Amoklauf- ein Problem der gesamten Gesellschaft

Verärgerte, enttäuschte und sozial abgeschiedene Jugendliche, die ihre Freizeit alleine, nur mit Computerspielen verbringen und einen starken Drang nach Waffen haben, das ist die Vorstellung eines potenziellen Amokläufers in unserer Gesellschaft. Bei den Amokläufen in Winnenden, Emsdetten und Erfurt zeigte sich, dass die späteren Täter alle so genannte “ Killerspiele“ gespielt haben. Doch haben Computerspiele und Musik wirklich einen so hohen Einfluss auf die späteren Amokläufer gehabt?

Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für eine solche Tat, darin sind sich Experten, Psychologen und Pädagogen einig. Jedoch können bestimmte Computerspiele die Hemmschwelle, eine Gewalttat auszuführen, bei einem ohnehin schon Amoklauf gefährdeten Jugendlichen herabsetzen. So können Computerspiele ein zusätzlicher Auslöser für eine solche Tat sein, jedoch sind sie wohl eher ein kleiner Faktor unter vielen Ursachen für einen Amoklauf. Doch warum begeht ein junger Mensch solch eine grausame Gewalttat?

img3Die Gründe, warum jemand zu so etwas fähig sein kann, sind multifaktoriell. Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Jugendlichen, die eine solche Tat begehen, sind verzweifelt. Es sind Sorgen einer jungen Generation, die sich in der Familie, bei Freunden, in der Schule oder in der Gesellschaft nicht anerkannt fühlt. Ihnen wird zu wenig Freiraum zur Selbstentfaltung gelassen und sie fühlen sich von ihren Mitmenschen eingeengt, unverstanden und verletzt. Daran sind nicht die Computerspiele oder die Computerspielindustrie schuld, sondern unsere gesamte Gesellschaft. Das Problem sind nicht die nichtvorhandenen Jugendschutzgesetze, es ist vielmehr das Problem, dass sie niemand überwacht. Wie kann es sein, dass ein Jugendlicher ohne Probleme an Waffen und Munition kommt? Dies ist sicherlich auch eine Frage, die sich Politiker und die Öffentlichkeit stellen müssen. Diese versuchen jedoch die Schuldigen woanders zu finden, zum Beispiel in der Computer- oder Musikindustrie. In den Fokus der Medien gerät dabei vor allem der angeblich jugendgefährdende Einfluss von Rap-Musik. Musiker, wie der Reutlinger Rapper Kaas, der in seinem Song „Amok Zahltag“ den Amoklauf eines frustrierten 17- Jährigen an einer Schule beschreibt, werden von den Medien als gewaltverherrlichend eingestuft, ohne sich dabei mit den Beweggründen der Künstler oder dem eigentlichen Sinn der Musik auseinander zu setzten. Die Künstler wollen lediglich die Einsamkeit und Verzweiflung der jungen Generation darstellen, denn Rap-Musik ist seit jeher ein Seismograph für eine unverstandene Jugend.

Aber die Fragen gehen weiter, wie kann es sein, dass ein Jugendlicher über längeren Zeitraum durch aggressives Verhalten auffällt und niemand etwas dagegen unternimmt? Dies ist hauptsächlich Aufgabe der Eltern und Lehrer. Die Aufgaben der Eltern sind es, sich mit den Kindern zu beschäftigen, sich mit ihnen zu unterhalten und auch auf sie aufzupassen. Nur so ist es Eltern oder auch Lehrern möglich einzugreifen, wenn sie aggressives und merkwürdiges Verhalten bei den Kindern feststellen. Die Eltern sollten sich auch darüber informieren, welche Spiele ihre Kinder spielen oder welche Musik sie hören und ob diese ihnen altersgerecht erscheinen. Auch braucht unser Land mehr Organisationen, die sich mit den Problemen der Jugendlichen beschäftigen. Die Schulen brauchen mehr Psychologen zur Betreuung der Kinder und zur Unterstützung der Lehrer. Eltern und Lehrer brauchen professionelle Ansprechpartner, da sie oftmals mit der Erziehung der Kinder überfordert sind. All diese Maßnahmen sind notwendig, um Amokläufe in der Zukunft zu verhindern und um zu begreifen, dass nicht die Computerspiele oder die Musik, sondern unsere gesamte Gesellschaft dafür Verantwortung tragen muss, wenn Jugendliche solch grausame Taten begehen.

ArtikelschreiberArtikel: Jakob Grethe Mailjakob [at] grethe [dot] de
 

 

 

 

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