Ein Interview mit Fabian Göbel

Der 15. April 2007 ist der Tag, der das Leben Fabian Göbels aus Eiersheim komplett verändert hat.
Der damals 17-Jährige und seine Freunde treffen sich in Albertshofen bei Kitzingen, um die dortige Crossstrecke auszutesten.

Was passierte auf der Crossstrecke?

Fabian: Es ging alles sehr schnell. Ich bin mit dem Moped direkt auf eine scharfe Kurve zugefahren, wurde von der Sonne geblendet, fuhr in eine Staubschicht, wo ich das Moped nicht mehr unter Kontrolle hatte und flog aus der Kurve heraus. Ich kam mit meiner linken Gesichtshälfte zuerst auf dem Boden auf. Sofort rannten alle auf mich zu und ich habe gemerkt, dass etwas nicht stimmte, da ich meine Beine nicht mehr spüren konnte.

Was geschah dann direkt nach dem Unfall?

Fabian: Meine Freunde riefen den Notruf und ich wurde von einem Helikopter ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde ich sofort notoperiert. Nach der Operation wurde mir von den Ärzten mitgeteilt, dass ich wohl nie wieder laufen kann, da mein fünfter und sechster Brustwirbel gebrochen war. Ich bin ab der Brust querschnittsgelähmt.

Was waren deine ersten Gedanken, nachdem du diese Mitteilung bekommen hast?

Fabian: Ich stand natürlich unter Schock, aber ich hatte schon an der Unfallstelle damit gerechnet, dass etwas mit meinen Beinen nicht stimmte.

Wie lange musstest du im Krankenhaus bleiben und wann konntest du wieder nach Hause?

Fabian: Ich wurde am 3. August aus dem Krankenhaus entlassen, musste aber ab dann ein- bis zweimal pro Woche zur Physiotherapie.

Wann war es für dich möglich dein “ normales Leben“ wieder aufzunehmen?

Fabian: Eigentlich nach den Sommerferien, da ich dort wieder in die Schule gehen konnte. Ich wollte ja mein Abi machen. Aber es hat schon mehrere Monate gedauert, sich umzustellen und mit der Behinderung zu leben.

Wie reagierten die Menschen in deinem Umfeld?

img1Fabian: Ich bekam von allen Menschen in meinem Umfeld volle Unterstützung, von meiner Familie, meiner Freundin und meinen Freunden. Ohne diese Hilfe hätte ich auch nicht an meine vorherige Schule, das Technische Gymnasium in Tauberbischofsheim, zurückkehren können. Ich hätte stattdessen an die behindertengerechte Schule in Wertheim gehen müssen. Nur mit der Unterstützung meiner Klassenkameraden war es mir möglich, den gesamten Stoff nachzuholen. Auch hätte ich ohne meine Klassenkameraden nicht zu den einzelnen Fachräumen, wie dem Physiksaal, gelangen können, da ein Fahrstuhl zu viele Kosten für die Schule verursacht hätte. Ich wurde auch sehr von meinen Lehrern unterstützt, wie meinem Klassenlehrer Herrn Schmidt und dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Stefan. Auch der Hausmeister kümmerte sich um mich, mir wurde der Hausmeisterparkplatz zur Verfügung gestellt. Und schließlich habe ich mein Abi geschafft.

Hatte deine Behinderung nach der Schulzeit eine Auswirkung auf deine Berufswahl?

Fabian: Nein, meine Jobentscheidung hat sich nicht verändert. Ich studiere Maschinenbau bei der Firma Wittenstein und wollte diese Richtung auch schon vor meinem Unfall einschlagen.

Würdest du sagen, dass du durch deine Behinderung stark eingeschränkt bist und was geht jetzt nicht mehr?

img1Fabian: Ja und nein, bestimmte Dinge kann ich nicht mehr machen. Spontane Aktionen, zum Beispiel am Wochenende, sind nicht mehr so einfach umzusetzen. Auch Dinge wie Ski fahren oder nebenerwerblich in der Landwirtschaft zu arbeiten sind nun nicht mehr möglich.

Wie sieht dein Leben zu Hause aus?

Fabian: Mein Leben ist ganz normal. Manche Hilfsmaßnahmen sind bei uns im Haus vorzufinden. Wir haben einen Aufzug, ein behindertengerechtes Bad und ein angepasstes Auto.

Hast du dir schon mal die Frage nach dem “ Warum“ gestellt? Also, warum genau dir der Unfall passiert ist?

Fabian: Ich denke darüber nicht wirklich nach, doch bei den Aktivitäten, die ich betrieben habe, wie z.B. Motorradfahren, kann sehr leicht so etwas passieren. Das Risiko ist immer dabei, man ist vor nichts im Leben sicher.

Was würdest du Menschen raten, die sich in einer ähnlichen Situation wie du befinden?

Fabian: Nach drei Jahren ist es genauso schwer sich damit abzufinden wie nach einem halben Jahr, doch man sollte bloß niemals aufgeben, lernen mit seiner Behinderung umzugehen und das Beste daraus zu machen.

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ArtikelschreiberInterview: Sophie Schäfer und Jakob Grethe

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