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Ich bin Miri, 27 Jahre alt und Erzieherin in Bad Mergentheim. Wir sind jetzt in der 4. Woche der Covid-19-Qarantäne. Ich muss sagen, mir geht’s recht gut im Vergleich zu anderen. Ich gehöre zwar zur Risikogruppe wegen meines Asthmas und aus der letztjährigen Betriebsarztuntersuchung weiß ich, dass ich keine Anti-Körper auf Impfungen bilde (habe nämlich nachgewiesenermaßen keine😊), aber in Panik zu verfallen kommt immer noch nicht in Frage. Ich horte auch keine Lebensmittel, auch wenn ich auf glutenfreie Produkte angewiesen bin. Schließlich gibt es noch mehr Leute wie mich.

Bevor dies alles so begann, war ich gerade mit meinem Mann im Umzugsstress. Unsere Vermieter hatten uns nämlich vergangenes Jahr, einen Tag vor Weihnachten, die Wohnung gekündigt. Seitdem war bei mir eigentlich schon alles ziemlich stressig: Wohnung suchen und finden usw. Der erste Teil des Umzugs fand dann schon am 14. März statt. Allerdings nicht direkt ins neue Heim. Denn jede Wohnung, die wir uns ansahen, war erst ab Juni verfügbar, weshalb wir gerade bei meinen Schwiegereltern wohnen. Natürlich organisiert man sich jede Menge Helfer und so ging alles recht flott an diesem Tag. Doch das Ausbauen der Küche am Wochenende darauf war nicht ganz so einfach. Denn erst konnten wir das Wasser nicht abstellen, weil der Hahn zum Abdrehen durchgerostet war und wir den Vermieter erst um halb zwei nachmittags erreichten, und dann bekamen wir auch noch Besuch von der Polizei. Weil wir halt mehr als 3 Personen waren, allerdings nicht im öffentlichen Raum. So blieb‘s bei einer Belehrung, doch schön war die Situation trotzdem nicht. Und die zwei Polizisten hatten auch Verständnis, als wir ihnen unsere Lage erklärten und sie sahen, dass es wirklich nur um die Küche ging.

Der letzte Tag im Kindergarten, am 16.März, kommt mir allerdings schon ewig her. Da die Kiga-Kids seit Mitte November ständig krank sind, war meine Gruppe, die eigentlich aus 12 Kids und mir besteht, seitdem nicht komplett. Das heißt, ich konnte mich nicht „in die Ferien verabschieden“. Mit einem Mal war alles anders. Jede Woche habe ich gewartet, ob wir jetzt doch Notgruppe wegen eines Kindes machen müssen, weil eines Anspruch darauf hat. Doch dessen Mutter hat es immer irgendwie anders geregelt bekommen. Also stand Home-Office an. Als Erzieherin! In den ersten beiden Tagen machte ich Portfolio und am dritten Tag schrieb ich die nächsten 3 anstehenden Elterngespräche schon mal vor. Den IST-Stand festzuhalten, um sich theoretisch dann etwas Arbeit zu sparen, wenn es soweit ist. Tja und dann wurde es auch schon dünn, denn meine Arbeit besteht durch aktives Teilhaben am Alltag der Kinder, dessen Mitgestaltung und deren Förderung. Also machte ich noch einen Dino-Ordner (Angebotsordner für die Förderung der mittleren) samt Register, Deckblatt und ausgearbeiteten Angeboten anhand der Gelsenkirchener Entwicklungstabelle. Dann rief mich auch meine Kollegin (Leitung des KIGA) an und teilte mir mit, dass ich in der 2. Woche im Kiga ‘was machen dürfte. Also fuhr ich in dieser Woche 2-mal in den Kiga und erledigte so typische Aufgaben, die man immer schiebt, weil sie nicht dringend notwendig sind, aber irgendwann doch mal gemacht werden müssen, z.B. Vorhänge um die Snozzle-Ecke aufhängen, Aushänge neugestalten und laminieren und noch mehr so spanende Dinge. Ende der 2. Woche war klar: Ich habe jetzt alles gemacht, was ich tun kann, so bekam ich fürs Home-Office Prozesse aus unserem QM-Ordner zum Bearbeiten. Spannend war‘s nicht, aber besser als nichts tun alle mal. Und in Woche Nummer 3 war ich dann 3-mal im Kiga und habe meinen Gruppenraum und einen Teil des Nachbargruppenraums mit Hilfe einer Kollegin in Inventartabellen getippt. Sowas muss nämlich auch jeder Kiga haben. Wenn es mal brennt, bekommt man nämlich nur das ersetzt, was darinsteht. Und nachdem jetzt viel Zeit ist, durfte ich das beginnen.

Nun ist die Osterwoche. Da habe ich sowieso Urlaub und bin jetzt zu „Hause“. Ich gehe oft spazieren, tanze im Hof (und hoffe, dass mich keiner auslacht), singe und backe mit meiner Schwiegermami Brot. Zum Spazierengehen frage ich immer mal wieder verschiedene Freunde, ob jemand mitlaufen will. Natürlich auf Abstand, aber dann ist man nicht so alleine und man kann sich austauschen.

Manche Freunde von mir tun sich wirklich schwer mit dieser Situation. Für die bete ich und biete z.B. Einkaufshilfe an, wenn ich eh zur Arbeit fahre. Blöd war auch die Situation, nicht auf die Beerdigung von einem lieben Gemeindemitglied gehen zu können, aber ich muss schließlich mich und die anderen schützen. Ich weiß, dass wir das gemeinsam schaffen können und den Mindestabstand an den Kassen können wir gerne beibehalten. Denn ich hasse es, wenn Fremde mir in die Hacken fahren oder mir schier in meinen Nacken atmen. Aber ich bitte alle inständig da draußen: denkt daran, nicht jedem gleich eine böse Absicht zuzuschreiben und lächelt euch an! Ich weiß, dass manche noch immer nicht begriffen haben, warum so gehandelt werden muss, aber denkt daran, dass dies nur ein paar Menschen sind – nicht alle! Denn das Einzige, was mir wirklich Angst macht, ist, dass der soziale Abstand auch nach der Krise bleibt und jeder dem anderen eine böse Absicht zuschreibt.

Zur Aktion: #WirSchreibenUnsMut