Interview mit Mareike Dick, Schauspielerin der Badischen Landesbühne
Das Interview führte Beatrice Fiks.

ArtikelschreiberBeatrice: Guten Tag, Frau Dick. Ich freue mich sehr, dass Sie unserer Einladung zu einem Interview gefolgt sind und möchte Sie hiermit recht herzlich begrüßen. Aber nun gleich zu meiner ersten Frage: Wie wird man Schauspielerin / Wie ist die Ausbildung zur Schauspielerin?

Fr. Dick: Zuerst habe ich das Abitur gemacht, da für den Schauspielberuf ein Hochschulstudium, das vier Jahre dauert, erforderlich ist. Allerdings werden auch Aufnahmeprüfungen durchgeführt, die in mehrere Phasen untergegliedert sind. Zum Beispiel spricht man vor einer Jury einen Monolog vor oder spielt verschiedene Rollen (Klassik, Modern,.). Immer wieder kann es passieren, dass man eine Absage bekommt, bevor die eigentlich Ausbildung beginnt. Die einzelnen Schulen legen verschiedene Schwerpunkte, wie auf Authentik, Spiel usw.

Beatrice: War es schon Ihr Kindheitstraum, diesen Beruf zu ergreifen?

Fr. Dick: Mal so, mal so. Ich habe schon immer gerne Action gehabt und mir hat es Spaß bereitet, wenn mir andere dabei zugesehen haben. Dennoch habe ich nach dem Abitur erst einmal etwas „Vernünftiges“ studiert, falls die Schauspielerei schief gehen sollte. Als ich dann gemerkt habe, dass das Theater „gut ist“ und ich damit mein Geld verdienen kann, habe ich mich für diesen Beruf entschieden. Also eigentlich war es schon ein Traum.

ArtikelschreiberBeatrice: Aus welchem Grund wollten Sie Schauspielerin werden?

Fr. Dick: Ich habe schon immer die Herausforderung gesucht und wollte mich selbst fordern und fördern. Es war eher ein unterbewusstes Gefühl, denn wenn mir langweilig war, habe ich „Scheiß“ gemacht und es machte mir einfach Spaß. Da wusste ich, dass das genau mein Beruf ist.

Beatrice: Was ist das für ein Gefühl, wenn man auf der Bühne steht?

Fr. Dick: Das ist ganz verschieden und situationsbedingt. Das kann von Angst bis zur Extase gehen. Manchmal muss man auch einfach ausblenden, dass vor einem so viele Leute sitzen. Natürlich ist es ein absolut geiles Gefühl, wenn man die Emotionen direkt spürt. Dann ist es einfach nur schön, wenn man weiß, dass das, was du tust, Beachtung findet.

Beatrice: Wie sieht ein Tagesablauf in diesem Beruf aus?

Fr. Dick: Wenn ich Probe habe, beginnt mein Tag um 10 Uhr. Wir haben dann bis 14 Uhr die erste Probe, anschließend frei. Von 18 bis 22 Uhr ist dann die zweite Probe. Habe wir keine Probe, dann haben wir eine Vorstellung und müssen teilweise sehr lange fahren. Deshalb haben wir auch immer einen Arbeitstag von mindestens 8 Stunden, oft auch länger.

ArtikelschreiberBeatrice: Dürfen Sie sich Ihre Rollen selbst aussuchen oder werden sie Ihnen vorgeschrieben?

Fr. Dick: Meist werden die Rollen vom Intendanten vergeben, der nach verschiedenen Kriterien die Rollen besetzt. Zum Beispiel wird nach „Typ“ ausgesucht oder geschaut, wie man es zeitlich organisieren kann. Denn wenn ich gerade einen Auftritt habe, kann ich nicht gleichzeitig mit einer anderen Rolle auftreten. Man kann aber natürlich seine Wünsche äußern und hoffen, dass einem die gewünschte Rolle zugeteilt wird.

Beatrice: In welche Rolle schlüpfen Sie am liebsten?

Fr. Dick: Ich bin ein Typ, der immer an seine Grenzen gehen will und ständig die Herausforderung sucht. Jedoch muss jeder selbst herausfinden, was zu einem am besten passt. Bei mir ist das ganz unterschiedlich.

Beatrice: Gelingt es Ihnen, Ihre Gefühle von privat und beruflich zu unterscheiden?

Fr. Dick: Ja, das geht. Sicherlich ist nicht jede Vorstellung gleich und man muss trotzdem, auch wenn es einem nicht gut geht, sein Bestes geben.

Beatrice: Als Schauspielerin ist man viel unterwegs. Bleibt da noch Zeit für Hobbys und Freunde?

Fr. Dick: Es gibt schon einen festgelegten Rahmen. So haben wir natürlich auch Ruhezeiten. Nach einer Vorstellung liegen 10-11 Stunden dazwischen, bis wir wieder eine Probe oder die nächste Vorstellung haben. Klar ist auch, dass wir Schauspieler auf einem hohen Stresslevel spielen. Natürlich muss man auch sehr flexibel sein. Ein Ortswechsel innerhalb aller 2-4 Jahre gehört zum Job dazu.

Beatrice: Wenn Sie mit Schülern einen Workshop so wie heute machen, machen Sie es, weil es Ihnen einfach Spaß macht, oder haben Sie ein bestimmtes Ziel, eine Art „Botschaft“, die sie an die Schüler weitergeben möchten?

Fr. Dick: Für mich ist ein Workshop keine Verpflichtung. Ich arbeite aber sehr gerne mit Jugendlichen. Mein Ziel ist dabei, Kindern und Jugendlichen einen „Anstoß“ zu geben und sie fürs Theater zu begeistern.

Beatrice: Zum Schluss noch eine Frage, die Sie sicherlich oft gestellt bekommen: Was, wenn man während eines Auftritts den Text vergisst?

Fr. Dick: Immer wieder kann es vorkommen, dass etwas schief geht. Zum Beispiel wenn ein Kollege plötzlich nicht auf der Bühne ist, obwohl er gerade seinen Auftritt hätte. Natürlich muss einem dann in Sekundenschnelle etwas einfallen, das glaubwürdig rüber kommt. Eigentlich weiß ja von den Zuschauern auch keiner, wie es wirklich laufen sollte und dass gerade etwas schief ging. Ich muss aber zugeben, dass ich noch keinen totalen Blackout hatte. Wenn es aber irgendwann passieren sollte, dann muss man einfach reden. Das ist auch das, was ich am Theater so schätze. Die totale „Perfektion“ wie im Kino fehlt. Genau das bringt den Zuschauern den „Live Charakter“ nahe und das macht das Theater aus.

Zum Schluss möchte ich mich nochmals herzlich bei Frau Dick bedanken und wünsche ihr alles Gute für ihre weitere Schauspielerkarriere.

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InterviewInterview: Beatrice Fiks Mailbeatricefiks [at] googlemail [dot] com