img3Die ersten Vorveranstaltungen stehen an. Alle Schülerinnen und Schüler stellen sich langsam aber sicher darauf ein, dass es ab dem nächsten Jahr ans Eingemachte geht. Doch erst jetzt wird man sich bewusst, wie schwierig es eigentlich wird. Das Abi steht vor der Tür, auch wenn man noch zwei Jahre darauf hinbüffeln muss. Doch nicht nur das eigentliche Abi lässt den Schüler zittern. Nein, auch die Angst, dass man trotz Abitur nicht gut genug ist, lässt die Zähne bibbern. Gerade im Abiturjahrgang 2012, in dem gleich zwei Jahrgänge ihr Abi schreiben dürfen, wird es für den Einzelnen eng. Doppelt so viele Schüler, doppelt so viel wird gefordert, doppelt so viel wird auf Noten und Durchschnitte geachtet. Keine rosigen Aussichten für die Zukunft. Es wird nicht nur verlangt, das Abi zu schaffen, denn das wird gerade im Jahrgang 2012 nicht reichen. Ein neues System musste her. Es stellt sich in vielerlei Hinsicht die Frage nach dem „Warum“ und dem Zweck. Bilanz aus eigener Erfahrung ist eher, dass das neue, hoch gepriesene System zum Scheitern verdammt war. Die Schülerinnen und Schüler müssen büffeln, büffeln, büffeln und zwar so, dass sie dazu fähig sind, schon in der „12. Klasse“ ihr Abi zu schreiben. Sie lassen einige Themen aus, welche jedoch trotzdem gefordert werden. Sie müssen mehr und noch mehr zu Hause lernen, um sich dann schließlich auch im Schulalltag mit den Mitschülern messen zu können. Der Abiturjahrgang 2012 heißt für die ersten „G8-ler“ Abitur mit jenen, die das Gymnasium herkömmlich mit neun Jahren bestritten haben. Wer da nun im Vorteil ist, steht jedoch in den Sternen. Klar ist auf jeden Fall, dass die G9er in ihrer zwölften Klasse mit den Jahrgangsjüngeren und bis dato fremden Schülern in eine Klasse geworfen werden, um dann mit diesen in deren dreizehnten Klassen das Abitur zu bestreiten. Für die Schüler, die neun Jahre das Gymnasium besuchen, gibt es img3keinen Trost, sie sind die klaren Verlierer. Sie müssen sich noch mehr anstrengen, um sich gegen die Jüngeren durchsetzen zu können. Ob man jedoch von Gewinner und Verlierern sprechen kann, ist die Frage, schließlich ist bei genau diesem Abijahrgang keiner der beiden zu finden. Sowohl die G8er als auch die G9er stehen vor einem Extremabitur, bei welchem am Ende nur der Numerus clausus steht und nicht das eigentliche Abitur. Für beide Jahrgänge wird es extrem schwierig, nach der Schule einen Studien- oder Ausbildungsplatz zu finden. In den Medien und der Politik wurde vorher groß angekündigt, dass es bald zahlreiche neue Studienplätze geben würde, doch viel hat sich noch nicht getan. Frust macht sich breit. Schüler haben Angst, Eltern und vielleicht auch die Lehrer. Die große Frage ist „Abi 2012 und dann?“ – die Antwort scheint schwer. Wenn kein Studienplatz zu finden ist, vielleicht das Ausland oder ein freies soziales Jahr. Aber wird es dann in einem Jahr besser? Schließlich haben auch andere Bundesländer als Baden-Württemberg das G8-System an Gymnasien eingeführt. Doch nicht nur unser Bundesland entlässt ihren Doppeljahrgang im Jahre 2012 aus ihren Gymnasien. Auch Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen schicken ihre Schützlinge im doppelten Jahrgang in diesem Jahr auf den Arbeitsmarkt. Gerechnet wird mit insgesamt 77.000 Schülerinnen und Schülern im gesamten Land. Als Schüler ist man machtlos, und genau das macht es traurig. Man strengt sich an, ist auf der höchsten Bildungsebene und trotzdem hat man keine Garantie auf späteren Erfolg im Beruf. Schade ist zudem, dass man kaum aufgeklärt wird. Nach dem Motto „Lieber nichts dagegen sagen“ gaukeln alle den Schülern vor, wie toll das neue System ja wäre. Langsam aber sicher werden die Eltern laut, protestieren und können es auch nicht glauben, dass Lehrer und Politiker immer noch am Bildungskiller G8 und somit dem ICE-Abitur festhalten wollen. Eins ist jedoch klar: das Abiturjahr 2012 wird kein Zuckerschlecken und es wird, so traurig es ist, wahrscheinlich in diesem Jahr allen Politikern klar werden, was für eine Reifeprüfung sie den Heranwachsenden zugemutet haben.

 

ArtikelschreiberArtikel: Lisa Schüßer Maillisa-schuessler [at] web [dot] de