Als wir das Wort „Coronavirus“ noch nicht kannten, als wir uns noch nicht vorstellen konnten, dass Schulen landesweit geschlossen, Abitur-Termine gekippt, Länder voneinander abgegrenzt, Läden, Gaststätten, Opern, Museen dicht gemacht, Atemmasken und Desinfektionsmittel gestohlen, Fußballspiele ganz „gecancelt“ wurden…, als wir das alles noch nicht kannten, als wir uns das alles noch nicht vorstellen konnten, hatten wir in schulischer Hinsicht aber schon die Lösung: die Schaltkonferenz als virtuellen Raum! Wir, die Redaktion der damaligen Schülerzeitung „Financial T(’a)ime“ (Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim), nur die Probleme waren andere: die Mails wurden weder gelesen noch beachtet und jede Redaktionssitzung stand unter dem Diktat des Bus-Fahrplans, alle Naslang stand einer auf mit der Begründung: mein Bus geht! Es war wie das politisch nicht korrekt klingende Lied von den „zehn kleinen Negerlein“, am Ende war der beratende Lehrer allein!

In „Magazin Schule“ Nr. 17, 2006 lasen wir über „Neue Kommunikationsformen in der Schule“ und nahmen Kontakt zu Roland Bauer, Referat Weiterbildung am Kultusministerium, auf. Der war total überrascht von dieser neuen Idee einer Schülerzeitung. Alles dauerte noch ein Jahr, die Technik-Begeisterung der Redaktionsmitglieder hielt sich in Grenzen, nach vielen Mails und einem Treffen bei Herrn Bauer bekamen wir im Januar 2008 die Einführung in die virtuelle Welt einer Schaltkonferenz. Dies war nur möglich, weil unsere Schule als Weiterbildungsträger beim Kultusministerium registriert war. Die notwendige Software von „vitero“ lud sich jedes Redaktionsmitglied auf seinen Computer, eine Installation war nicht notwendig und so wurde geübt, trainiert – Flops und Erfolgserlebnisse hielten sich die Waage und am Ende waren wir fit für Redaktionssitzungen als Schaltkonferenzen: wir planten, konnten gegenseitig Materialien austauschen, gemeinsam an Materialien arbeiten, diese abspeichern, wir begegneten im Heute dem Morgen, in der Gegenwart der Zukunft, so beschrieben wir es in einem Artikel drei Monate später. Unsere hochfliegenden Träume von einer Zusammenarbeit mit Schulen auf der ganzen Welt erfüllten sich nicht, vermutlich waren wir dafür der Zeit zu weit voraus, technisch wäre es möglich gewesen. So begnügten wir uns mit einer Übertragung unserer Schaltkonferenz zu einer Präsentation von Roland Bauer in Bad Rappenau, der sich von dort in unsere Schaltkonferenz einklinkte. Damit war der Beweis erbracht, was in Bad Rappenau klappte, hätte mit der ganzen Welt funktioniert.

Im Rückblick waren die Schaltkonferenzen unserer Redaktion deutlich konzentrierter als im „Face-to-face-Modus“, es gab keine Abschweifungen, kein „Geschwätz“ untereinander – jeder Hundertprozent bei der Sache, der Konzentrationslevel so hoch wie nie zuvor. Auch zurückhaltende Redaktionsmitglieder kamen zu Wort, sie mussten nur auf „Wortmeldung“ klicken, sofort war diese sichtbar. Die Reihenfolge der Wortmeldungen wurde mit Ziffern verdeutlicht. Wir beamten uns in die Zukunft und scheiterten zugleich an der damaligen Gegenwart: an Funklöchern, an der fehlenden Schnelligkeit der Internet-Verbindungen – die ständigen Abstürze während den Sitzungen, die ständige Frage in die Runde: ist XY wieder da?

Zurück zu Corona und zu den geschlossenen Gymnasien: Wir hatten damals nicht nur die Technik für Videokonferenzen, wir waren auch fit darin. Bei Corona wäre es für mich als Deutschlehrer ein Leichtes gewesen, ganze Klassen in das System zu integrieren, nicht nur über einzelne Passagen der Abi-Lektüre zu diskutieren, sondern Schüleraufsätze gemeinsam zu korrigieren, wobei die Schüler Vorschläge in diese Aufsätze hätten schreiben können. Auch wenn es die Schülerzeitung seit Jahren nicht mehr gibt, so leben doch unsere drei Internet-Kanäle weiter, und mit jeder Schul-Schließung steigen die Klickzahlen, besonders bei unseren Sendungen zum Deutsch-Abitur und zu den Pflichtlektüren. Was wir damals begannen und aufbauten, dient nun aktuell Tausenden von angehenden Abiturienten zur Abitur-Vorbereitung unter extrem schwierigen Bedingungen: täglich zweitausend klicken sich zurzeit auf unseren Kanälen zum erhofften Erfolg!

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Wir sind damals neue Wege des virtuellen Miteinanders gegangen, es hat sich bewährt! Wir wollen alle Schulen ermutigen, im Rahmen des Möglichen auf diese virtuellen Chancen zu setzen!

Artikel: Klaus Schenck/„FT-Abi-Plattform“

Fotos: Klaus Schenck

FT-Internet-Kanäle:

Handbuch für eine „vitero“-Schaltkonferenz: http://www.klausschenck.de/ks/downloads/g95-viterohandbuch.pdf