Kaufmännische Schule TBB: Exkursion mit Zeitzeugen ins Konzentrationslager Dachau

img1TAUBERBISCHOFSHEIM / DACHAU. „Denkt daran, wie wir hier starben!“ Diese Inschrift auf einem Denkmal vor den Verbrennungsöfen im Konzentrationslager Dachau stimmte nachdenklich. Davon konnten sich 60 Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schule Tauberbischofsheim selbst ein Bild machen, als sie sich auf eine erlebnisreiche Exkursion begaben.

img1Begleitet wurden die Schüler dabei von einem Zeitzeugen – Karl Hönninger aus Heckfeld –, der den Schülern auf der Busfahrt nach Dachau von seinen Erlebnissen an der West- und Ostfront des II. Weltkriegs erzählte sowie von dessen Bruder – Linus Hönninger aus Königheim – der den Schülern von den Geschehnissen der Nachkriegszeit berichten konnte. Mit an Bord waren auch die beiden Fachlehrer, Oberstudienrat Uwe Daub und Studienrat Christian Link, welche die Fahrt für die Schüler organisierten.

img1In Dachau angekommen, begaben sich die Schüler auf eine Erkundungsreise in die Vergangenheit, die mit dem Durchschreiten der Eingangstüre mit der bekannten Aufschrift „Arbeit macht frei“ begann. Einige Stunden später und viele Erfahrungen reicher, konnten die Schüler den zynischen Aspekt dieser Aussage verstehen und ein Schüler brachte dies auf den Punkt: „Es müsste eher Vernichtung durch Arbeit lauten.“

img1Dieses Schicksal musste auch Pfarrvikar Anton Spies, der Urgroßonkel eines Fahrtteilnehmers, erleiden. Mit dessen Geschichte befassten sich im Vorfeld der Fahrt die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler fächerübergreifend im Geschichts- und Religionsunterricht anhand historischer Dokumente und Briefe. Geboren wurde Anton Spies am 24. November 1909 in Heckfeld. Nach siebenjährigem Besuch des Gymnasiums in Tauberbischofsheim und als Zögling des damaligen Erzbischöflichen Studienheims erwarb er sich im Jahre 1930 die Hochschulreife und erhielt anschließend in Freiburg und St. Peter seine Ausbildung als Priester. Fünf Jahre wirkte der junge Vikar in Bühl bei Offenburg, Lauda, Distelhausen, Uissigheim, Mudau und zuletzt in Ketsch. Der den dortigen NSDAP-Parteifunktionären missliebige Vikar wurde wegen angeblicher Sittlichkeitsvergehen angezeigt, im Februar 1941 verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

img1xAnstatt nach Absitzen der verhängten Strafe die ersehnte Freiheit wieder zu geben, wurde Spies im Spätjahr 1943 in das Konzentrationslager nach Dachau gebracht. Dort musste er vor ca. 68 Jahren durch das eingangs beschriebene Tor schreiten, wurde wie seine Mitinsassen als „ehrlos, wehrlos und rechtlos“ begrüßt und fortan aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen. Als Gefangener Nr. 55505 verbrachte Spies dort 19 Monate, bevor er schließlich am 19. April 1945 – drei Tage vor der Befreiung img1Dachaus durch die Amerikaner – verstarb. Nach dem Kriege wurde in eingehenden Untersuchungen und genauer Rekonstruierung des Tatbestandes die Unwahrheit der damaligen Nazianklage einwandfrei nachgewiesen und die Unschuld des Kaplans Anton Spies festgestellt.

Die Schüler erfuhren an diesem Beispiel – stellvertretend für viele andere unschuldig Ermordete – eindrücklich von den Schrecken der Vergangenheit. Vor allem die Folterstrafen und andere menschenunwürdige Behandlungen der KZ-Insassen haben sich in den Erinnerungen der Schüler festgebrannt, auch durch die prägende Inschrift eines Denkmals im Konzentrationslager: „Den Toten zu Ehr, den Lebenden zur Mahnung!“

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WGTBB

Feedback zur Exkursion ins KZ Dachau (WS-1-1 und BK-1-DV)

„Mir hat gut gefallen, dass wir – neben einer offenen Führung oder den angebotenen Audio-Guides auch die Möglichkeit hatten, frei wählen zu können, wie wir das KZ auf eigene Faust erkunden. Leider ist im KZ manches nicht mehr viel im Original erhalten. Aber auch die detailgetreu nachgestellten Baracken konnten einen relativ guten Einblick in die damalige Zeit gewähren. Auch die Gedenkstätten der Religionen im KZ waren zum Teil sehr schön und interessant. Die absoluten Höhepunkte der Exkursion waren für mich jedoch das Krematorium und die angeschlossenen. Das KZ-Museum enthielt viele aufschlussreiche Informationen über das KZ selbst. Die angebotene Dokumentation Kinosaal war ebenfalls interessant anzuschauen.“ Louis Dittmann

„An Dachau hat mir gefallen, dass man alles frei erkunden durfte und dass es zu jedem Gebäude eine gute Beschreibung gab. Schön war auch zu sehen, dass einige Sachen auf dem Gelände noch original erhalten waren. Ich fand auch gut, dass auf der Exkursion Zeitzeugen dabei waren. Die Kinodokumentation war ebenfalls gut gemacht. Was persönlich schade fand war, dass nicht mehr alle Baracken der Inhaftierten im Original standen.“ Markus Hartmann

„Gut fand ich, dass wir zu nichts gezwungen wurden und dass es einem selbst überlassen war, ob man ein Audio-Guide oder eine Führung haben will. Denn viele wollten das Gelände selbst erkunden. Durch die mitgereisten Zeitzeugen, die Ihre Erfahrungen an die Schüler mitteilten, und durch die im Unterricht gezeigten Fachfilme in GGK & Religion waren wir gut vorbereitet und konnten uns das Ganze gut vorstellen. Außerdem war es positiv, dass man selbst entscheiden konnte, mit wem man rumgelaufen ist, und nicht in Gruppen eingeteilt wird. Besser wäre es noch gewesen, wenn wir die Zeitzeugen schon vorher in den Unterricht eingeladen hätten, um sie da zu befragen, denn im Bus und in Dachau konnte man nicht alles optimal verstehen. Außerdem hätten die Zeitzeugen Ihre Erlebnisse vielleicht noch live im KZ erläutern können. Also dass Sie zu bestimmten Stellen im KZ etwas Besonderes erzählen, anhand Ihrer Erfahrungen mit der damaligen Zeit. Gut war auf jeden Fall, damit man selbst entscheiden konnte, was einen Besonders interessiert um diese Dinge dann intensiver anzuschauen.“ Lukas Albert

„Die Exkursion war sehr informativ. Gut war, dass wir zwischen einem Alleingang, einem Audio-Guide und einer Führung wählen konnten. Auch die religiösen Gedenkstätten im KZ waren sehr interessant, sowie die Krematorien und die Gaskammer. Auch der Gedenkfilm mit originalem Filmmaterial war ein Highlight. Wenn die Baracken original gewesen wären, wäre es noch authentischer gewesen, aber auch so war es gut.“ Patric Pfaff

„Wir haben uns um 7:30 Uhr an der Schule getroffen und sind dann mit dem Bus los gefahren. Der Bus war ausreichend groß. In Dachau angekommen, konnten wir uns entscheiden zwischen einem Audio-Guide, einer Rundführung oder das Gelände eigenständig zu erkunden. Ich entschied mich mit meiner Gruppe für den Audio-Guide. Leider hatten wir jedoch keinen Plan dazu mitgenommen, sodass wir die Audiokommentare teilweise in unterschiedlicher Reihenfolge hörten. Das Gelände war recht groß und wenn man an den einzelnen Stationen angekommen war, die auf dem Plan standen, gab es da auch Erklärungen zu den jeweiligen Räumen. Das fand ich sehr gut, da man dann einen besseren Einblick in deren Alltag bekommen konnte. Wir sind über das ganze Gelände gelaufen, und haben uns jeden Raum angeschaut, in ein paar Räumen wurde gerade eine Führung angeboten und man konnte sich dazu stellen, so bekam man noch mehr Informationen und einen noch besseren Einblick in das Konzentrationslager. Insgesamt fand ich diesen Ausflug sehr informativ und interessant, jedoch fand ich es schade, dass der „Priesterblock“, den wir im Unterricht behandelt haben, in Dachau nicht mehr stand. Die Kirchen standen zwar alle noch, jedoch wäre dieser Block speziell sehr interessant gewesen. So haben wir uns andere Sachen angeschaut.“ Pia Fromm

„Die Exkursion nach Dachau war ganz in Ordnung die Busfahrt war nur etwas lang. Gut fand ich bei der Fahrt, dass man auf die Fahrt gut vorbereitet wurde und z.B. bestimmte Punkte im KZ nachschauen und sogar nachlesen konnte und dadurch noch mehr Informationen bekam. Ich fand es auch gut, dass man verschiedene Möglichkeiten hatte das KZ zu erkunden, ob in einer Gruppe, mit Audiogeräten oder mit einer Führung, so dass man zu nichts gezwungen war.“ Rebecca Krank

„Positiv fand ich, dass uns in Dachau selbst überlassen wurde, ob wir eine Führung oder einen Audio-Guide haben wollten oder ob wir das Gelände selbst in Gruppen erkunden. Wir wurden zu nichts gezwungen und durften in kleinen Gruppen rumlaufen, die wir selbst aussuchen konnten. Gut gefallen hat mir auch, dass die Gebäude noch gut erhalten waren und es viele Informationen zu lesen gab, sodass man auch ohne Führung über das KZ viel erfahren konnte. Gut war es auch, dass 2 Zeitzeugen mitfahren durften und im Bus uns über ihre Zeit von früher berichten konnten. Auch war es praktisch, dass wir am McDonald‘s genug Pause gemacht hatten und uns etwas die Beine vertreten konnten. Die Lehrer waren auch sehr gut drauf sowie der Busfahrer Mario, der sehr unterhaltsam für uns war.“ Romina Bader

„Mir hat gut an Dachau gefallen, dass wir an keiner Führung teilnehmen mussten, aber dennoch die Möglichkeit hatten, an einer freien Führung teilnehmen zu können. Mir hat auch gut gefallen, dass wir nicht in Gruppen eingeteilt wurden, sondern diese selbst bestimmen konnten. Außerdem war gut, dass die Gruppen nur aus mindestens 3 Leuten bestehen sollten. Positiv war auch noch, dass 2 Zeitzeugen mit dabei waren, denen wir Fragen stellen konnten. Also dass die Lehrer gut drauf waren, war gut. Der Beste war der Busfahrer (Mario), der immer einen Spruch auf Lager hatte und nicht so ein strenger und langweiliger Busfahrer war. Schön wäre es noch gewesen, wenn wir nach der Exkursion noch in Stadt gegangen wären, was jedoch nicht ging.“ Sarah Steinbach

„Was mir gefallen hat war, dass das KZ im Dachau sehr interessant ist und es viele Informationen gibt, wie die Juden und andere Menschen dort leben mussten.“ Wilhelm Mantel

„Der Schulausflug in das KZ in Dachau war eine sehr interessante und zugleich lehrreiche Erfahrung. Durch die sehr gut nachgestellten Baracken hatte man einen sehr guten Einblick in das Leben eines KZ Häftlings erhalten. Ebenfalls konnte man im Museum näheres über das Leben der Häftlinge erfahren. Allgemein ist das Thema ein sehr interessantes, da es in unmittelbarer Nähe stattgefunden hat. Persönlich fand ich es sehr gut, dass die Lehrer es jedem Einzelnen überlassen haben, wie er das KZ erkunden will. Einige nahmen ein Audio Gerät, andere erkundeten es auf eigene Faust. Im Bus konnte man den Zeitzeugen leider nicht immer gut verstehen. Vielleicht könnte man es einrichten, damit die Zeitzeugen ein bis zwei Tage vorher in die Schule kommen und ihre Erlebnisse erzählen. Ansonsten war es ein sehr schöner Ausflug, der sehr Interessant war.“ Timmy Ziegler