Ich heiße Sarah, gehe seit diesem Schuljahr in die 11. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums und bin eigentlich eine ganz normale, eher zurückhaltende 16 – Jährige, die gerne chattet, Party macht und sich mit Freunden trifft. Das Einzige, das mich von meinen Mitschülern unterscheidet, ist, dass ich einen Model – Vertrag bei einer renommierten Model – Agentur in Hamburg habe und dadurch mit 14 Jahren zu kleinem Ruhm gekommen bin.

img1Meine Geschichte beginnt, als ich vor zwei Jahren auf einen Modelwettbewerb (Elite Model Look 2007) aufmerksam geworden bin, der in einem Katalog ausgeschrieben war – Teilnehmeralter ab 14! Dadurch, dass ich schon immer einen Kopf größer als meine Mitschüler war, wurde ich häufig darauf angesprochen, dass ich ja modeln könnte. Eigentlich habe ich mich dort nur aus Spaß beworben und niemals damit gerechnet, dass ich jemals eine Chance haben würde. Tja, und dann ging alles ganz schnell. Die Bewerbungsfrist im Oktober war schon abgelaufen als eines Abends mein Handy klingelte und sich die Model – Agentur meldete, die mich zu einem Vorcasting nach Hamburg einlud. Wenige Tage später war ich dann tatsächlich in Hamburg. Dort wurden meine Maße genommen, ein paar Polaroids gemacht und dann wurde mir schon gesagt, dass ich zu den zehn Finalistinnen zähle (von ca. 4000 Bewerberinnen). Wow ! Meine Freude war groß, die Aufregung, was da kommen sollte, aber auch, denn ich bin normal keine Person, die gerne im Rampenlicht steht.

img1Drei Tage danach stand mir dann das Finale in Frankfurt bevor. Es gab erst ein Abendessen zum Kennenlernen der anderen Kandidaten. Alle groß und sehr dünn und einige hatten auch schon Modelerfahrung, was mich etwas eingeschüchtert hat. Am nächsten Tag hatten wir dann ein Shooting in einem riesengroßen Studio. Eine nach der anderen wurde durch professionelle Hair – und Make up Artists gestylt, bevor die Aufnahmen gemacht wurden. Ich war leider als Letzte von uns 10 Finalistinnen dran, sodass meine Geduld und Nerven sehr auf die Probe gestellt wurden, denn die ganze Zeit über begleitete auch noch ein regionales Fernsehteam das Finale. Ich persönlich hätte – wie bereits gesagt – nie gedacht, dass ich gewinne, aber genau das geschah. Die Jury, bestehend aus der Modelagenturchefin Heidi Gross, dem Leiter der Elite-Model-Agentur aus Paris und Vertreter des Katalogunternehmens, hatten mich gerade als Siegerin genannt, als ich auch schon das erste Fernsehinterview geben musste. Mein ,,Preis“ war ein Model – Vertrag bei Model-Management Hamburg und die Teilnahme am internationalen Finale in Prag vom Elite Model Look Contest, der weltweit größten Modelagentur mit Sitz in Paris, das im April stattfand. Das Überraschendste für mich in der nächsten Zeit war jedoch das große Medieninteresse an mir. (Oh Gott, wenn ich das vorher gewusst hätte!) Ständig kamen neue Anfragen für Interviews zum Beispiel ,,Frau im Spiegel“, „Radio Ton“ oder die regionalen Zeitungen. Bevor ich nach Tschechien reisen durfte, hatte ich noch einige Testshootings, mit denen ich meine Mappe aufbauen konnte, um mich bei Kunden vorstellen zu können.

Dann endlich war es soweit – ich flog nach Prag zum internationalen Finale. Doch ganz allein flog ich nicht – etwas Angst und Nervosität flogen mit und natürlich meine Mutter. Da die Mädchen aus der ganzen Welt kamen, war ich sehr beruhigt, dass ich mein Hotelzimmer mit einer Österreicherin teilen durfte und so Deutsch sprechen konnte. Ansonsten wurde während den zehn Tagen nur Englisch gesprochen, womit ich zum Glück keine größeren Probleme img1hatte. Jeder Tag war von morgens bis abends fest durchstrukturiert. Täglich standen Choreographietraining für die drei Durchgänge der Show, Fittings (Anproben), Shootings und Laufstegtraining auf dem Programm. Einen Tag hatten wir ,,frei“ und durften Prag in Pferdekutschen und zu Fuß erkunden – das jedoch nicht ohne unsere stets begleitenden Bodyguards und Fernsehteams.

Die Tage in Prag waren sehr anstrengend, da man immer unter Druck war und der Konkurrenzkampf täglich zunahm. Allerdings gab es auch schöne Momente. So zum Beispiel erinnere ich mich immer gerne daran, wie ich zusammen in unserem Hotelbett mit den Teilnehmerinnen aus Österreich, Bulgarien und Korea ,,Germanys next Topmodel“ geschaut und wir dabei heimlich Schokolade gegessen haben. Wir vier verstanden uns super und waren uns in den zehn harten Tagen eine starke Stütze. Auch jetzt haben wir teilweise noch Kontakt. Als die Finalshow dann endlich bevorstand, konnten wir zeigen, was wir in den letzten Tagen gelernt hatten. Vor tausend Zuschauern in einem großen vergoldeten Saal mit Catwalk und riesigen Videowänden gaben wir unser Bestes. Zu den „Top 3“ von den über 60 Mädchen gehörte ich leider nicht, dafür lernte ich den Sänger Graig David, der in der Show performte, kurz persönlich kennen. Nach der Aftershowparty ging es dann am nächsten Tag zusammen mit meiner Familie, die zum Finale angereist war, nach Hause, wo auch wieder Interviewanfragen, aber vorallem meine Freunde auf mich warteten.

In der Zeit nach dem internationalen Finale war ich immer mal wieder in Hamburg oder München für Testshootings (brauche ich für mein Modelbuch) – vorallem in den Ferien, da ich letztes Jahr meinen Realschulabschluss machte. Für meine Agentur steht die Schule auch an erster Stelle, trotzdem bekam ich immer wieder einmal Anfragen für Jobs, beispielsweise eine Woche auf Teneriffa für ein Modeunternehmen oder von Esprit. Castings, das sind bestimmte Termine, wo Kunden für einen speziellen Job ein Model suchen, habe ich auch gemacht. Das größte Casting, bei dem ich eingeladen wurde, war von Yves Saint Laurent, Jil Sander und Calvin Klein, wo die Vertreter extra aus Paris eingeflogen sind.

img1Beginnend durch die Sendung ,,Germanys next Topmodel“ ist das Thema „Model“ immer wieder in den Medien präsent, sodass viele Mädchen nur noch den Wunsch haben ein berühmtes Model zu werden. Ich für meinen Teil kann sagen, dass viele den Modeljob unterschätzen, denn als Model wird man nur aufs Äußere beurteilt – vergleichbar mit einer „lebenden Kleiderstange“. Dauernd muss man auf seine Figur achten, um den Ansprüchen der Kunden zu entsprechen. Leider ist das zurzeit immer noch so, dass zum Beispiel in den Modemetropolen bei den Fashion – Weeks fast nur Magermodels gebucht werden. Ich hoffe sehr, dass sich das irgendwann mal ändern wird, denn ein Magermodel werde ich auf keinen Fall. Einen Job zu bekommen ist auch so eine Sache, entweder man gefällt dem Kunden oder eben nicht. Das allein kann beispielsweise schon an der Haarfarbe scheitern, deswegen sollte man gut mit Kritik und auch mit Enttäuschungen umgehen können – was nicht immer einfach ist.

Wie die Modelgeschichte bei mir weitergeht, ist schwer zu sagen. Zum großen Durchbruch gehört auch sehr viel Glück. Ich wäre schon zufrieden, wenn ich nebenbei eventuell den einen oder anderen Job machen könnte, um so etwas nebenher zu verdienen.

Man wird sehen……

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