Schon bereits am Vorabend des Wettkampfes, nachdem man im Hotel des Wettkampfortes angekommen ist, steigt die innere Anspannung. Nach dem gemeinsamen Abendessen mit allen Fechtern und Betreuern des eigenen Vereins geht man auf sein Zimmer und bereitet die Klamotten und die Ausrüstung für den ersten Wettkampftag vor, da sich ein Turnier beim Fechten meistens über zwei Tage erstreckt.

img1Natürlich versucht man sich noch mit seinem Zimmerpartner zu entspannen, aber Gedanken über den nächsten Tag, auf den man sich viele Wochen vorbereitet hat, kann man natürlich nicht verdrängen.

Nach einer hoffentlich entspannten Nacht treffen sich morgens wieder alle vom Fechtclub Tauberbischofsheim gemeinsam zum Frühstück, bei dem meistens eine ruhige Stimmung herrscht, da man einerseits zumeist noch müde ist, andererseits natürlich nervös und angespannt.

Nach der Fahrt zur Wettkampstätte sucht sich jeder seinen Platz in der Halle und bereitet sich auf seine eigene Weise auf den Wettkampf vor. Ich höre meistens Musik und versuche mich noch mal einige Minuten zu entspannen, bevor die Aufwärmphase beginnt. Dann versucht man durch eine „knackige“ Aufwärmung und der Lektion, ein kurzes Einzeltraining mit dem persönlichen Trainer, seine Form erreicht zu haben, um sich dann noch durch kurze Gefechte mit anderen Fechtern seines Vereins auf Wettkampftemperatur zu bringen. Nach dieser „Einfechtphase“ höre ich meistens noch mal Musik und ziehe den Trainingsanzug über die Fechtkleidung, damit die Muskeln bis zum Beginn des Turniers auch warm bleiben. In dieser Phase ist die Nervosität und Aufregung am img1Höchsten, da die Gedanken nur noch um die Vorrunde und die Gegner, die man schon gesehen hat, kreisen. Ich versuche dann immer durch Atemübungen und kurze Konzentrationsphasen, die man bei der Psychologin in der Wettkampfvorbereitung erlernt hat, anzuwenden. Dadurch kann ich mich noch mal entspannen, bevor ich mich an die Fechtbahn begebe. Dort sieht man dann seine Gegner und den Schiedsrichter, der dann noch die Ausrüstung aller Fechter kontrolliert. Während meines ersten Gefechts ist die Aufregung sehr hoch und ich denke natürlich auch darüber nach, was wäre, wenn ich verlieren würde, was allerdings nicht sehr gut für die Konzentration und für das Gefecht selbst ist.
Nach dem ersten Gefecht ist die Aufregung eigentlich immer verflogen und die Freude auf die weiteren Gefechte überwiegt. Man beobachtet dann seine Gegner und spricht mit seinem Trainer, der seine Schüler an der Bahn unterstützt, Tipps gibt und natürlich auch eine kurze Analyse über das img1vergangene Gefecht macht. Je nachdem, ob das vorherige Gefecht gut oder eher schlecht verlaufen ist, dauert diese Analyse länger.

Durch die Vorrunde kann und sollte man sich durch möglichst viele gewonnene Gefechte eine gute Ausgangsposition verschaffen. Dann beginnt die K.O.- Runde. Dies ist für mich auch immer eine Phase mit großer Anspannung. Denn man kennt seine Gegner und ficht gegen eine lieber als gegen andere. Während der K.O.- Runde ist die Betreuung durch den persönlichen Trainer sehr wichtig. Einerseits gibt er viel Sicherheit, wenn man weiß, dass man jemanden hinter sich stehen hat, andererseits gibt es zwei kurze Pausen von jeweils einer Minute, die man in allen Gefechten gut gebrauchen kann, um mit dem Trainer Rücksprache zu halten und sich natürlich auch kurz auszuruhen.

img1Während der K.O- Runde, in der man auf 15 Treffer ficht, ist die Anstrengung enorm hoch und man muss zwischen den Gefechten seinen Energiespeicher so gut wie möglich wieder füllen, um im nächsten Gefecht wieder Topleistung bringen und sich zu 100% konzentrieren zu können. Zudem muss man sich warm halten und wieder aufwärmen, da es auch sein kann, dass Pausen von bis zu zwei Stunden entstehen. Je weiter man in den vorderen Bereich kommt, gegen desto stärkere Gegner muss man antreten. Damit steigt auch wieder die Nervosität und vor allem auch die Emotionen, die beim Fechten eine große Rolle spielen. Nach gesetzten Treffern wird die angesammelte Wut oder auch Anspannung herausgeschrieen, was zudem auch den Gegner einschüchtern soll.

Wenn man im Finale steht und dieses auch gewinnen kann, ist man einfach nur froh und überwältigt. Dieses Gefühl entschädigt für die vielen Stunden und die großen Anstrengungen, die man im Training aufbringen muss. Erst dann bemerkt man eigentlich, wie viel Anspannung von einem abfällt und die große mentale und körperliche Erschöpfung, die sich im Körper ausbreitet. Das Glücksgefühl, das man nach einem Turniersieg empfindet, ist aber bedeutend größer.


ArtikelschreiberArtikel: Anne Sauer Mailsauerchen_anne [at] web [dot] de