Tag 5

Ab Tag 5 kann man realistisch mit ersten Symptomen rechnen. Das Gesundheitsamt empfiehlt daher, zweimal täglich Fieber zu messen. Mir geht es jedoch gut. Es ist weiter Frühlingswetter und womöglich bekomme ich noch einen Sonnenbrand davon, am offenen Fenster zu lesen. Heute ist jedoch auch ein Tag, auf den ich mich bereits die ganze Woche freue. Es ist Weihnachtsbacktag. Anstatt mich mit Freunden und Familie zu treffen, backt jedoch jeder für sich und doch über Videoanruf vereint.

Generell telefoniere ich gerade sehr viel. Das Hoch der Absurdität ist wohl das gemeinsame Mittagessen mit meinem Mann per Video, obwohl er im Nebenraum sitzt.

Tag 6

Noch nie zuvor habe ich mich über nebliges Novemberwetter gefreut, oder besser gesagt: perfektes Quarantäne-Wetter. Ich bin mit der Welt wieder im Frieden. Heute ist Test-Tag. Mittags bekomme ich einen Anruf vom Gesundheitsamt, das mir mitteilt, wann mein Termin an der Bad Mergentheimer Teststelle ist. Es erscheint mir etwas spontan, aber ich bin ja eh daheim.

Bild von Pixabay

Es ist ein seltsames Gefühl, sich in Quarantäne ins Auto zu setzen, durch die Innenstadt zu schlendern, Menschen zu umgehen, die scheinbar keinen Abstand halten wollen. Vor der Teststelle warten etwa 6 weitere Personen mit großem Abstand zueinander. Wir werden am Eingang nach unseren Namen und Terminen gefragt und im Fließbandverfahren durch die Teststelle geschleust. Der Abstrich erfolgt als Rachenabstrich von einer Person, die so umhüllt von Schutzkleidung ist, dass man nicht einmal das Geschlecht erkennt. Es erscheint mir alles wie in einem Film. Ich bekomme einen Zettel mit einer Erklärung, wie ich meine Testergebnisse online abrufen kann und darf wieder nach Hause.

Tag 7

Nach etlichen verfrühten Versuchen mein Testergebnis abzurufen, akzeptiere ich den Hinweis, dass man erst nach 24 Stunden mit einem Ergebnis rechnen sollte. Unter der Woche bin ich nun wieder relativ beschäftigt mit Online-Seminaren, Meetings und sonstigen Arbeiten im Homeoffice. Abends bin ich mit Quarantäne-Kollegen zum Spieleabend verabredet. Wir spielen eine Online-Variante von Montagsmaler und entdecken, dass es so auch noch viele weitere Online-Spiele gibt wir Wizzard und Codenames. Nicht allen meiner Kollegen geht es so gut wie mir. Bei einer Kollegin verschlimmern sich die Symptome von Tag zu Tag. Sie verspürt Schmerzen in der Lunge, hat Fieber und schläft sehr viel. Wie es aussieht, wird sie auch noch länger in Quarantäne sein als ich.

Tag 8

Der Test ist negativ. Nach einem wirren nächtlichen Traum über ein positives Ergebnis konnte ich heute mein Ergebnis abrufen. Mein Test war negativ. Trotzdem bin ich noch weitere 6 Tage in Quarantäne, denn, auch wenn es zunehmend unwahrscheinlicher wird, kann sich dies immer noch ändern. Leider habe ich keine Ahnung, wie es nun weitergeht. Was passiert, wenn ich nun doch noch Symptome entwickeln sollte? Von anderen habe ich gehört, dass sie mehrmals getestet wurden. Ich weiß nicht, ob für mich noch weitere Tests folgen oder ob ich nächste Woche einfach wieder rausgehen darf. Ich weiß auch nicht, wann oder ob ich dazu überhaupt noch Informationen bekommen werde. 

Artikelreihe: Anonym

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