Landtagswahl 2011

Interview mit Nils Schmid

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Nils Schmid

FT: Herr Schmid, Sie sind erst 37 Jahre alt und schon eine etablierte Größe in der Politik. Wie kam es dazu?

Herr Schmid: Ich habe mich eigentlich schon immer für Politik interessiert und war auch schon früh aktiv. Seit 1991 bin ich Mitglied bei der SPD, 1993-1997 war ich Juso-Kreisvorsitzender und seit 1997 bin ich Mitglied des Landtages. In Nürtingen, meiner Heimatstadt, habe ich mich dann immer besonders engagiert, da kennt man die Menschen und weiß genau, was ihr Wünsche und Probleme sind. Seit 1999 war ich Vorsitzender des dortigen Ortsvereins und bin nun schließlich seit 2009 Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg, was mich auch zum Spitzenkandidatentitel führte.

FT: Warum haben Sie sich dazu entschieden, bei der SPD Politiker zu werden?

Herr Schmid: Schon früh ist mir aufgefallen, dass in unserer Gesellschaft eine Sache besonders wichtig ist: der soziale Zusammenhalt. Soziale Gerechtigkeit muss für alle gelten und das unabhängig von Alter, Geldbeutel und Herkunft. Meine Frau Tülay ist Türkin und so habe ich auch sehr viele Migranten in meinem Freundeskreis. Ich denke, dass die SPD am stärksten auf die Gruppen in der Gesellschaft zugehen kann, die sonst nicht so viel Beachtung erhalten, nämlich weil sie zuhört. Unsere Strategie ist der Dialog und nicht eine Politik der Entschlüsse über die Köpfe der Bürger hinweg.

FT: Ihr Alltag als Landesvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg ist vermutlich vor allem durch Stress und Hektik geprägt. Was sind Ihre persönlichen Strategien für Stressabbau und klares Denken?

Herr Schmid: Also am besten hilft es mir, wenn ich zu Hause bei meiner Familie Zeit verbringe. Weil ich viel unterwegs bin, ist für mich diese Zeit besonders wertvoll geworden. Mit meinem Sohn gehe ich gerne zu VfB-Spielen ins Stadion, er ist ein totaler Fußballfan. Einfach mal ein normaler Tag als Familienvater ist dann wie eine kleine Auszeit. Wirklich entspannend sind für mich auch Filmabende, an einem freien Abend mit meiner Frau Tülay. Französische Filme mag ich besonders gerne.

FT: Was hat uns, speziell als Schüler und angehende Erwachsene, Ihre Partei zu bieten?

Herr Schmid: Ich bin überzeugt davon, dass die jungen Menschen in Baden-Württemberg unser Potential für die Zukunft sind. Schlaue Köpfe, die später einmal viel leisten werden, ob in der Wirtschaft, im Sozialwesen oder auch selbstständig oder ehrenamtlich aktiv. Deshalb gilt es, Kinder und Jugendliche hinsichtlich ihrer Talente zu fördern und Chancen zu schaffen, die unabhängig von Herkunft und finanzieller Lage sind. Aber für sie als zukünftige Arbeitnehmer muss man jetzt schon Maßnahmen ergreifen. So stehe ich mit meiner Partei ein für einen gesetzlichen Mindestlohn, der gerechte Bezahlung garantiert. Um Familien zu entlasten, setzen wir uns außerdem für eine Kleinkinderbetreuung und kostenlose Kindergärten ein. Vielleicht noch einer der ganz wichtigen Punkte gerade für junge Menschen ist Umwelt und Energie: Atomkraft und die Risiken, die damit einhergehen, ganz zu schweigen von den Unmengen an Atommüll, das kann in der Zukunft so nicht mehr existieren. Wir müssen jetzt gemeinsam erneuerbaren Energien zum Durchbruch verhelfen, wie z.B. der Wind- oder Solarenergie. Wir haben das Potential – wir müssen es nur noch nutzen und das wird die SPD nach dem 27.März auf jeden Fall sofort in Angriff nehmen.

FT: In dem Parteiprogramm der SPD nimmt das Thema Bildung in der Tat einen sehr hohen Stellenwert an. Was soll sich an unserem Bildungssystem in Baden-Württemberg unter der neuen Regierung als erstes verändern?

Herr Schmid: Wenn man sich die Situation im Moment ansieht, fällt auf, dass die Hochschulen unterfinanziert sind, gleichzeitig aber die Studenten erhebliche Probleme haben, ihr Studium zu finanzieren, besonders durch die Studiengebühren. Das ist im Hinblick auf die Chancengleichheit einfach falsch, denn Studenten verschulden sich und die Gelder, aufgrund welcher sie sich verschulden, werden gleichzeitig nicht effizient genutzt. Wo wir als SPD eingreifen wollen, ist den Aufstieg durch Bildung für alle jungen Menschen im Land wieder zu ermöglichen. Dazu werden wir nicht nur die Studiengebühren abschaffen, sondern auch ein Stimmrecht für Studierende in allen wichtigen hochschulpolitischen Entscheidungen einführen und zwar auf gesetzlicher Ebene. Für die Schüler im Land kämpfe ich mit der SPD für das Konzept der Ganztagsschule mit vielfältigen ergänzenden Bildungs- und Freizeitangeboten. Auch liegt uns am Herzen, dass es wieder einen G9-Zug parallel zum G8-Zug an Gymnasien geben wird, damit jeder Schüler selbst entscheiden kann, welches Konzept für ihn das richtige ist.

FT: Die vergangenen Jahre haben allzu oft gezeigt das Versprechen und Realität in der Politik (nicht nur bei der SPD) weit auseinander klaffen und politische Macht häufig missbraucht wird. Weshalb sollten wir ausgerechnet den Versprechungen Ihrer Partei Glauben schenken?

Herr Schmid: In den letzten Jahren und ganz besonders in den letzten Monaten hat man gemerkt, wie sehr die Wählerschaft in Baden-Württemberg enttäuscht darüber war, wie sehr die Politik über ihre Köpfe hinweg regiert. Auf meiner Dialogtour durchs ganze Land, die im letzten Herbst stattfand, habe ich eine große Menge an Menschen getroffen, die mir gesagt haben, dass sie sich übergangen fühlen. Sie hätten das Gefühl, die Politik sei ein reines Machtspiel und habe mit Verantwortung nichts mehr zu tun. Die SPD hat deshalb ein klares Versprechen für den Fall des Regierungswechsels gegeben: Die Hürden für ein Volksbegehren werden gesenkt, man wird nur noch Unterschriften von 5% der Stimmberechtigten brauchen, anstelle von 19% wie bisher. Volksentscheide, die in Baden-Württemberg seit 1946 nicht mehr vorgekommen sind, sollen nach dem 27. März auch einfacher werden. So wird es eine Politik im Dialog geben, damit die Bürger aktiv mitgestalten könne, was im Ländle passiert. Gemeinsam können wir so die Demokratie wieder stärken und Politik für alle attraktiver machen, als sie durch die Regierung der CDU in der vergangenen Zeit geworden ist.

FT: Für wie wichtig halten Sie es, dass sich auch junge Menschen mit Politik auseinandersetzen?

Herr Schmid: Wie ich schon gesagt habe, bin ich fest davon überzeugt, dass die jungen Menschen in Baden-Württemberg unser Potential sind, heute und morgen. Ihr seid es, die zur Schule gehen und ihr seid es, die studieren. Deshalb ist es auch so wichtig, dass ihr jungen Menschen eure Meinung aktiv mit einbringt und vertretet, damit wir gemeinsam an Verbesserungen arbeiten können. Wenn man sich also mit dem politischen Geschehen auseinandersetzt, beginnt man, die anspruchsvollen Vorgänge zu durchschauen, man wird kritikfähiger und kann auch aktiv für das Wohl der Gesellschaft eintreten. Was wir brauchen sind engagierte und interessierte junge Menschen, die nicht nur wählen gehen, sondern auch wissen, warum sie so wählen. Junge Menschen, die voller Überzeugung und Tatendrang für das Einstehen, was ihnen wichtig ist. Das ist für mich ungeheuer wichtig.

FT: Welche Möglichkeiten bietet Ihre Partei Jugendlichen an, sich politisch zu engagieren?

Herr Schmid: Die „Jusos“ in Baden-Württemberg sind für alle jungen, politisch interessierten Menschen einfach eine klasse Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und etwas zu bewegen. Ich selbst war ja lange Zeit aktiver Juso und später auch Juso-Kreisvorstand und kann nur sagen: Es ist eine Erfahrung, die man nicht vergisst, die einen das ganze Leben prägt. Man lernt tolle Leute kennen, schließt Freundschaften und kann vor Ort aktiv werden. Auf der Homepage der Jusos kann man sich informieren, das ist: www.jusos-bw.de

FT: Gibt es noch etwas, was Sie an „uns“ Jugendliche loswerden wollen?

Herr Schmid: Also erst mal muss ich sagen, ich finde es toll, dass es Schülerzeitungen wie euch gibt, die sich mit Politik auch wirklich aktiv auseinandersetzen. Mir ist es wichtig, dass gerade junge Menschen sich informieren, um zu verstehen, was vor sich geht.

ArtikelschreiberInterview: Christoph Baumann MailChristoph [dot] Baumann1 [at] t-online [dot] de