Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Und, was möchtest du später einmal werden?“ Soweit ich mich zurück erinnern kann, haben mir die unterschiedlichsten Menschen diese Frage gestellt. In der Grundschule war meine Antwort „Malerin oder Sportlehrerin“, in der Realschule „Psychologin oder Politologin“. Im Wirtschaftsgymnasium nach der 13. Klasse wurde es jedoch ernst: „Was will ich werden?“ Diese Frage, so oft gehört, stellte ich mir erstmals selbst. Alle Türen standen mir offen! Allerdings es ist schwierig, selbstbewusst durch eine davon zu schreiten, wenn man keinen wirklichen Traumberuf hat. Schlussendlich, und nach vielen qualvollen Überlegungen, entschied ich mich, in Würzburg Biologie zu studieren.

Das Bachelorstudium bereitete mir in den ersten drei Semestern große Schwierigkeiten, wurde jedoch einfacher, als ich mir selbst Schwerpunkte aussuchen konnte. Für mich waren das Zell-  und Mikrobiologie, auf die ich mich auch im Masterstudium fokussierte. Zu dieser Zeit wurde mir häufig die Frage gestellt, was ich denn später mit Biologie machen könnte. Eine Frage, die stets ein Lächeln auf die Lippen eines jeden Biologen zaubert. Hier die Antwort an alle da draußen: Wir wissen es nicht und kümmern uns später darum!

Nach dem Masterstudium nahm ich eine Doktorandenstelle am Lehrstuhl für Mikrobiologie an, denn nur mit einem Masterabschluss bewaffnet, hieß es, hätte man ja sowieso keine Chancen auf dem Jobmarkt. Die Zeit im Labor während der Promotion war die frustrierendste, aber zugleich auch die spannendste Zeit in meinem bisherigen Leben. Tränen standen mir in den Augen, als mir nach 3 Jahren harter Arbeit der Doktorhut aufgesetzt wurde. Jedoch kam schnell die Einsicht, dass ich nun wieder am Scheideweg stand. Welchen Job möchte ich eigentlich gerne machen? Erstmals setzte ich mich mit den Möglichkeiten in der Industrie auseinander, denn universitäre Forschung kam für mich nicht in Frage. Hier mein Tipp an alle angehenden Naturwissenschaftler, die nicht an Uni-Forschung interessiert sind: Versucht während des Studiums Praktika oder eure Bachelor-/Masterarbeit in der Industrie zu absolvieren. Jegliche Art von außeruniversitärer Erfahrung ist später Gold wert! Der Bewerbungsprozess dauerte vier Monate, dann wurde ich in Karlsruhe bei dem Unternehmen PPD Germany GmbH & Co. KG, einem Dienstleister für klinische Studien, angestellt. Und auch hier ein kleiner Tipp: Versucht auf Jobmessen zu gehen und dort an den Ständen eure Flyer oder Bewerbungsmappen loszuwerden.

Mein Jobtitel war wie so oft heutzutage kryptisch: Remote Site Monitor, was so viel wie Klinischer Monitor im Innendienst bedeutet. Auch wenn die Arbeit grundsätzlich Spaß machte, bewarb ich mich firmenintern schon nach einem Jahr auf eine andere Stelle: Als Country Approval Specialist bin ich für Einreichungen klinischer Studien im Auftrag eines Sponsors bei Behörden und Ethikkommission verantwortlich. Konkretes Wissen aus meinem 8-jährigen Studium inklusive Doktorarbeit konnte ich dabei nicht anwenden.

Nun bin ich im Berufsleben angekommen und die fragenden Stimmen zur Berufswahl sind verstummt, während meine eigene lauter geworden ist: Ist es das? Willst du das die nächsten 40 Jahre machen? Heutzutage bleibt schließlich kaum noch jemand sein Leben lang im selben Unternehmen. Die Entscheidungen, die wir auf dem Weg zum Arbeitsmarkt treffen, bestimmen nicht mehr zwangsläufig unsere berufliche Tätigkeit von morgen, übermorgen oder in 20 Jahren. Alleine deshalb sollten wir uns nicht vor der Berufsfrage fürchten. Egal wohin die Reise geht: Unsere zahlreichen Entscheidungen führen uns zu interessanten Erfahrungen, zu unserer persönlichen Weiterentwicklung und zur Formung unseres Charakters.

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