Corona, das virale Vorhängeschloss an so vielen Sportstätten der Welt, machte auch vor dem Tennisclub Tauberbischofsheim nicht halt: Die Sonne lacht, die Anlage geschlossen, der Betrieb ruht. Unter stark erschwerten Bedingungen wurden die Plätze vorbildhaft gerichtet, mit den Wochen durften die ersten Einzel wieder gespielt werden – keine Umkleidekabinen, keine Duschen, dafür strenge Listen, wer wann wo spielte. Dann wurden die Tennis-Doppel erlaubt, Umkleiden und Duschen wieder möglich, aber das Interesse daran hielt sich im Rahmen, Corona-Regelungen waren bereits verinnerlicht. Insgesamt ist jetzt reges Leben auf den Plätzen, da die Zahl der Gastspieler aus der gesamten Region sprunghaft anstieg, was auch in schwierigen Zeiten die Offenheit des Vereins zeigt – eine freundliche Atmosphäre, die geschätzt wird.

Die üblichen Tennis-Wettkämpfe, die Medenrunde, fielen Corona zum Opfer, der Tauberbischofsheimer Verein gehört zu den wenigen der Region, der sich am Pokalwettbewerb des Badischen Tennis Verbandes beteiligt. Auch wenn es letztendlich ein „Corona-Trostwettkampf“ in stark reduzierter Mannschaftsstärke ist, entschied der Club: Wir sind dabei, und zwar mit drei Mannschaften: 1. und 2. Herrenmannschaft (zunächst Freilos) und die Jungs von U12.

Die 1. Mannschaft mit Lucian Viziru, Pierre Schmiedecke und im Doppel Jochen Häfner empfingen den Tennisclub Grünsfeld, normalerweise im Tennis-Ranking eine Klasse höher. Nicht unbedingt ein Kampf David gegen Goliath, aber auf jeden Fall ein spannender. Viziru fackelte nicht lange – kam, sah und siegte – schnell und klar: das erste Einzel im „TBB-Tennis-Sack“. Bei Schmiedecke alles umgekehrt: es zog und zog sich, keiner schenkte dem anderen etwas, es wollte kein Ende nehmen, gleichwertige Spieler, am Ende verlor Schmiedecke. Patt, das Doppel musste über Sieg oder Niederlage entscheiden. Der erste Satz wurde erst im Tiebreak von Viziru/Häfner gewonnen, doch der zweite ging klar verloren, inzwischen wurde es dunkler und dunkler. Die Zuschauer sahen nur noch begrenzt den Ball, erahnten ihn aber daran, wohin sich „Spieler-Umrisse“ zielstrebig bewegten. Grünsfeld konnte von seiner Mannschaft her nur an diesem Abend das Doppel ausspielen oder es als nicht gespielt verloren geben. Tauberbischofsheim als faire Gegner verzichtete auf diese Form des „billigen Sieges“, es wurde weitergekämpft: das erste „Mondschein-Tennis“ in der Club-Geschichte, aber noch mussten die Bälle nicht mit dem Blindenstock gesucht werden. Auch wenn die Zuschauer auf der Terrasse die Bälle kaum sahen, sie wurden entschädigt mit Spannung pur. Im fahlen Mondlicht ging es Schlag um Schlag, Punkt um Punkt, alles offen, dunkle Ungewissheit, wer als Sieger vom Platz geht – der, der die besseren Augen hat, die besseren Schläge, das beste Ballgefühl. Und auf Zuschauerseite: nicht viel sehen, aber Daumen drücken, hoffen und mitfiebern. Endlich das erlösende Match-Tiebreak von 11 : 9 für Tauberbischofsheim und damit der Sieg von 2 : 1 – Halbfinale erreicht, aber ein schwerer „Tennisbrocken“ kommt nach Tauberbischofsheim: der TC Heidelberg. Auf jeden Fall trifft er auf eine Mannschaft, die „Mondschein“ erprobt ist. „Mondschein-Tennis“, „TBB Moonlight“ statt „TBB Open“, und für die Zuschauer auf der Terrasse Beethovens „Mondscheinsonate“, dies wäre auf jeden Fall ein ganz besonderer „Event“ auf der Anlage am Tauber-Ufer.

Magnus Popp und Julius Hauser, die U12-Jungs, zogen eine andere Strategie beim TC Gemmingen vor, das Gegenprogramm zur 1. Mannschaft. Julius ziemlich gnadenlos: 6 : 0, 6 : 1, nicht lange fackeln, so schneller, so besser, so sicherer der Sieg! Magnus kaum gnädiger: 6 : 1, 6 : 1, beide Jugendliche ratzfatz gleich mal die Einzel für sich kassiert. Und wer sich so am Gegner warmgespielt hat, den hält nichts mehr auf – zweimal 6 : 0 im Doppel, stolz und ziemlich schnell kehrte der Tennis-Nachwuchs auf die Anlage am Tauber-Ufer zurück. Zackiger Sieg heute heißt nicht zackiger Sieg morgen: der nächste Gegner hat es in sich – Walldorf-Astoria.

So sind nun alle drei Mannschaften aus Tauberbischofsheim im jeweiligen Halbfinale. In der Haltung „We have a dream“ darf schon mal vom Finale geträumt werden.

Artikel: Klaus Schenck

Fotos:

Lucian Viziru und Pierre Schmiedecke

Fotos: Klaus Schenck