Am letzten Schultag vor den Ferien fand wie alle Jahre eine Weihnachtsfeier an der Schule statt. Das Thema war „Weihnachten 2.0“. Religionslehrer Link wollte damit einerseits Weihnachten in der Welt digitaler Medien darstellen, andererseits die eigentliche Bedeutung des Weihnachtsfestes hervorheben. Die Feier wurde weitgehend von Schülern verschiedener Klassen geplant und gestaltet. Besondere Kreativität brachten sie auf, um die Aula entsprechend dem Motto der Feier zu dekorieren.

Wie wäre wohl die lukanische Weihnachtsgeschichte abgelaufen, wenn alle Beteiligten damals digitale Medien benutzt hätten? Ein youtube-Video zu Beginn der Feier gab darauf auf witzige Weise eine Antwort: Maria teilt Josef über Google Mail ihre Schwangerschaft mit. Josef findet mit Google Maps die beste Route von Nazareth nach Bethlehem, wohin er wegen der Volkszählung mit Maria reisen muss. Seine Bemühungen dort online ein Quartier zu reservieren, blieben aber erfolglos: Bethlehem war am 24.12. schon ausgebucht. Leider hatte auch kein online-Autovermieter mehr ein Fahrzeug frei. So blieb der hochschwangeren Maria keine andere Wahl als den beschwerlichen Weg nach Bethlehem auf einem Esel zurücklegen, und Jesus in einem Stall zur Welt zu bringen. Der Freude Josefs über das Baby tat dies aber keinen Abbruch. Der stolze Vater lädt sofort ein Bild des neugeborenen Jesus auf Facebook hoch, und fordert die ganze Online-Community auf nach Bethlehem zu kommen. Kaspar, Melchior und Balthasar sagen über das soziale Netzwerk zu und kaufen bei Amazon Geschenke für Jesus.

Die amüsanten Reaktionen der Schüler zeigten: Die Weihnachtsgeschichte 2.0 findet Anklang bei Jugendlichen. Hier wurde eine kreative Methode verwendet, welche wir Religionslehrer öfters benutzen sollten, um biblische Geschichten und Botschaften den Schüler näherzubringen. Dann wäre die Bibel nicht mehr in den Augen vieler Schüler nur ein altes Buch, welches mit der Lebenswelt der jungen Menschen heute wenig zu tun hat.

Patricia Haberkorn und Martin Hönninger führten in das Thema ein. Sie betonten, dass die eigentliche Botschaft von Weihnachten die Geburt Jesus ist. Digitale Medien haben zwar ihre Berechtigung, dürften aber nicht das Leben der Schüler beherrschen und wichtigere Werte im Leben verdrängen.

Den Wesenskern von Weihnachten stellte auch die folgende Lesung aus dem Buch Jesaja heraus. Der Prophet kündigt das Wirken eines großen Heilsbringers auf der Erde an. Er wird für Frieden und Gerechtigkeit sorgen, und alle Armen und Entrechteten zu ihrem Recht verhelfen. Christen sehen in Jesus diese Prophezeiung erfüllt. Jesaja wagt darüber hinaus die gigantische Vision, dass am Ende der Geschichte selbst verfeindete Tiere miteinander versöhnt leben werden.

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[break] Religionslehrer Pandzic bezog die Lesung in seiner Ansprache auf unser Weihnachtsfest. Weihnachten würde nicht unter dem Baum entschieden, wie uns ein Werbeslogan zur Weihnachtszeit suggerieren wollte. Für die wirkliche Feier von Weihnachten benötige man die Besinnung, sonst könnte das Weihnachtsfest leicht zu einem verlogenen Fest werden, welches nur sentimentale Stimmung ausdrücke. Zunächst solle man sich auf die Weihnachtsgeschichte besinnen: der Mord unschuldiger Kinder aus Angst vor Machtverlust, die Flucht nach Ägypten, das verborgene Leben Jesu in der alltäglichen Enge des kleinen Nazareths.

Unsere heutige Welt sei erstaunlich nahe bei diesen Erzählungen: das Morden unschuldiger Menschen, der Hungertod von Kindern, Terror der Machtkämpfe, Angst vor Krieg und Not, Menschen ohne Arbeit. .

In dieser scheinbar hoffnungslosen Lage würden aber Niedrigkeit und Ohnmacht des kleinen Kindes im Stall von Bethlehem zu einem göttlichen Zeichen. Das Wunder von Weihnachten bestehe darin, dass Gott in Jesus Christus ganz nahe zu uns und bis in die letzten Abgründe des Menschen gekommen sei. Deshalb werde Gott auch besonders offenbar im Armen und Hilfsbedürftigen. Und so könne er auch alle erreichen, die Lachenden wie die Verzweifelten, die Fröhlichen wie die Weinenden, die Hungrigen wie die Reichen, die Gesunden wie die Kranken.

Folglich hat – so Herr Pandzic an diesem Fest auch alles sein gutes Recht, was zu einem Zeichen der Güte und der Freundlichkeit unter den Menschen werden kann:
   gute Wünsche
   frohe Feste
   Freude am Lichterglanz der Kerzen
   Geschenke als Symbole des Wohlwollens und der Liebe untereinander; wie auch Gott uns Jesus geschenkt hat.

Weihnachten könne auch heute ein solches frohmachendes Fest werden, wenn wir seine Tiefe und eigentliche Bedeutung erkennen.

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In den folgenden Fürbitten baten 17 Schüler, dass die digitalen Medien nicht unser Leben bestimmten und uns zum Schaden gereichten. Die Augen mögen uns für die weihnachtlichen Werte geöffnet werden. Alle Teilnehmer in der Aula antworteten aber nicht mit dem gewohnten „ Wir bitten Dich, erhöre uns“, sondern hielt in Anlehnung an das soziale Netzwerk Facebook ein „Gefällt mir“-Schild hoch.

Schulleiter Deeg bedankte sich zum Abschluss bei den vielen beteiligten Schülern und den Religionslehrern für die Gestaltung der Feier. Das entsprechende Schild hochhaltend, sagte er über die Feier: „Gefällt mir“.

Besonders zu erwähnen sind die Musiker, welche die Feier musikalisch umrahmten. Sie sorgten mit ihren Auftritten bei den Schülern für begeisterten Applaus. Vanessa Kuhn sang das Lied „From East to West“ (Casting Crowns). Tim Hefner und Christoph Johne traten je mit den Liedern „The Scientist“ und „Yellow“ der Band „Coldplay“ auf. Auf ihrer Gitarre begleiteten sie auch den Chor, der meist aus Schülerinnen der Klasse 11/1 bestand (Nikola Dschymalla, Rosalia Schumacher, Pauline Hanns, Nicole Czekalla, Lena Irmer, Vanessa Kuhn). Der Chor sang die modernen Weihnachtslieder „Jingle Bell Rock“ und „Feliz Navidad“. An der Reaktion in der Aula konnte man sehen, dass auch Weihnachtslieder Schüler faszinieren können.

img1 Artikelschreiber  Artikel: Jürgen Tapparelli Mail j_tapparelli [at] yahoo [dot] de

Artikelschreiber  Fotos: Klaus Schenck       eingestellt von: Tobias Rösch

 

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