Der Begriff „Mobbing“ existiert bereits seit über 40 Jahren. Er wurde 1963 von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt. Lorenz bezeichnete damit Gruppenangriffe von mehreren Tieren auf einen überlegenen Gegner.
Etwas später, im Jahr 1969, verwendete der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann den Begriff für das Verhalten einer Gruppe gegenüber einer von der Norm abweichenden Person.
Von Mobbing spricht man heute, wenn eine Person, die unterlegen ist, über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch schikaniert wird. Dabei wird diese Person auch immer sozial ausgegrenzt und die Schikanierungen steigern sich.
Das Wort „Mobbing“ selbst stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt: jemanden angreifen, anpöbeln oder bedrängen.
Laut einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg aus dem Jahr 2009 zum Thema Mobbing an Schulen waren 55 Prozent aller befragten Schüler entweder Opfer (37,2 %) oder Täter in Mobbing-Situationen. 15 Prozent gaben an, körperliche Gewalt gegen Mitschüler eingesetzt zu haben. Im Rahmen der Studie wurden 1800 Schüler an 10 weiterführenden Schulen aller Formen befragt.
Laut einem Artikel des Spiegel unterscheidet man dabei zwischen drei Arten des Mobbing:
Mobbing durch körperliche Gewalt wie Verprügeln, Sachbeschädigung, Nötigung usw.
Verbales Mobbing: Schüler werden wegen ihres Verhaltens, ihres Aussehens oder ihrer Kleidung mit spöttischen Bemerkungen belegt. Dies geschieht auf dem Schulhof, in der Pause, aber auch im Unterricht vor den Augen von Mitschülern oder Lehrern. Auch oder gerade Mobbing durch Lehrer zählt hierzu. Bemerkungen wie „du wirst das nie verstehen“ oder auch das spöttische Verdrehen der Augen im Falle einer falschen Antwort treffen gerade unsichere Schüler nachhaltig.
Das stumme Mobbing: Stillschweigendes Verachten, links liegen lassen oder das Ausschließen aus der Klassengemeinschaft sind subtile und besonders demütigende Formen des Mobbings.
Diese beschriebenen Angriffe eskalieren zunehmend:
1. Angriffe auf die Möglichkeit sich mitzuteilen (abfällige Blicke, Gesten und Bemerkungen, Beleidigungen, anschreien, beschimpfen, lächerlich machen, imitieren von Sprache und Gang)
2. Angriffe auf das Ansehen und die sozialen Beziehungen (schlecht über die betroffene Person sprechen, Kommunikation verweigern, Gerüchte verbreiten, Ausgrenzung, Infos vorenthalten, nicht von ihm ansprechen lassen, Sachen verschwinden lassen)
3. Angriffe auf Lebensqualität und Gesundheit (Erzwingung von Handlungen und materieller Leistungen, drohen, bespitzeln, Terror, Folter, körperliche Misshandlung)
Eine neuere Form des Mobbings ist das „Cyber-Mobbing“. In diesem Fall gehen die Pöbeleien und Beleidigungen über die Schule hinaus. Das elektronische Kommunikationsmittel Internet wird jetzt als Angriffsfläche genutzt. Klassenkameraden haben so die Chance, Mitschüler auch außerhalb der Schule anzugreifen.
So genannte „Chatrooms“ bieten die perfekte Möglichkeit für Schüler, anonym gegen andere Schüler vorzugehen. Auch die Hemmschwelle fällt, was man sich nicht traut dem anderen ins Gesicht zu sagen, kann nun durch das Internet übermittelt werden.
Wer sowieso in der Schule schon gemobbt wurde, war froh zu Hause einen Rückzugsraum zu haben. Doch mit Hilfe des Internets gehen die „Mobbing-Attacken“ nun auch zu Hause weiter. Täter können in ansonsten sichere Bereiche eindringen und es dem Opfer somit erschweren zur Ruhe zu kommen und Kraft zu schöpfen, der Täter ist allgegenwärtig.
Ein typisches Beispiel für „Cyber-Mobbing“ ist, dass sich mehrere Schüler zu einer Gruppe zusammen schließen und via Internetportal auf einen Schüler los gehen. So werden etwa Beschimpfungen in das virtuelle Gästebuch eingetragen oder private Fotos bzw. Videos veröffentlicht.
Es gibt verschiedene Auslöser für dieses verletzende Verhalten gegenüber einem Mitschüler. Der Leistungs- und Konkurrenzdruck ist sehr hoch unter den Jugendlichen. Wer hat die besseren Noten, wer die teureren Markenklamotten, wer ist beliebter, wer hat die meisten Freunde.
Viele Schüler können diesem permanenten Druck nicht standhalten, sich nicht wehren, da sie von den anderen nicht ernst genommen werden. Sie stellen in den Augen der stärkeren Schüler ein leichtes Opfer dar.
Oft ist das Problem aber auch bei den Angreifern zu suchen. Sie verfügen über ein geringes Selbstwertgefühl und fühlen sich nur dann mächtig, wenn sie andere erniedrigen oder durch Mobbinghandlungen versuchen ihre momentane Machtposition zu erhalten.
Die Täter können sich gut durchsetzen und brauchen die Anerkennung durch Gleichaltrige, weil sie von den Erwachsenen keine Aufmerksamkeit oder nur mangelnde Zuwendung erhalten. Ein weiterer Grund kann sein, dass es einen ungelösten oder ungerecht gelöst empfundenen Konflikt gibt und dieser nun nicht mehr sachlich, sondern persönlich ausgetragen wird.
Mobbing kann schlimme seelische wie auch körperliche Folgen für das Opfer haben.
Mögliche Folgen eines Mobbingangriffs: Isolation, Verweigerung des Schulbesuches, Verschlechterung der schulischen Leistungen, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwächen.
Signale, die ein Mobbingopfer an seine Umwelt sendet, sind zum Beispiel: erzählt nichts mehr aus der Schule, kaum noch Kontakte, unternimmt nichts mehr, geht Umwege zur Schule, krank, an bestimmten Wochentagen krank, vermeidet außerschulische Veranstaltungen, niedergeschlagen, unerwartet aggressiv, klaut Geld, will Schulwechsel.
Mobbingopfer schämen sich und suchen die Schuld bei sich. Viele Jugendliche bleiben dann mit ihren Problemen alleine, da sie sich nicht trauen, sich einem Erwachsenen oder einem Lehrer anzuvertrauen, aus Angst vor weiteren Übergriffen.
Man unterscheidet zwischen dem passiven und dem wehrhaften Opfer.
Das passive Opfer ist meistens psychisch schwach, ängstlich und unsicher, es hat wenig Selbstvertrauen und wenige Kontakte, evtl. hat es auch ein provozierendes Anderssein, dieses Opfer bleibt in seiner Opferrolle und lässt alles über sich ergehen und isoliert sich zunehmend; ein anderer Opfertyp ist das wehrhafte Opfer, welches selbst leicht erregbar ist und auch Anerkennung bei Gleichaltrigen sucht, für den Täter eine ernsthafte Konkurrenz darstellt; diese Personen versuchen die Opfersituation zu verlassen, indem sie Verbündete suchen und zum Gegenangriff starten.
Auch Freunde des Opfers stellen sich oft auf die Seite der, wie es scheint „stärkeren“ Schüler. Denn auch sie haben Angst irgendwann das nächste Opfer zu sein. Sie werden zu Mitläufern. Diese sind sowohl befürwortende Anhänger (unterstützen Täter aus Sympathie oder weil sie das Opfer nicht mögen) oder schweigende Mehrheit (nehmen es wahr, sagen aber nichts, schwanken zwischen Mitleid und Antipathie gegenüber Opfer, schwanken zwischen Sympathie und Angst zum Täter)
Doch Mobbing traumatisiert nicht nur die Opfer, sondern die Täter lernen dadurch, dass ihre Taten in Ordnung sind und sie können diese rechtfertigen und legalisieren. Dadurch entsteht eine Grundhaltung in der Klasse, die konstruktive Konfliktlösung lähmt und Aggression und Gewalt begünstigt.
Viele Lehrer sind blind für diese Gewaltakte, sie wollen nicht sehen, dass so etwas an „ihrer“ Schule möglich ist. Eltern wissen oft nicht weiter, sie sind hilflos.
Doch die Opfer kommen meist nicht selbst zu den entsprechenden Erwachsenen.
Lehrer oder Eltern sollten die betroffenen Schüler ansprechen. Opfer müssen geschützt, Täter zur Rede gestellt werden. Auch Anlaufstellen wie Schulpsychologe oder Schulsozialarbeiter sollten zu Rate gezogen werden.
Erste Hilfe bei Mobbing:
1. Aufschreiben, was mit wem, wann und wo passiert ist (gibt dem Opfer später Sicherheit)
2. Mit jemandem darüber sprechen
3. Mobbing verursacht Stress und Betroffene fühlen sich niedergeschlagen. Man sollte versuchen durch Sport oder andere Freizeitbeschäftigungen diese Spannungen abzubauen.
4. Reduzieren der Angriffsfläche, indem man sich nicht verwundbar machen lässt.

ArtikelschreiberArtikel: Sarah Ricken Mailsarah_333 [at] web [dot] de