Trotz allen negativen Erlebnissen und Auswirkungen der Isolation aufgrund von CoVid19 freut es mich umso mehr, auch positive Seiten erfahren zu dürfen. Denn wenn ich, als weltoffener, eher extrovertierter Mensch, eines an unserer Gesellschaft gar nicht leiden konnte, ist das deren Engstirnigkeit und nahezu verbissene Verschlossenheit gewesen. Doch wer hätte gedacht, dass sich dies auch noch ändern würde? 

Tatsächlich durfte ich in den letzten Wochen schon mehrmals die Erfahrung machen, wie mich aus dem Nichts wildfremde Menschen ansprachen. In dieser eh schon angespannten und sehr negativ gestimmten Zeit möchte ich gerne meine positiven Erfahrungen mit EUCH teilen.

Nachdem ich auf der Arbeit vor knapp acht Wochen erfahren habe, dass es für die meisten Mitarbeiter im Home Office weitergeht, dachte ich erst einmal: „Na toll, das wird ja langweilig ohne meine Kollegen um mich herum.“ Vom Gegenteil eingeholt, habe ich an manchen Tagen sogar Schwierigkeiten, meinen Aufgaben nachzukommen, da das Telefon gar nicht mehr still steht. Einmal sind es die Arbeitskollegen, mit denen man sich ohnehin mehr austauschen muss, da man nicht schnell mal über den PC spicken und rüber rufen kann. Zum anderen werde ich immer wieder aufs Neue von intensiven, ja sogar persönlichen Gesprächen mit externen Leuten überrascht. Sei es die Spedition aus Bulgarien, Rumänien oder Deutschland oder der Vertriebskollege aus Schweden oder Polen, der sich neuerdings nach deinem Befinden erkundigt und von seiner aktuellen Lage berichtet. Mit einem spürbaren Schmunzeln und den Worten „Bleiben Sie gesund und bis zum nächsten Mal“, werden die Telefonate neuerdings beendet. Könnte nicht jedes Telefonat so enden? Eigentlich sollte das keine Ausnahme darstellen, sondern als Selbstverständlichkeit beibehalten werden. 

Nach der Arbeit komme ich meinem täglichen Abendspaziergang nach. Doch da werde ich nach einem Blick in Nachbars Garten erst einmal aufgehalten. Nachdem ich nun zwei Jahre in Bad Mergentheim wohne, habe ich mich zum ersten Mal mit meinem Nachbarn unterhalten. Gut, es könnte auch daran liegen, dass der Urwald vor dem Haus endlich etwas gekürzt wurde und man nun das ganze Haus mit samt den Bewohnern zu Gesicht bekommt. Doch auch hier entsteht ein fröhliches Gespräch, angefangen mit Worten wie „Zum Glück darf man noch spazieren gehen“, „Nun ja, was will man denn machen“ oder „Wo ist denn Ihre Maske?“. Nachdem ich mich mit meinen Nachbarn über die aktuellen Corona Themen ausgetauscht habe, kann ich nun meinen Spaziergang fortsetzen. Wie immer lächle oder grüße ich die Leute, die meinen Weg queren, als plötzlich eine Dame auf mein Lächeln reagiert und fröhlich darauf losquasselt. Es bleibt nicht beim einzigen Mal. Es ist einfach schön zu sehen, wie die Leute trotz der Isolation und aktuellen Gegebenheiten aufblühen und offener werden, ja ein Gefühl von Gemeinschaft eine ganz andere Bedeutung bekommt. Man ist froh über jeden Kontakt, den man haben kann. Plötzlich fällt es keinem mehr schwer, Menschen anzusprechen oder einfach etwas Nettes zu sagen, ohne etwas zurück zu erwarten. Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen, in denen ganz offensichtlich Solidarität gezeigt wird. Ob beim Einkaufen, am Telefon, beim Spazierengehen oder auch nur die nette Unterhaltung von Hof zum nächsten Balkon. 

Dies sollte meiner Meinung nach beibehalten werden, denn, wenn das Kontaktverbot noch das ganze Jahr bestehen bleibt, brauchen wir als Gesellschaft diese Offenheit danach mehr als zuvor. Schenkt euch auf den Straßen weiterhin ein Lächeln oder Blinzeln, dies erkennt man auch unter einer Maske oder am anderen Ende der Telefonleitung!

Lorena Heid

Zur Aktion: #WirSchreibenUnsMut

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 2020_03_corona_news.jpg