Sie haben vor, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben und wollen wissen, auf was es ankommt, damit Sie mit Ihrer Bewerbung Erfolg haben? Dann sind Sie auf dieser Seite richtig, denn in der Serie „Was Sie schon immer über Bewerbungen wissen wollten …“ geht es um Informationen rund um das Thema Bewerbung.

Teil 9: Typische Fragen in einem Vorstellungsgespräch

Erinnern Sie sich noch an Thilo Tauber, unseren Probanden des letzten Schuljahrs, der sich um einen Ausbildungsplatz zum Buchhändler beworben hat? Er wurde von Frau Taub, der Inhaberin der Buchhandlung Taube, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Das Gespräch könnte in etwa so ablaufen.

 

Frau Taub: Guten Tag, Herr Tauber. Schön, dass Sie gekommen sind. Ich möchte Ihnen Herrn Tauben vorstellen. Er arbeitet seit Jahren in meiner Buchhandlung, ist Leiter der Belletristikabteilung und darüber hinaus zuständig für die Betreuung unserer Auszubildenden. Wir treffen die Entscheidung, wer den Ausbildungsplatz erhält, gemeinsam.

Darf ich Ihnen einen Kaffee oder ein Glas Wasser anbieten, Herr Tauber?

Thilo: Guten Tag, Frau Taube, guten Tag, Herr Tauben. Erst einmal vielen Dank für die Einladung. Gerne nehme ich ein Glas Wasser.

 

Herr Tauben: Sie möchten Buchhändler werden. Was reizt Sie an diesem Beruf?

Thilo kann genau beschreiben, was ihm an dieser Tätigkeit gefällt und warum er diesen Beruf ergreifen möchte. Er kann auf seine Erfahrungen als Ferienhilfe in der Buchhandlung Taube und seinen Nebenjob in der Stadtbibliothek Tauberbischofsheim verweisen – damit wird glaubwürdig, dass er weiß, was in diesem Beruf auf ihn zukommt.

 

Herr Tauben: Gibt es vielleicht auch etwas, was Ihnen an diesem Beruf nicht gefällt?

Bei dieser Frage muss Thilo aufpassen – er darf nichts sagen, was für die Tätigkeit zentral ist, damit würde er sich selbst disqualifizieren. Er darf also nicht etwa erwähnen, dass er nicht gern Kunden berät, sondern er erklärt zum Beispiel, dass er die Zuverkäufe – auch wenn sie für die Attraktivität einer Buchhandlung bedingt durch E-Books und Internethandel erforderlich sind – bedauert.

 

Herr Tauben: Wissen Sie, wie die Ausbildung zum Buchhändler abläuft?

Ja, Thilo hat sich auf diese Frage gut vorbereitet. Herr Tauben erläutert in diesem Zusammenhang weitere Formalitäten der Ausbildung.

Herr Tauben: Ein Buchhändler hat eine überschaubare Tätigkeit. Werden Sie sich in diesem Beruf nicht schnell langweilen?

Thilo hat sich auch mit Fortbildungsmöglichkeiten beschäftigt und sich überlegt, was er sich perspektivisch für sich vorstellen kann.

 

Frau Taub: Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Mit dieser Frage hat Thilo gerechnet. Er kann das Buch kurz zusammenfassen, es inhaltlich bewerten und etwas zum Autor sagen.

 

Frau Taub: Welche Bücher stehen derzeit auf der Bestsellerliste?

Auch auf diese Frage hat Thilo gewartet.

 

Frau Taub: Was wissen Sie über Thomas Mann? Was charakterisiert die Epoche des Sturm und Drang? Nennen Sie bitte drei ausländische Literaturnobelpreisträger und deren Hauptwerke.

Dank seiner Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch besteht Thilo den Wissenstest problemlos.

 

Frau Taub: Warum wollen Sie gerade in meiner Buchhandlung Ihre Ausbildung absolvieren?

Da Thilo bereits als Ferienhilfe in dieser Buchhandlung gearbeitet hat, fällt es ihm leicht, darzulegen, was er an diesem Haus besonders schätzt. In einer anderen Buchhandlung hätte er beispielsweise sagen können, dass er die Besonderheiten einer Universitätsbuchhandlung kennenlernen möchte, er gern in einer Fachbuchhandlung ausgebildet werden würde oder er eine Buchhandelskette einer privat geführten Buchhandlung (oder anders herum) vorzieht.

 

Herr Tauben: Wir haben viel besprochen – haben Sie noch Fragen?

Thilo: Auch auf diese in jedem Vorstellungsgespräch obligatorische Frage ist Thilo vorbereitet. Er bittet um Klärung der Dinge, die noch nicht erörtert wurden und ihm unklar sind – mehr als ein, zwei Kleinigkeiten sind meistens nicht zu bereden.

 

Frau Taub: Ich habe Sie ja bereits während Ihrer Tätigkeit in meiner Buchhandlung kennengelernt und mir hat die Art, wie Sie gearbeitet haben, gut gefallen. Auch das Gespräch heute hat mich davon überzeugt, dass Sie ein guter Buchhändler werden könnten. Wir haben in den nächsten Tagen noch zwei weitere Bewerber eingeladen. Deshalb bitte ich um ein wenig Geduld, ich melde mich Anfang nächster Woche bei Ihnen.

Thilo: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Taube, Herr Tauben. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich für mich entscheiden!

 

Frau Taub: Auf Wiedersehen, Herr Tauber.

Thilo: Auf Wiedersehen, Frau Taube, auf Wiedersehen, Herr Tauben.

 

Was in diesem fiktiven Gespräch fehlt, sind Fragen nach dem Verhalten des Bewerbers in berufstypischen Situationen – diese habe ich im heutigen Teil meiner Serie weggelassen, damit der Artikel nicht zu lang wird und Sie das nächste Mal wieder etwas Spannendes zu lesen haben! Bis demnächst also!

 

Es grüßt Sie

Cornelia Putzker, die Schwäbin aus Rostock

 

PS: Kommt Ihnen der Titel der Serie irgendwie bekannt vor? Er geht allerdings so weiter: … und sich endlich zu fragen wagen.

Haben Sie eine Frage rund um das Thema Bewerbung? Dann schicken Sie diese doch einfach unter dem Betreff: „Financial T(´a)ime“ an pbe [at] putzkers-bewerbungsecke [dot] de und geben Sie bitte Ihre Klassenstufe an. Unter den eingehenden Fragen wähle ich die interessantesten aus und beantworte sie in einem der folgenden Artikel unter Angabe Ihres Vornamens und Ihrer Klassenstufe. Wenn Sie im Fall einer Auswahl anonym bleiben möchten, vermerken Sie dies bitte in Ihrer E-Mail.

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© Foto Arppe Rostock

 

 

Cornelia Putzker, Diplom-Theologin und Referentin für Personalwirtschaft und -entwicklung, ist Lehrbeauftragte für Vermittlungskompetenz an der Universität Rostock und bietet über das Internet Bewerbungsberatung an. 2005 erschien ihr Buch „Auf dem Weg zum ersten Job“ im Shaker Verlag Aachen: http://www.shaker.de/Online-Gesamtkatalog/Details.asp?ISBN=978-3-8322-4370-8

 

Besuchen Sie mich auf meiner Homepage http://putzkers-bewerbungsecke.de, ich freue mich darauf!

 

9. Januar 2013