Vorwort: Pilgern, Jakobsweg, Jakobsmuschel, Spiritualität. Dies sind alles Begriffe, die man automatisch miteinander verbindet.
Wenn man dieses vielfältige- und für jeden individuelle Thema jedoch genauer betrachtet, kommt dem ein oder anderen so manche Fragen in den Sinn:

. Was ist Pilgern?
. Wie wird gepilgert?
. Wer macht Pilgerreisen?
. Wohin geht eine Pilgerreise?

Das Wort „Pilgern“ kommt ursprünglich vom lateinischen Wort „peregrinus“ und bedeutet Fremder. Ein Pilger ist also jemand, der weite Wege über das Land und in das Ungewisse auf sich nimmt, um sein Ziel zu erreichen.

img1Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist in allen Religionen und Kulturen der Welt bekannt. Ob zu Fuß, wie es seit vielen Jahrhunderten üblich ist, oder mit dem Fahrrad, dem Pferd oder sogar, wie es jetzt immer öfter vorkommt, mit dem Auto, ob in der Gruppe oder alleine – wer pilgert hat die unterschiedlichsten Gründe, um aus dem Alltag auszubrechen und Spiritualität neu zu erleben.

Jeder kann selbst entscheiden, wieso er pilgert.
Viele begeben sich auf den langen Weg, um die Vergangenheit zu verarbeiten und um danach einen Neuanfang zu starten, viele sind aber auch neugierig auf das Fremde, Ungewisse, das sie auf dem Weg erwartet. Religiöse Motive sind natürlich auch Gründe für das Pilgern, jedoch nicht mehr so ausschlaggebend wie zu damaligen Zeiten.
Wohin er geht, wie lange er ist oder wo der Weg für den Pilger anfängt, kann nur er selbst bestimmen. Ziel für die meisten ist jedoch die Jakobuskirche Drouve Andreas in der Stadt Santiago de Compostela in Spanien. Dort liegt der Apostel Jakobus begraben. Er gilt als Patron für die Krieger, Arbeiter und auch für die Pilger.

img1Um die Mythen des Jakobswegs und des Pilgerns besser verstehen zu können, gab Anjuli Götzelmann, eine ehemalige Schülerin des Wirtschaftsgymnasiums Tauberbischofsheim den Religionsschülern der Klasse 12 einen Eindruck davon, wie man sich als Pilger fühlt, was man erleben kann, wen man trifft und wie es ist einfach aus dem Alltag „herauszupilgern“.
Mit einem herzlichen „Ultreya“, was so viel wie „Vorwärts, Weiter“ bedeutet, beginnt Frau Götzelmann den Unterricht und erzählt uns viel über den Mythos des Jakobus und vor allem auch, was sie selbst, als Pilgerin, auf dem Weg nach Santiago de Compostela erlebt hat.
„Man kann keinen genauen Anfang des Jakobswegs finden, deshalb sagen die meisten Menschen, dass der Weg vor der eigenen Haustür beginnt“, erklärt sie den Schülern und nach dieser aufklärenden und eindrucksvollen Doppelstunde ist allen klar, dass das Pilgern nicht nur erklärt werden kann, sondern dass man das img1Gefühl des Freiseins und die Natur sowie das Abwerfen jeglicher alltäglicher Last auch selbst erleben sollte, indem man sich auf den Jakobsweg begibt.

„Wir sind dann mal kurz weg“, hieß es dann am 19. Januar 2011 für die evangelische Pilgergruppe von Oberstudienrat Klaus Schenck, der die „kleine Pilgerreise“, von Grünfeldhausen nach Lauda auf dem Jakobsweg zusammen mit Studentin Anjuli Götzelmann aufwändig vorbereitet hatte.

Mit von der Partie war auch Paul Schmitt, ein erfahrener Pilgerer aus Lauda, der selbst den Jakobsweg von der Haustür bis nach Santiago de Compostela gegangen ist. “ Was man in der Zeit auf dem Jakobsweg erlebt, ist unbeschreiblich.“
img1Man begegnet den unterschiedlichsten Menschen und somit auch den unterschiedlichsten Schicksalen. Wenn man es aber insgesamt betrachtet, sind alle Menschen auf dem Jakobsweg gleich.
Jeder versucht sich selbst zu finden, seine Grenzen zu erfahren und die Kraft zu haben, trotz aller Hürden, sein Ziel zu erreichen“, berichtet Herr Schmitt, selbst noch immer ergriffen.

Er erzählt auch, dass jeder, der den Jakobsweg gegangen ist niemals vergisst, was er in dieser oft schwierigen- und manchmal von Selbstzweifeln geprägten Zeit erlebt.
Ist man am Ziel, ist es egal, wer man ist oder ob man vor wenigen Stunden noch vor Erschöpfung kaum noch gehen konnte. Egal, ob Deutscher, Engländer, Italiener oder Afrikaner, man nimmt sich in die Arme, schreit, jubelt, weint und erlebt die kulturelle Vielfalt der Menschen, die in diesem einen Moment jedoch eine Einheit ist und gemeinsam feiert, da man das geschafft hat, was man sich vor Monaten, vielleicht auch Jahren, als so unerreichbares Ziel gesetzt hat.

img1Auch die Schüler bekamen immer wieder die Möglichkeit in sich zu gehen, zu erfahren, was es heißt auf den Spuren des Apostels Jakobus zu pilgern und die Natur um sich zu haben aber auch Last, zum Beispiel den Druck der geschriebenen Klassenarbeiten „abzuwerfen“ und sich doch für einige Stunden leichter und freier zu fühlen.
Am Ende der kleinen Pilgerreise durch das Taubertal besichtigte die Pilgergruppe ein beliebtes Ziel für vorbeiziehende Pilger – die Stadtpfarrkirche Sankt Jakobus und deren Altar, der schon seit vielen Jahren besonders den Pilgern als Unterstützung und Halt auf der langen Reise gilt.

img1Pfarrer Rapp aus Lauda erzählte abschließend auch noch Interessantes über die Kirche und wie sie in Verbindung zum Pilgern steht.
Mit dem Besuch in der Kirchengrotte bekamen die Schüler nochmals die Möglichkeit zu sehen, wie viele Menschen sich entscheiden die Reise nach Santiago de Compostela anzutreten und wie viele auf ihrem Weg durch Lauda pilgern. Die Bittbriefe, Bilder und Sprüche beeindruckten sowohl die Schüler als auch die Initiatoren dieses schönen Tags.

Ich persönlich fand den Tag als Pilgerin sehr aufschlussreich, informativ und wichtig, da ich mir nun in etwa vorstellen kann, was man als Pilger alles erleben kann.
Ich habe gelernt mich von Lasten des Alltags zu befreien, aber auch, dass es nicht immer einfach ist auf dem Weg zu bleiben. Ich habe mir an diesem Tag einfach Zeit genommen mein Leben mit dem Jakobsweg zu vergleichen und habe viele Gemeinsamkeiten gefunden. Mal ist der Weg steinig und mal ist man in einer Sackgasse, aber es gibt so viele Wege an sein Ziel zu kommen und man ist nicht allein auf seinem Weg, genau wie auf dem Jakobsweg.
Mit dieser Erfahrung haben die Schüler die Möglichkeit bekommen nicht nur etwas über das Pilgern zu erfahren, sondern auch über sich selbst und das ist wichtig, da gerade wir noch längere „Wege“ vor uns haben.

img1Insgesamt war es eine bereichernde Zeit auf den Spuren des Jakobsweges zu sein und ich persönlich würde gerne noch einmal auf diesem Weg pilgern.
Meinen Dank möchte ich auch noch an die Initiatoren dieses Tages richten, denn nicht jeder oder jede bekommt die Möglichkeit solch eine Erfahrung zu machen.
Ich habe eines mitgenommen von dieser kurzen, aber eindrücklichen Pilgerreise und zwar, dass es nicht darauf ankommt, wie schnell man diesen Weg geht, sondern wie man die Welt danach sieht und ob man das erreicht hat, was man sich selbst vorgenommen hat.
Gerade für uns als Schüler ist es wichtig das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, aber man sollte auch den Weg nicht außer Acht lassen, denn der Weg ist das Ziel und als Pilger würde man dann wahrscheinlich jedem einen „Buen Camino“ wünschen.

 

 

 

ArtikelschreiberArtikel: Lisa Redlich MailLisaM [dot] Red [at] googlemail [dot] com

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Schülerrückmeldungen zur Mini-Wallfahrt

Die „Miniaturausgabe“ unseres Pilgerns war für mich eine interessante Erfahrung, . weil man so viele interessante Dinge und Geschichten gehört hat. Man konnte die Erfahrungen und Gefühle von Paul Schmitt fast noch einmal m miterleben, während er sie, völlig ergriffen, an uns in jeder historischen Sehenswürdigkeit weitererzählte. Daniel Herm

 

Bei dem halben Tag, an dem wir gepilgert sind, wurde mir ein Gefühl von Freiheit verliehen. Ich habe gespürt, dass man beim Pilgern immer wieder an seine eigenen Grenzen stößt und immer wieder mit seinen eigenen Gedanken in einen Konflikt kommt. Sehr schön war auch, dass Herr Schmitt bei uns gewesen ist. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen, die er auf dem Jakobsweg gemacht hat. Dabei ging es meistens darum zusammenzuhalten und Nächstenliebe zu haben. Nils Eifler

 

 

 

Das Pilgern zeigte uns, wie emotional, aufregend, anstrengend und dennoch entspannend Wallfahren ist. Durch die Führung von Herrn Schmitt wurde das kurze Pilgern authentisch und man kam schneller in dieses Gefühl rein. Sebastian Janik

 

Ich fand den Ausflug sehr gelungen, vor allem hat man einen guten Einblick in das Pilgern bekommen, da man Pilger-Paul alles fragen konnte und er auch selbst viel von seinen eigenen Erfahrungen berichtet hat. Ich war total frei und hatte mal Zeit über Sachen nachzudenken, die man im Alltag gar nicht so realisiert und für notwendig empfindet. Martina Birthelmer

 

 

Ich fand das Pilgern interessant und auch entspannend, da man den Stress der Schule für einen Tag entfliehen konnte und einfach nur ohne großartige Aktionen wanderte. Die Besichtigungen der Kirchen waren aufschlussreich und von der Dauer perfekt dosiert. Die Geschichten und Kommentare von Paul waren emotional und stellten gut dar, wie es nach langem Pilgern ist, endlich sein großes Ziel zu erreichen. Wenn das dann auch noch „zufällig“ auf den Ostersonntag fällt, war vielleicht auch noch etwas anderes im Spiel. Das Pilgern war insgesamt schön, man konnte in sich gehen und mit seinen Mitpilgern einfach die frische Luft atmen und gehen, so simpel das auch klingt. Tim Hefner

Ich fand es sehr interessant auch als Protestant in die Welt des Pilgerns schauen zu können. Hannah Kern

 

 

 

Ich denke, es war ganz interessant, das Pilgern hautnah mitzuerleben und somit selbst zu einem Pilger zu werden. Dadurch konnte man sich besser in die Lage eines Pilgers versetzen, was die lebhaften und mitreißenden, aber auch lustigen Geschichten von Herrn Schmitt verstärkt haben . Letztendlich bin ich der Meinung, dass diese Erfahrung mir Mut gemacht hat, vielleicht auch einmal selbst den langen und beschwerlichen Jakobsweg nach Santiago de Compostella zu pilgern. Jan Schmiedel