Sinnvolle Ansätze, damit die Bildung vorankommt

Nicht nur das schlechte Abschneiden bei der PISA- Studie wirft die Frage auf, ob unser Bildungssystem in Deutschland eine Grunderneuerung benötigt. Das deutsche Bildungssystem ist häufig Gegenstand politischer Debatten. Aber was genau muss sich verändern, damit die Bildung in unserem Land vorankommt?
Viele Dinge können durch den Staat und die Regierung in Form von Investitionen und Neustrukturierungen bewegt werden.
Eine Neustrukturierung und ein Umdenken sollte es dahingehend geben, dass das Bildungssystem vereinheitlicht wird und nicht mehr Sache der Bundesländer sein sollte. Bundesweit sollten gleiche Bedingungen für die Schüler geschaffen und somit Lehrpläne und Abschlüsse vereinheitlicht werden. Dies würde es vor allem den Familien erleichtern, die von einem Bundesland in ein anderes umziehen und dort vollkommen neue Lebensbedingungen und Lehrpläne vorfinden.
Ein weiterer Punkt, der in unserem Bildungssystem verbessert werden muss, ist die frühe „Selektierung“ in jungen Jahren. Schüler können nach vier Schuljahren auf der Grundschule von ihren Lehrern nicht angemessen beurteilt werden, um sie so auf einen der drei Schultypen verteilen zu können. Besonders arme Kinder, ausländische Kinder oder Kinder mit Behinderungen müssen unter dieser frühen Aufteilung leiden.
Auch sollten weniger Schüler in einer Klasse unterrichtet werden, um eine individuelle Betreuung durch die Lehrkräfte möglich zu machen. Dadurch könnten sich die Schüler öfter in den Unterricht einbringen, um ihre Stärken auszubauen und durch die Einzelbetreuung könnten sie Schwächen schon früh erkennen und daran arbeiten. Um dies durchsetzen zu können, müsste der Staat mehr Lehrpersonal einstellen. Dies bedeutet mehr Investitionen in die Bildungspolitik. Mit diesem zusätzlichen Geld könnte man auch die Schulen sinnvoll und besser ausstatten.
img1img1In einigen Schulen wird zwar Geld für teure Activboards ausgegeben, was an sich eine gute Investition ist, aber gleichzeitig wird vom Staat kein Geld bereitgestellt, um von Schimmel befallene Wände zu renovieren.

Viele Schulen sind in katastrophalen Zuständen, alte, brüchige, vom Einsturz gefährdete Gebäude, bei denen man nicht weiß, ob die Schüler dort überhaupt noch sicher sind. Auch die Ausstattung lässt in vielen Schulen zu wünschen übrig, kaum eine Schule hat eine Schulbibliothek und die meisten verfügen über viel zu wenig SchulPCs.
Ein weiterer Aspekt, der im Bildungssystem kritisiert werden kann, ist, dass die Identifikation der Schüler mit ihrer Schule in Deutschland vollkommen fehlt. Die Schule sollte mehr Identifikationsmöglichkeiten bieten, es sollten mehr Freizeitaktivitäten angeboten werden, Sportgruppen, AG’s, Schulchöre, wie das zum Beispiel in den USA oder in England der Fall ist. Die Schule muss einen Ort darstellen, an dem sich die Schüler wohl fühlen.
Dies ist jedoch nur möglich, wenn sich genügend engagierte Lehrer und Schüler dafür einsetzen, dass so etwas ins Leben gerufen werden kann.
Hier sind wir jedoch bei einem weiteren Problem. Im deutschen Schulsystem werden gute Lehrer nicht belohnt und schlechte Lehrer nicht bestraft. Die Leistung der Lehrer und außerunterrichtliches Engagement lohnen sich kaum. Im Gegenteil, wer zu engagiert zu Werke geht, wird von den Kollegen oft sogar ausgegrenzt. Deshalb gilt es die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima zu verbessern.
Auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern spielt eine wichtige Rolle.
Jeder Lehrer sollte in der Lage sein, seine Schüler individuell zu unterstützen. Auch ist es wichtig, ein gutes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern aufzubauen. So ist es für die Lehrer leichter, Schülerprobleme zu verstehen und mit ihnen umgehen zu können. Es ist natürlich sehr schwer für einen Lehrer sich mit jedem Schüler zu beschäftigen, jedoch ein Grundinteresse sollte bestehen und durch die oben genannten zusätzlichen Lehrkräfte wäre individuelle Betreuung eher vorstellbar.
Von Seiten der Schüler sollte eine größere Wertschätzung des Bildungsangebots stattfinden, denn viele Schüler halten es für selbstverständlich in die Schule gehen zu können. Sie vergessen dabei, dass es durchaus Länder gibt, in denen nur wenige Kinder zur Schule gehen können, und dass man Schule als Privileg ansehen sollte und nicht als Selbstverständlichkeit.
Ebenfalls haben die Eltern eine große Verantwortung. Sie müssen mehr Interesse an dem Schulleben ihrer Kinder zeigen und sich mehr engagieren. Vor allem in den Anfangsjahren ist es wichtig sich mit den eigenen Kindern und den Lehrern auszutauschen und Interesse zu zeigen. Auch ist es wichtig bis zu einem gewissen Alter den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, falls sie Hilfe benötigen und auch zu kontrollieren, ob sie diese regelmäßig machen. Jedoch muss dabei beachtet werden, dass die Eltern nicht zu viel Leistungsdruck auf die Kinder ausüben, denn das schadet ihnen ungemein. Auch steht die Motivation der Kinder im Vordergrund und nicht die Kritik.
Das Bildungssystem hat nicht nur schlechte Seiten, jedoch gibt es mehrere Aspekte, in denen man es verbessern kann. Es wäre schade, wenn die nötigen Schritte ausblieben, denn das wichtigste Gut, das ein rohstoffarmes Land wie Deutschland besitzt, ist die Bildung unserer Kinder.

ArtikelschreiberArtikel: Jakob Grethe Mailjakob [at] grethe [dot] de

ArtikelschreiberFotos: Jakob Grethe