Was ist eigentlich gutes Benehmen? Für Lea war die Antwort offensichtlich: „Dass man am Tisch nicht schmatzt!“ Die Neunjährige besuchte wie dreizehn andere Teilnehmer zwischen neun und zwölf Jahren das Seminar ,Kochen und Knigge für Kids‘ in der Orangerie des Klosters Bronnbach. Unter der Leitung von Etiketteberaterin und Ratgeber-AutorinEva Ruppert erfuhren die Kinder spielerisch, wie man sich in den unterschiedlichsten Situationen richtig verhält. img1Denn die richtigen Umgangsformen sind auch heute eine nicht zu unterschätzende Kompetenz. Dabei legte sie insbesondere darauf großen Wert, dass die Kinder selbst erarbeiten, welches Verhalten angemessen ist und welches nicht. Denn die meisten Benimmregeln, so Eva Ruppert, kennen selbst die jüngsten Kursteilnehmer bereits aus ihrem Alltag.

Durch ,Teamwork‘ wird den Teilnehmern in lockerer Atmosphäre deutlich, dass Knigge mehr ist als eine veraltete Sitte, sondern einem jedem im täglichen Leben begegnet und hilft, ein angenehmeres Miteinander zu gestalten. Ebenfalls im Seminar enthalten: Ein Kochkurs, der sowohl das Verhalten in der Küche als auch die Manieren zu Tisch vermitteln soll.

img1Zu Beginn versammelten sich die sechs Jungs und acht Mädchen zu einer kurzen Kennenlernrunde. Gegenseitig stellten sich die Kinder vor: wie sie heißen, woher sie kommen und vor allem, welche Vorstellungen sie zum Thema ,gutes Benehmen‘ haben. Darauf wurde die Gruppe dem Alter entsprechend in zwei kleinere Arbeitsgruppen unterteilt, die Älteren begannen mit den Vorbereitungen des Essens, die Jüngeren trugen ihre Ideen zu einem höflichen Umgang miteinander zusammen. Die vagen Grundkenntnisse wurden dann von Trainerin Eva Ruppert aufgefasst und erweitert. An zwei großen Stellwänden wurden die Gedanken der Kinder schriftlich festgehalten – unter einem grünen Plus die Verhaltensweisen, die als richtig und höflich gelten, unter Minus jene, die man besser vermeiden sollte. Pupsen, zum Beispiel, da sind sich alle einig, muss unter das Minus. Doch zeigen sich auch erste Unsicherheiten: Ist es in Ordnung, Erwachsene zu fragen, ob man sie duzen darf? In diesen Momenten hilft die Expertin. Gemeinsam mit den Kindern übt sie die erste Begegnung mit einem Erwachsenen und mit Gleichaltrigen. Auch hier stellten sich die Teilnehmer viele Fragen. „Darf ich zu meinen Freunden auch ,Peace‘ sagen, anstatt ,Guten img1Tag?“, wunderte sich Nils und war sichtlich erleichtert, als Eva Ruppert das „völlig okay“ fand. Bald wurde es jedoch noch kniffliger: Was ist eigentlich mit ritterlichen Verbeugungen und Knicksen? Auch dort wusste die Fachfrau Rat und erklärte, dass in Deutschland mehr als ein sanftes Kopfnicken eher unüblich ist. In China jedoch bezeugt man dem Gegenüber bis heute Wertschätzung durch eine tiefe Verbeugung. Und wann ist es eigentlich in Ordnung, nach Knoblauch zu riechen? Auf jede Frage der Kinder wusste die Expertin eine Antwort.Unterstützt wurde sie dabei von Christine Schilling, Küchenchefin in der Bronnbacher Orangerie, die gemeinsam mit den aufgeregten Kursteilnehmern ein leckeres und gesundes Abendessen vorbereitete.Eine große Auswahl an frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Nudeln lag für die Teilnehmer bereit. Doch was ist nur ein Granatapfel? Zwischen Tomaten schälen, Knoblauch zerkleinern und Wasser aufkochen konnten die Kinder nebenbei jede Menge Fragen rund um das Thema „Essen“ stellen.

img1Auch hier kamen die Knigge-Lektionen nicht zu kurz: Hände waschen und einen Zopf tragen sind bei der Vorbereitung des Essens Pflicht. Mehrfach am Tag wurden die beiden Gruppen in Küche und Kursraum getauscht, sodass sich ein jeder Teilnehmer am Ende des Tages nach 4 Stunden lebensnahem Training als kleiner Koch- und Knigge-Experte bezeichnen konnte.
Die richtigen Manieren sind im Alltag nicht nur förderlich, sie werden sogar vorausgesetzt. Sie sind allgegenwärtig, und insbesondere bei Terminen wie Vorstellungs- oder Bewerbungsgesprächen wird stark auf ,manierliches‘ Auftreten geachtet. Höflicher und respektvoller Umgang miteinander wird hoch geschätzt. Kinder-Knigge-Kurse sind somit keine Seltenheit mehr. Der Nachfrage gehen auch immer mehr Schulen und Kindergärten nach, bieten Seminare zum Thema „Höflichkeit und gute Manieren“ an.

Teilweise jedoch auch zu – um es höflich auszudrücken – außergewöhnlichen Preisen, ob ein Fortbildungskurs für Unter-Zehnjährige mitunter tatsächlich im dreistelligen Bereich liegen muss, ist fraglich. Vor allem deshalb sollten Eltern sich gut überlegen, ab welchem Alter ein solches Seminar sich wirklich bezahlt macht.

ArtikelschreiberArtikel: Carolin Kaiser MailCarolin [dot] kaiser [at] ymail [dot] com