img1Über das Internet kam ich zufällig auf die Seite von IBG (Internationale Begegnungen in Gemeinschaftsdiensten; www.IBG-workcamp.org), eine große Datenbank mit Angeboten von Workcamps auf der ganzen Welt.
Ziel der Organisation ist die eigene Meinung über andere Nationen, die im Alltag entstehen, mit dem direkten Kontakt mit fremden Menschen zu ändern und Vorurteile abzubauen, ebenso das Engagement an einem gemeinnützigen Projekt mitzuarbeiten, um am Ende auf eine beachtliche Gemeinschaftsleistung zurückzublicken.

Eine kurze Bewerbung genügte und schon nach ein paar Wochen bekam ich die Bestätigung, dass ich für ein Workcamp in Finnland angenommen wurde.
Nun musste ich mich nur noch um die Anreise kümmern. Unterkunft und Verpflegung sind in einem Workcamp kostenlos. Die einzigen Kosten, die entstehen, sind die Reisekosten.
Ein paar Wochen vor Campbeginn bekommt jeder Teilnehmer von der Campleitung ein Info-Sheet zugeschickt. Hier sind die wichtigsten Informationen über das Arbeitsprojekt, die Unterkunft, die Verpflegung und Tipps für die Packliste aufgezählt. Von IBG wurde auch noch ein kostenloses Vorbereitungsseminar angeboten, welches sehr zu empfehlen ist, weil man dort noch sehr nützliche Tipps erhält.

img1Am 29.07. startete meine Reise. Mit dem Flugzeug ging es von Frankfurt über München und Helsinki nach Oulu. Mit dem Bus weiter in das Stadtzentrum zum Bahnhof, dort wartete schon mein Zug zu meinem Reiseziel „Ylivieska“. Nach einer 16-stündigen Reise kam ich völlig erschöpft am Bahnhof an. Empfangen wurde ich von der Campleitung und schon einigen angereisten Campteilnehmern. Insgesamt waren wir 15 Leute aus 9 unterschiedlichen Ländern (Österreich, Spanien, Italien, Frankreich, Korea, Griechenland, Ukraine, Serbien-Montenegro und Deutschland).
Unsere Unterkunft war ein finnisches Holzhaus mitten im Wald an einem See. Die 10 Mädels schliefen zusammen unter dem Dach. Die Jungs bewohnten ein kleines Zimmer neben der Küche (aus mehr bestand das Haus auch nicht!). Als Dusche benutzen wir aufgewärmtes Wasser in der Sauna oder den See. Ein Plumpsklo, 100 m hinter dem Haus, fungierte als Toilette.

Zur Arbeitsstätte brauchten wir ca. 15 Minuten mit dem Auto. Der Arbeitstag startete ca. 08:00 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Unsere Aufgabe war es eine Art Gemeindehaus zu streichen. Die Arbeit selbst war nicht sonderlich anstrengend, wer eine kleine Pause brauchte, konnte dies jederzeit tun. An verregneten Tagen putzen wir die Fenster oder räumten einen Schuppen aus. Außerdem mähten wir den Rasen, bauten uns Holzgerüste zum Streichen und brachten die Putzkammer wieder auf Vordermann.

Zusätzlich wurden wir in 3er Gruppen eingeteilt und hatten jeden Tag einen anderen zusätzlichen Aufgabenbereich zu erledigen: Küchen-, Sauna- oder Putzdienst.
Als Küchendienst waren wir von den Streicharbeiten natürlich freigestellt. Jedes Küchenteam konnte selbst entscheiden, was es zu Essen gab, und so hatten wir Gerichte aus allen anwesenden Ländern. Es gab von der original img1italienischen Pasta bis hin zum koreanischen Reisgericht alles, was man sich vorstellen kann. Satt wurde jeder!
Die Campsprache war Englisch und spätestens beim Kochen merkt man doch, dass das normale Vokabular nicht ganz ausreicht.

Jeden Abend nach dem Arbeiten wurden, wie es in Finnland üblich ist, die Saunen aufsgewärmt. Da wir keine Dusche hatten, benutzen wir das aufgewärmte Wasser aus der Sauna. Hier saßen wir oft mehrere Stunden zusammen und unsere finnischen Campleader erzählten uns von den Traditionen und Bräuchen. Zwischen den Saunagängen nahmen wir ein Bad im kalten See und genossen die hellen Nächte. Da es im Sommer in Finnland nie richtig dunkel ist, kann ein Blick auf die Uhr ziemlich überraschend sein! Nach der Sauna saßen wir noch lange am Lagerfeuer und genossen die Stille.

Am Ende der zwei Wochen hatten wir unser Arbeitsziel erreicht und konnten zufrieden abreisen. Als Überraschung organisierten unsere Campleader und dessen Freunde ein Abendessen für uns. Traditionell gab es Rentier mit Kartoffelpüree. Abends wurde dann noch ordentlich gefeiert, so dass jeder am Abreisetag mit einem flauen Gefühl im Magen Richtung Heimat reiste!

Am Ende kann ich sagen, dass ich einen wunderbaren Urlaub erleben durfte. Nebenbei habe etwas Sinnvolles getan. Ich war als Gast in einem Land und habe von Einheimischen ihr Land und ihre Traditionen gezeigt bekommen, wie ich es als normaler Tourist nicht hätte erleben können. Außerdem habe ich neue Freunde auf der ganzen Welt gefunden.

ArtikelschreiberArtikel: Charlotte Hitzfelder MailCharlotte_Hitzfelder [at] web [dot] de