img1Unter den Begriffen Drogen- oder Spielsucht dürfte sich jeder etwas vorstellen können. Doch was ist eigentlich Onlinesucht? Bis zu welchem Punkt spricht man noch von Interesse für das Medium Internet und ab wann handelt es sich um eine richtige Sucht? Wie auch Spielsucht wird die Onlinesucht, im Gegensatz zur Drogensucht, zur Gruppe der „nicht stoffgebundenen Störungen“ gezählt. Von der Onlinesucht gefährdet sind Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und gesellschaftlicher Schichten, wobei labile Menschen leichter von der Sucht befallen werden als stabile, selbstsichere Menschen, die voll im Leben stehen.
Eintauchen in neue Bildwelten, bunte fröhliche Farben, Vergessen der Zeit, Vergessen der Umwelt, Vergessen des Alltages, Entfliehen in eine andere Welt. Welcher moderne Jugendliche kennt das nicht? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, für jeden Geschmack gibt es die verschiedensten Beschäftigungen im endlos erscheinenden Internet! Chatrooms, Unterhaltungen mit Freunden, Fernsehen, Telefonate, Onlinerollenspiele, Downloads, Foren, Mode, Einkaufen, Videos, Musik, was das Herz begehrt. All das ist nur wenige Mausklicks entfernt. Wen wundert es da noch, dass mehr und mehr Jugendliche zur heutigen Zeit einen großen Teil ihrer Freizeit im Internet verbringen? Doch nicht nur Jugendliche sind in den Bann des Internets gezogen, auch viele Erwachsene verbringen viel Freizeit vor dem Computer. World of Warcraft, Partyfans, Guildwars, Tauschbörsen, ICQ, Skype, ebay, YouTube. Was für manch ältere Generationen Fremdwörter sind, sind für viele Menschen quasi ein neues Zuhause. Stundenlang wird auf den verschiedensten Internetseiten gesurft und gespielt. Als moderner Jugendlicher kann man es sich schließlich nicht leisten, nicht up-to-date zu sein, nicht den neuesten Film gesehen zu haben, nicht den neuesten Stand der Technik und Mode zu kennen.
img1Doch im Kontrast zu all diesen schönen Effekten des Internets stehen die wohl bekannten, jedoch zum Teil verkannten und verdrängten Folgen! Übermüdete Schüler oder Arbeitnehmer in der Schule oder am Arbeitsplatz, Verlust des Bezugs zur Realität, Flucht aus der sozialen Gesellschaft, Verlust des Jobs, Marodieren der schulischen Leistungen, oder gar Tod und Koma nach tagelangem Surfen oder Zocken!
Freilich denken sich nun viele: „Das sind Freaks, so bin ich nicht, das geht mich nichts an!“ Doch was ist der Grund für solche Auswirkungen? Inakzeptanz in der Schule oder am Arbeitsplatz, Ablehnung der Gesellschaft und Mobbing treiben viele dieser „Freaks“ in das gesellschaftliche Abseits. Sie ziehen sich mehr und mehr aus dem normalen Leben zurück, verbringen mehr und mehr Zeit isoliert zu Hause, trauen sich kaum mehr nach draußen. Die Chance eines „neuen Lebens“, einer neuen Identität und Akzeptanz finden diese Menschen oftmals im Internet. Sie können sich frei und unbeobachtet bewegen, finden neue „Freunde“ und sind nicht an ihre natürlichen Fesseln, wie etwa unattraktives Aussehen, Schüchternheit oder Fettleibigkeit gebunden. Im Internet sind sie der Mensch, als den sie sich ausgeben. Sie können beispielsweise in diversen Onlinerollenspielen wie World of Warcraft ein hohes Level erreichen und im Gegensatz zum normalen Leben auch einmal „cool“, gut aussehend, groß und stark sein. Andere sind auf sie angewiesen und haben Respekt vor ihnen. So erhalten sie, was sie im normalen Leben nicht kriegen: Bestätigung, Zuneigung, Respekt und Ansehen.
img1Die Freuden und Qualitäten des realen Lebens werden vollkommen vergessen, das Internet ist die neue Welt, in der sie leben. Während andere etwas mit ihren realen Freunden unternehmen und das echte Leben genießen, sitzen viele sog. „Onlinesüchtige“ zu Hause vor ihrem Computer und beschäftigen sich mit virtuellen Freunden. Lebensqualitäten wie beispielsweise Wahrnehmung und Genuss mit allen Körpersinnen, Freunde zum Anfassen, Party, Weggehen, Spaß auch am Arbeitsplatz, Selbstzufriedenheit und Erfolg werden nicht mehr oder nur virtuell erlebt. Das mag vielleicht erschreckend klingen, doch der eine oder andere wird sich jetzt doch eventuell in irgendeiner Weise angesprochen fühlen.
Ist es denn nicht lohnenswert, persönliche Schwächen zu überwinden? Wäre es nicht sinnvoll, Akzeptanz gegenüber deren zu üben, die sich nicht nach der neuesten Mode, Technik und anderem Konsumwahn richten wollen oder können? Könnte man nicht versuchen, Mobbing zu vermeiden und Außenseiter zu integrieren anstatt sie noch weiter auszugliedern? Alle Menschen sind gefordert, den Versuch zu starten, jene Menschen, die vom Onlinewahn betroffen sind, vor dem „Abdriften“ in die Scheinwelt Computer zu bewahren und ihnen Wege zum Wiedereinstieg in das reale Leben zu offenbaren!

Adressen zur Suchtberatung:
http://www.online-sucht.de/website.php
http://www.onlinesucht.de/hilfsangebote.html
http://www.spielsucht-therapie.de/spielsucht/onlinesucht.html

ArtikelschreiberArtikel: Leo Herbst

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Bilderquellen:
http://www.joe-ks.com/archives_jan2005/CompuGuy.jpg
http://www.unipublic.unizh.ch/magazin/gesundheit/2001/0081/
http://www.welt.de/multimedia/archive/00324/cn_warcr_DW_Politik_324908g.jpg