Gerade jetzt, zu den Quarantänezeiten, zieht es mich noch mehr hinaus in die Natur, der einzig vermeintlich freie Ort, welcher uns nicht genommen werden kann. 

Nachdenklich, jedoch auch in irgendeiner Weise zufrieden gestimmt, sitze ich auf einer Bank – umgeben von gelben Feldern, grünen Wiesen und Wäldern. Wenn nicht gerade von den ersten intensiven Sonnenstrahlen des Frühlings geblendet, würde ich behaupten, dass der Himmel so klar und blau wie nie zuvor erscheint. Stille. Keine Kerosinstreifen am Himmel. Das Einzige, das man hört, ist Vogelgezwitscher und ein paar summende Bienen. Ich habe Vögel noch nie verfolgt, geschweige denn sie interessant gefunden. Doch jetzt wäre ich zu gerne in ihrer Position. Sobald ihnen ein Ort nicht mehr gefällt, es zu kalt ist oder ihnen ungeheuer erscheint, fliegen sie zum nächsten Ort. Dieses Gefühl von Freiheit muss unglaublich sein. Und gerade in diesen Tagen bekommt Freiheit, Unabhängigkeit, aber auch Wertschätzung nochmals einen ganz anderen Stellenwert!

Zum wohl ungünstigsten Zeitpunkt war ich kurz davor, alles aufzugeben und mich auf Weltreise zu begeben. Für einen freien Vogel, wie ich es bin, kann einen eine Pandemie, wie wir sie jetzt erleben, schon kräftig aus der Spur bringen! Man hat keinerlei Einfluss auf das, was um einen herum geschieht. Ein Virus hat kurzerhand die Welt erobert und mal „geschwind“ die komplette Wirtschaft, den Tourismus und vieles mehr lahmgelegt.

Dieser Schicksalsschlag traf mich nachhaltig. Ich hatte bereits alles seit über einem halben Jahr geplant. Wie meine grobe Reiseroute aussehen wird, wann ich wo starten werde, an welchen Freiwilligenprojekten und Work & Travel-Programmen ich teilnehmen werde und habe sogar eine eigene Website erstellt. Ich hatte meinen Job gekündigt, meine Wohnung untervermietet, mein Auto verkauft, all das, was man eben macht, bevor man sich auf große Reisen begibt. Ich war bereit, alles aufzugeben und nur mit meinem Backpack in die weite Welt loszuziehen. Meine Abreise stand kurz bevor. In ein paar Tagen hätte ich in Südafrika sein sollen. Leider muss ich mit gebundenen Händen zusehen, wie die Welt den Atem anhält und ihre Tore geschlossen hält. Natürlich ist dies alles sehr frustrierend, jedoch versuche ich weiterhin, das Positive daraus zu sehen. Unsere Weltklimaziele können wahrscheinlich endlich eingehalten werden, die Fauna & Flora blüht völlig neu auf, Menschen werden dankbarer und schätzen das Leben völlig neu. Auch ich hatte Glück im Unglück und darf meine Tätigkeit bei der Würth Industrie Service fortsetzen, mein Auto weiterhin fahren und mit meinem besten Freund als Untermieter die Wohnung teilen. Es hätte mich also härter treffen können. 

An dieser Stelle möchte auch ich DANKE sagen, dass ich in diesen Zeiten noch hier bei meiner Familie und Freunden sein, meinen Job noch ausführen darf und an alle, die mich für meine Reise unterstützen! Meine Gedanken sind vor allem auch bei den Menschen, die zu fünft oder mehr in kleinen Zimmern zusammengepfercht isoliert sind, teilweise sogar ohne funktionierenden Sanitäranlagen, bei den Helferinnen und Helfern, Ärztinnen und Ärzten, die versuchen unser Leben zu retten, den Wissenschaftlern, die rund um die Uhr an einem Impfstoff arbeiten, bei allen Kleinbetrieben und Mitarbeitern, die ihren Job verloren haben, und bei den Familien, in denen Gewalt und Missbrauch herrscht. 

Sobald die Grenzen wieder öffnen und der Vogel seine Flügel ausfährt, die Rollen einzieht und abhebt, bin ich wieder dabei! Wenn ihr meine Reise unterstützen oder verfolgen wollt, schaut vorbei auf www.mytime-out.net!                                                         

Lorena Heid

Zur Aktion: #WirSchreibenUnsMut