Huhu, ihr Lieben,

heute werde ich mich mit euch auf eine Reise durch die kulinarische Welt Schottlands begeben. Nun genießt die britische Küche im Ausland vermutlich keinen besseren Ruf als das englische Nationalteam in Sachen Elfmeterschießen. Aber wie im Fußball, wo die Schotten eine eigene Nationalmannschaft haben und sich über das Aus der englischen Nationalteams bei der EM (für die sie sich selbst nicht qualifiziert haben) fast genauso freuen wie die Italiener, die mit dem Sieg über England ihren Einzug ins Halbfinale gesichert haben, grenzen die Schotten sich auch kulinarisch von den Engländern ab. Wie groß der Unterschied ist und ob anders auch gleich besser ist, habe ich für euch erkostet.

Morgens um halb 10 in Schottland. Es gibt kein Knoppers. Nein, die Schotten beginnen ihren Tag mit mehr als einem „Fühstückchen“. In Schottland kommt richtig was auf den Teller. Und zwar ein paar Scheiben Speck, ein Spiegelei, fett-triefende Würste, eine halbe angebratene Tomate, gegrillte Pilze und „Black Pudding“, eine Art Blutwurst. Wer mag, bekommt noch eine Portion Haferbrei. Dazu trinkt man natürlich keinen Kaffee, sondern Schwarztee und ein Glas Orangensaft. Wer von euch schon einmal in England war, wird feststellen, dass sich das kaum vom „English Breakfast“ unterscheidet. Auf einem englischen Frühstückteller findet man gewöhnlich noch „Baked Beans“, Bohnen in Tomatensoße aus der Dose. Aber viel wichtiger als die Frage, wie englisch ist das schottische Frühstück, ist die Frage, wie gut ist es. Wer es morgens gerne opulent und deftig hat, der kann sich in Schottland unbesorgt ein typischens Frühstück bestellen. Wer es hingegen am Morgen lieber locker leicht angeht oder wer kurz nach dem Frühstück eine Wandertour anstrebt, sollte sich überlegen, ob er ein Frühstück möchte, dass ihm noch Stunden später schwer im Magen liegen wird. Heißt es aber nicht immer, man soll frühstücken wie ein Kaiser? Ob man sich an dieses Sprichwort hält oder nicht, unser deutsche Gaumen wird sich nichtsdestotrotz an einem reiben: Von unseren unzähligen Wurstsorten – Frankfurter, Nürnberger, Wiener, Weißwurst, Bratwurst, Fleischwurst… – verwöhnt, habe ich noch keine Deutschen kennengelernt, der der britischen Wurst was ab kann: Sie ist weder kräftig noch deftig, noch würzig, noch gut.

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Wie ihr euch vorstellen könnt, hält so ein Frühstück erstmal ein Weilchen an. Deshalb gibt’s mittags in Schottland auch nur noch ein Sandwich. Wenn wir in Deutschland „Sandwich“ hören, denken wir an ein Baguettebrötchen mit Wurst oder Käse (am besten mit beidem), geziert mit knackig frischem Salat, ein paar saftigen Tomatenscheibe, vielleicht etwas Gurke und Remoulade. In Schottland ist das Rezept etwas anders: Man nehme zwei ungetoastete Toastbrotschreiben (dazu gleich noch mehr), beschmiert sie mit einem geschmacklosen Belag, so dass die Toastscheiben sich auflösen und zerfallen, und schneidet das Ganze in zwei gleich große Dreiecke. Der Belag, egal welchen man wählt, schmeckt dabei immer gleich fad. Wenn du Glück hast und dich in der Nähe des Meeres befindest, kommt eine Möve und erlöst dich von deinem Leiden. Ihnen scheint dieser Fraß nämlich derart gut zu munden, dass sie dafür bereit sind über Leichen zu gehen. Naja, ok, das ist vielleicht ein kleines bisschen übertrieben, aber lasst euch trotzdem gesagt sein, dass es höchst gefährlich ist Sandwiches im Freien zu essen. Möwenattacken sind keine Seltenheit. Als meine Freunde und ich eines schönen sonnigen Sonntagsnachmittags im Frühling auf der saftig grünen Wiese vor der King’s Chappelle gemütlich unsere Sandwiches mampften und dabei einer der vielen schottischen Hochzeitsgesellschaften in die Kirche gehen sahen, flog eine dieser blutrünstigen Vögel heimtückisch von hinten an und biss – genau in dem Moment, in dem die Braut ankam und wir alle dementsprechend abgelenkt waren – meiner Freundin in den Finger, so dass sie ihr Sandwich zu Boden fallen ließ und es damit der Möwe zur Beute überließ. Der Finger meiner Freundin war blutüberströmt (ok, das ist auch wieder etwas übertrieben, der Finger hat etwas geblutet – mindestens einen ganzen Tropfen). Aber damit hatte es sich auch noch nicht mit der Blutrünstigkeit der Möwe. Ihre Artgenossen wollten natürlich auch etwas von der Beute abbekommen. Nun teilt eine Möwe aber genauso ungern ein Sandwich wie Joey aus „Friends“, weshalb ich das, was sich dann im Folgenden abspielte, wünschte nie gesehen haben zu müssen. Uns erbot sich eine Show, wie ich sie mir bei illegalen Hahnenkämpfen vorstellte, die ich in meiner Zeit in Bangkok immer verabscheut hatte und weder jemals unterstützen noch aus Neugierde live hätte sehen wollen. Fazit: Never ever eat a sandwich in Scotland.

Nun zum Toastbrot. Gegenstand eines ewigen Streits zwischen Deutschen und Briten. Was wir Deutschen unter Toastbrot verstehen, nennt man in Großbritannien schlicht „bread“, es ist nur dann „toast“, wenn es getoastet ist. Jeder, der schon einmal dieses „bread“ probiert hat, wird allerdings verstehen, dass diese Pampe keinesfalls die Bezeichnung „Brot“ verdient hat. „Brot“, das ist etwas, was eine krosse Kruste und eine saftige Krume hat; etwas, das lecker duftet; etwas, was man ohne weiteres pur isst, weil es einen köstlichen Eigengeschmack hat. Das britische „bread“ hat damit nichts zu tun: Es hat weder eine Kruste, noch duftet es lecker und dazu hat es weniger Geschmack als Angies Schablonen-Friseur. Wenn man das einem Schotten erzählt, lacht er nur und fragt höhnisch, wie man das „bread“ dann nennt, wenn es getoastet ist. „Toasted toast“ – ist doch ganz logisch…

Am Nachmittag gönnt man sich in Schottland, dann einen leichten Snack für zwischendurch: „the infamous deep-fried Mars bar“ (der berühmte frittierte Mars-Schokoriegel). Er wurde angeblich in einem kleinen Fish & Chips Restaurant in Stonehaven erfunden, nur 20 Minuten von Aberdeen entfernt. Nun ist das wirklich nicht weit von mir entfernt, und ich mache auch einiges für eine gründliche Recherche, um die Authentizität meiner Artikel zu wahren, aber einen Schokoriegel, paniert und in Fett frietiert zu essen, da stoß ich an die Grenzen des Möglichen. Ich lade die Mutigen unter euch jedoch dazu ein dieses Wagnis selbst zu begehen und mir in allen Einzelheiten von diesem Abenteuer zu berichten. Ich für meinen Teil begnüge mich mit einem Foto der Geburtststelle der „deep-fried Mars bar“.

Dafür habe ich ein schottisches Festtagsessen für euch gekostet: Haggis. Was ist Haggis, wollt ihr wissen? Eine schottische Delikatesse. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, müsst ihr das schon selbst rausfinden, denn ich habe die einzelnen Zutaten längst vergessen (sonst hätte ich das nämlich niemals auch nur in die Nähe meines Mundes bringen können). Falls ihr es selbst mal probieren wollt, rate ich euch allerdings nicht mehr über dieses schottische Nationalgericht zu recherchieren. Probiert es einfach, denn wenn man nicht weiß, aus was Haggis besteht, schmeckt es ganz lecker.

Nach dem Essen, vor dem Essen oder zwischendurch gibt es in Schottland entweder Whisky oder Irn-Bru. Leider bin ich keine Whisky-Kennerin, so dass ich euch jetzt in allen Einzelheiten von dem schottischen Whisky hätte vorschwärmen können. Ich habe aber von Connaisseurs gehört, dass der schottische Whisky ganz gut schmecken soll. Ich selbst weiß nur, dass er nach Whisky schmeckt und es ihn in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Wenn ihr mehr wissen wollt, solltet ihr nach Edinburgh in das Whiskymuseum, da darf man sogar in einer lustigen Whiskybahn mitfahren.

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Um Irn-Bru zu beurteilen, muss man keine Expertin sein. Aber zunächst einmal, was ist Irn-Bru? Schottland ist das einzige Land der Welt, in dem Coca-Cola nicht der beliebteste Softdrink ist. Nein, es ist Irn-Bru. Irn-Bru ist quietschorange, vermutlich genauso gesund wie es aussieht und die Muttermilch der Schotten. Ich mag weder Cola noch Irn-Bru, also lasst euch von meinem Urteil nicht abbringen das schottische Nationalgetränk zu probieren. Für mich ist und bleibt Irn-Bru allerdings die flüssige Ausgabe der orangefarbenen Zitrusbonbons, die die Narren und Elferräte auf Karnivalsumzügen aus ihren Wägen schmeißen. Also, wenn euch diese Bonbons schmecken, werdet ihr Irn-Bru lieben.

Das Resumee der schottischen Küche fällt leider nicht besser aus als das der englischen Küche (oder das des Elfmeterschießens). Das soll euch aber nicht davon abhalten in Schottland essen zu gehen. Eines können die Schotten, wie die Engländer nämlich wahnsinnig gut: Ausländische (besonders indische) Köche in ihr Land willkommen heißen. Bon appetit!

Eure Julias3

Juliaspiesberger [at] gmail [dot] com