img1In unserem Zuhause fühlen wir uns wohl und geborgen. Unsere Privatsphäre scheint in den eigenen vier Wänden unantastbar. Doch sind wir wirklich alleine, wenn sich die Türe hinter uns schließt? Nein – denn wir werden beobachtet. Jeder von uns. Wir alle gehören nämlich mittlerweile zu den durchsichtigen Bürgern Deutschlands.
Als Onlinekäufer bei Ebay oder Amazon, als Kunde bei Kaufhof oder Shell, als Arbeitnehmer bei Telekom, Lidl oder der deutschen Bahn, als Schüler oder Student, privat oder gesetzlich Versicherter, egal zu welcher Kategorie man sich zählt – jeder von uns ist von dem katastrophalen Ausmaß des Datendiebstahls betroffen. Es wird mit privaten Nummern und Adressen gehandelt oder Passwörter an Dritte weitergegeben. Auch die Videoüberwachung bei der Arbeit und an öffentlichen Plätzen gehört heute zum Alltag eines Bürgers. Experten sind schockiert: „Die Welle an Datenskandalen reißt nicht ab. Noch nie hat es so viele Verstöße gegen den Datenschutz gegeben wie heute”, sagt die NRW-Datenschutzbeauftragte Bettina Sokol. Allein in Nordrheinwestfalen wurden 2010 diese Verstöße mit Bußgeldern in Höhe von 400 000 € geahndet. Normalerweise fallen diese Beträge nur in fünfstelligen Bereichen an. Auch die Reaktionen von Seiten der Politik lassen aus Bürgersicht zu wünschen übrig. Ein Großteil der Bevölkerung empfindet das Handeln der Politiker für diese vielen in kurzer Zeit aufeinander folgenden Skandale als völlig unzureichend. Mit dem Zeitalter der neuen Technologien häufen sich die Beschwerden über Ausspähung der Internet- und Kontoaktivitäten sowie über heimliche Mitschnitte zum Beispiel von Meinungsforschern bei einem Interview zur Qualitätskontrolle oder Ähnlichem. Von Datenschützern kritisiert wird vor allem auch die rasante Zunahme von DNA – Analysen bei der Polizei, da hierfür seit kurzem kein richterlicher Beschluss mehr nötig ist. Einer der aktuellsten Fälle zum Thema Datenklau bzw. die unberechtigte Verbreitung von Daten ist die Veröffentlichung von geheimen Afghanistan – Dokumenten oder Vertraulichem des US – Ministeriums auf der Internetseite „Wikileaks“. Der Gründer Julian Assange und seine Mitarbeiter versuchen mit dieser Plattform die img1Transparenz der Demokratie zu fördern. Ob diese Möglichkeit jedoch der richtige Weg ist, scheint fraglich.
Fakt ist, dass sich niemand wirklich gegen die Verbreitung von Daten schützen kann. Über diverse Einträge in Telefonbüchern, über Google-Maps und nun sogar schon durch Google-Earth bzw. das sogenannte Streetviewing wird unser privates Leben erheblich gestört. Manche Menschen kennen uns dadurch besser, als uns lieb ist. Und zu diesen gehören leider nicht nur der zukünftige Arbeitgeber, sondern auch Menschen, welche nicht nur Gutes im Schilde führen. Das Internet macht uns durchschaubar, wir sind wie ein offenes Buch. Schützen können wir uns davor nur geringfügig: Wir dürfen das Internet nicht so viel von uns wissen lassen. Es wär von enormem Vorteil für den User, wenn er keine privaten Daten wie Telefonnummern oder Adressen preisgibt und auch die Schnappschüsse der letzten ausgearteten Party für sich behält um zu verhindern, dass diese publik gemacht werden.
Das World Wide Web findet jeden von uns, denn wir alle sind durchsichtige Bürger.

ArtikelschreiberArtikel: Jennifer Freisem Mailjennifer [dot] freisem [at] tele2 [dot] de