig mit ziemlich hohen Kosten verbunden ist und man für die Arbeit nicht bezahlt wird. Die tollen Erfahrungen, die man vor Ort macht, sind aber natürlich mit Geld nicht aufzuwiegen.

 

Selbstverständlich kann man auch ein Gap Year machen, wenn man schon weiß, welchen Ausbildungsweg man einschlagen möchte. In diesem Fall bietet es sich an mehrere Praktika zu machen, um zu sehen, welches Gebiet einem am besten gefällt. Ein Praktikum macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, es gibt einem auch einen authentischengab3 Einblick in den Arbeitsalltag und hilft Vorurteile oder falsche Vorstellungen des Jobs klarzustellen.

 

  Alles in allem bleibt zu sagen, dass sowohl die positiven als auch die negativen Erfahrungen aus einem Gap Year einen im späteren Leben ungemein weiterbringen. Ohne es zu bewusst zu merken, erlangt man eine gewisse Reife, schließlich ist man mehr oder weniger auf sich selbst gestellt und lernt sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Der eigene Horizont erweitert sich um einiges und man sieht sein Heimatland und sich selbst plötzlich mit ganz anderen Augen. Nach dieser Zeit fällt den meisten die Berufswahl sehr viel leichter.

 

 

 

 

Artikel: Lisa Heinreich

 

E-Mail-Kontakt: lisa [dot] heinreich [at] gmail [dot] com

 

 

Bildnachweis:

Bild 1 (Familie): von Tetra Pak (http://www.flickr.com/photos/tetrapak/6265879733/in/photostream/)
Bild 2 (Leopard): von Marie Hale (http://www.flickr.com/photos/15016964@N02/5462079775/)
Bild 3 (Praktikum): von Adam Grabek (http://www.flickr.com/photos/adamgrabek/6424461231/)